Ärzte Zeitung, 26.10.2011

BDI: Hausarzt-Internisten sollen sich abgrenzen

Hausärztlich tätige Internisten könnten den drohenden Hausärztemangel mildern. Dazu müsse man sie nur stärken, fordert der Bundesverband Deutscher Internisten. Der Vorschlag: Eigene Leistungen, eigenes Honorar.

Von Jürgen Stoschek

BDI: Hausarzt-Internisten sollen sich abgrenzen

Die Hausarzt-Internisten sollten sich deutlich von der Allgemeinmedizin absetzen, so BDI-Präsident Dr. Wolfgang Wesiack.

© BDI

MÜNCHEN. Für eine Stärkung der hausärztlich tätigen Internisten mit einer eigenen Honorierung und eigenen Leistungen hat sich der Berufsverband Deutscher Internisten (BDI) ausgesprochen.

Die Hausarzt-Internisten sollten sich deutlich von der Allgemeinmedizin absetzen, sagte BDI-Präsident Dr. Wolfgang Wesiack beim Bayerischen Internistenkongress in München.

Zahl der Hausarzt-Internisten steigt

Die Zahl der hausärztlich tätigen Internisten nehme kontinuierlich zu und liege bei 23 Prozent, erklärte Wesiack. Ohne Internisten sei die hausärztliche Versorgung nicht mehr vorstellbar.

Eine Stärkung der Internisten ohne Schwerpunkt sei auch ein Weg, dem drohenden Hausarztmangel zu begegnen.

BDI: Spezialarztsektor ein Fortschritt

Die geplante ambulante spezialärztliche Versorgung (ASV) stellt nach Ansicht des BDI einen Fortschritt im Vergleich zum jetzigen Paragrafen 116b SGB V dar.

Es werde aber noch ein langer Weg sein, bis das Prinzip der gleichlangen Spieße realisiert sein wird, meinte Wesiack. Man dürfe nicht erwarten, dass am 1. Januar 2012 alle Signale auf Grün stehen werden.

Mehr innovative Ansätze gewünscht

Eines der wesentlichen Probleme bei der Umsetzung der ASV werde die Indikationsstellung sein.

Bei den Festlegungen wünsche er sich mehr innovative Ansätze, zumal schätzungsweise 80 Prozent der für die ASV infrage kommenden Erkrankungen aus dem internistischen Bereich stammen.

BDI hat Facharztstatus im Blick

Bei der ASV werde der Internistenverband genau darauf achten, dass bei der Umsetzung der Facharztstatus gilt, der garantiere, dass nur ein Facharzt mit abgeschlossener Weiterbildung in der ASV tätig sein darf, ergänzte BDI-Vizepräsident Dr. Hans-Friedrich Spies.

Nur den Facharztstandard zu verlangen sei zu wenig, weil damit auch Ärzte in der Weiterbildung eingeschlossen wären. Bei der ASV handele es sich um einen Bereich mit sehr speziellen Leistungen, die entsprechende Kenntnisse und Fertigkeiten voraussetzten.

Regelungen über dreiseitige Verträge angestrebt

Es müsse darauf geachtet werden, dass die ASV nicht zu einem Einkaufsmodell der Kassen werde, erklärte Spies.

Deshalb sollten Regelungen über dreiseitige Verträge angestrebt werden, mit denen den Anforderungen vor Ort besser gerecht werden könne als über ein Verfahren beim Gemeinsamen Bundesausschuss.

[27.10.2011, 11:21:16]
Dr. Jürgen Schmidt 
Zum Kern des Problems und auf den Punkt kommen !
Dem BDI steckt verständlicherweise noch die obskure Verschmelzung seines Fachgebietes mit der Allgemeinmedizin in den Knochen und manches mehr.

Aus Sicht des Patienten ist es keineswegs gleichgültig, welchen Facharzttitel sein Hausarzt trägt. Vor allem aber muss er genug von seinem Fach und der jeweiligen Krankheit verstehen. Für den Anteil von ca 80 % Inneren Erkrankungen in der Hausarztpraxis ist die Weiterbildung des Allgemeinmediziners jedoch einfach nicht zugeschnitten und die Zulassung vieler Weiterbildungsstätten (Kurkliniken) auch nicht. Dies ist einer der Gründe, warum junge Kollegen - trotz der Leistungsbeschränkungen der Hausarztmedizin durch die Gebührenordnung - lieber in entsprechenden Kliniken die Weiterbildung als Internist abschließen, als Allgemeinmediziner zu werden, obwohl mit Förderprogrammen, Zuschüssen, Verbundweiterbildung und Propaganda sehr viel unternommen wird, die Allgemeinmedizin zu fördern.

Einmal niedergelassen entdecken die jungen Internisten, dass Sie vielleicht etwas mehr Kooperation mit Chirurgen, Orthopäden, Kinderärzten benötigen, als die wenigen Allgemeinmediziner, die entsprechende und ausreichende Zusatzqualifikationen (nicht nur durch ein paar Kurse und Federstriche) erworben haben. In den dichter besiedelten Gebieten und Städten ist die sinnvolle Kooperation auf Facharztstandard ja auch kein Problem und stellt die "adäquate Versorgungstufe" dar.

Es sollte nun endlich die Erkenntnis reifen, dass wir - je nach Niederlassungsort - verschiedene Weiterbildungsgänge und Leistungsspektren für den Hausarzt benötigen. Mit einer modular aufgebauten Weiterbildungsordnung ist dies auch zu leisten. zum Beitrag »
[26.10.2011, 18:02:22]
Dr. Dimitra Avramidou-Neuböck 
MehrHonorar f. Internisten ohne Schwerpunkt?
Wozu eine Abgrenzung der Hausarzt-tätige Internisten bzg. Honorar und Leistungen? Ist damit gemeint mehr Leistungen?

Warum eigentlich? Die Weiterbildung als Internist ohne Schwerpunkt ist auch 5 Jahre, die Weiterbildung zum Allgemeinarz ist ebenfals 5 Jahre mit Pflicht 3 Jahre internistische Ausbildung! Der "alte" 3 jährige oder 4- jährige praktischer Arzt wurde zum Glück abgeschaft!
Ich bin internistisch ausgebildet und ich habe den Facharzt für Innere und Allegemeinmedizin (leider wurde abgeschaft) gemacht und ich muß persönlich gestehen dass nur als Internist frisch vom Krankenhaus hausärztlich tätig sein zu sein, ist für eine ambulante Versorgung unzureichend!
Sollten die Internisten ohne Schwerpunkt hausärztlich tätig werden, wäre voerst 1 jähriges Praktukum im ambulanten Bereich zu empfehlen. Danach dürften sie auf Kinder, Erwachsenen usw. sowohl chirurgisch als auch internistisch loss gelassen werden!
Es ist wieder traurig festzustellen, dass der DBI-Verband statt mit dem Sektor Familien und Allgemeinmedizin zusammenzuarbeiten, wieder finanzielle Vorteile als Anreiz für die Tätigkeit als Hausarzt, aber nur für Internisten ohne Schwerpunkt zu gewinnen versucht!
Eine Abgrenzung finde ich nicht erforderlich, sondern als Diskriminierung den jüngen Allgemeinärzten (die sehr gut ausgebildet sind)gegenüber! Anderseits ist der DBV nicht bekannt dass im stationären Bereich keine Allgemeinärzte (nach d. neuer WBO) willkommen sind? So bleibt der ambulante Bereich der Fachrichtung Familie - und Allgemeinmedizin vorbehalten! Es ist wunderbar als Hausarzt tätig zu sein, auch ohne immer ideale finanzielle Vorteile zu gewinnen!  zum Beitrag »

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