Ärzte Zeitung online, 05.11.2011

Einigung in letzter Minute: Uniärzte blasen Streik ab

BERLIN (chb). Die für den 7. November geplanten Streiks an den deutschen Unikliniken sind abgesagt. Am Samstagnachmittag erzielten der Marburger Bund und die Tarifgemeinschaft der Länder (TdL) doch noch einen Kompromiss.

Tarifeinigung in letzter Minute: Uniklinik-Ärzte streiken nun doch nicht

Gutes Geld für gute Arbeit - die Uniklinik-Ärzte streiken nicht, denn die Tarifpartner fanden einen Kompromiss, mit dem beide Seiten zufrieden sind.

© dpa

So erhalten die etwa 20.000 Ärzte an den betroffenen deutschen Unikliniken ab sofort 3,6 Prozent mehr Gehalt. Zudem wurde eine Einmalzahlung von 350 Euro vereinbart. Der Tarifvertrag hat eine Laufzeit von 20 Monaten.

Ab 2012 bessere Vergütung der Nachtarbeit

Für die Klinikärzte dürfte allerdings wichtiger sein, dass ab 2012 die Nachtarbeit besser vergütet wird. Die Ärzte erhalten dann statt einer stundenweise Pauschale von 1,28 Euro nun einen Zuschlag von 20 Prozent ihres normalen Entgelts.

Die gleiche Regelung gilt für nächtliche Bereitschaftsdienste.

Mehr Geld für Ärzte ab dem 13. Berufsjahr

Außerdem wurde eine zusätzliche Entgeltstufe für Ärzte ab dem 13. Berufsjahr vereinbart. Sie erhalten ab dem neuen Jahr 120 Euro mehr. Vereinbart wurde zudem, dass der Tarifvertrag jetzt auch für Ärzte im Justizvollzugsdienst gelten soll.

Nicht betroffen waren die Länder Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen und Rheinland-Pfalz.

MB-Chef: "Können mit dem Erreichten leben"

"Beide Seiten haben sich bewegt", kommentierte Hartmut Möllring, Verhandlungsführer der TdL am Samstag in Berlin. MB-Chef Rudolf Henke resümierte: "Wir sind nicht in Jubelstimmung, können aber mit dem Erreichten leben."

Verhandlungen am 30. September nach fünf Runden abgebrochen

Die TdL hat mit diesem Tarifabschluss im Prinzip ihr wichtigstes Ziel erreicht. Die Länder wollten nicht über die mit Verdi vereinbarte Tariferhöhung von 3,75 Prozent hinausgehen, die für alle anderen Landesbediensteten vereinbart wurde.

Der Marburger Bund hatte ursprünglich insgesamt 6,3 Prozent gefordert und die Tarifgespräche nach fünf Verhandlungsrunden am 30. September abgebrochen. Bei der anschließenden Urabstimmung hatten 97,4 Prozent der Ärzte an den Unikliniken für Streiks gestimmt.

Lesen Sie dazu auch:
Marburger Bund träumt von Dänemark

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Der Frust der Ärzte wird bleiben

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Medikamente auch einmal beherzt absetzen!

Viele Ärzte scheuen sich, Medikamente abzusetzen - obwohl sie wissen, dass dies Patienten oft hilft. Neuseeländische Wissenschaftler haben zwei paradoxe Gründe dafür gefunden. mehr »

Geht's auch etwas modischer in der Klinik?

Unsere Bloggerin Dr. Jessica Eismann-Schweimler hat Verständnis für die Klinik-Kleidungsvorschriften. Doch mit ein klein wenig Fantasie könnte man auch den unvermeidlichen Kasack hübscher gestalten, meint sie. mehr »

Sport im Alter schützt vielleicht vor Demenz

Dass Sport nicht Mord bedeutet, wissen Forscher schon lange. Jetzt haben Alters- und Sportwissenschaftler messen können, wie Sport das Gehirn im Alter verändert. Dient Fitness als Demenzprävention? mehr »