Ärzte Zeitung, 07.11.2011

Entlastung durch weniger Patientenkontakte?

Im Kampf gegen den Ärztemangel sieht Mecklenburg-Vorpommerns KV-Chef eine mögliche Lösung: einfach Patientenkontakte reduzieren.

Von Dirk Schnack

Entlastung durch weniger Patientenkontakte?

KV-Chef von Mecklenburg-Vorpommern, Dr. Wolfgang Eckert.

© KV Mecklenburg-Vorpommern

ROSTOCK. Der Ärztemangel ist in vielen Landstrichen Mecklenburg-Vorpommerns längst Realität. Vom Versorgungsstrukturgesetz erhofft man sich im Nordosten zwar einige Verbesserungen, lösen wird das Gesetz die Probleme nach Ansicht der Hausärzte aber nicht.

Deshalb brachte KV-Chef Dr. Wolfgang Eckert auf dem Hausärztetag Mecklenburg-Vorpommern jüngst eine neue Variante ins Spiel: die Zahl der Patientenkontakte verringern. Denn für ihn steht fest: "Wir haben zu wenig Ärzte für die Zahl der Patientenkontakte."

Lösung: An drei Stellschrauben drehen

Zur Lösung könne an drei Stellschrauben gedreht werden, und das Versorgungsstrukturgesetz setze an zwei von ihnen an: ärztliche Leistungen delegieren und die Attraktivität der Niederlassung erhöhen. Sollte beides - wie von den Hausärzten erwartet - nicht die nötige Entlastung bringen, kommt die Politik nach Ansicht Eckerts mittelfristig nicht an der dritten Schraube, nämlich der Zahl der Patientenkontakte, vorbei.

Bei derzeit 18 Arztbesuchen im Jahr liegen deutsche Patienten im internationalen Vergleich an der Spitze. Mit weniger Praxisbesuchen könnte die angespannte Situation also in vielen Regionen entlastet werden. Eckert vermutet, dass an dieser Stellschraube aus Angst vor unpopulären Entscheidungen von der Politik bislang nicht gedreht wurde.

Attraktiviät für Niederlassungen: Weniger Formulare, weniger Kontrolle, besseres Image

Um die Attraktivität für Niederlassungen weiter zu erhöhen, schlug der Chef der Kassenärztlichen Vereinigung in Rostock außerdem vor:

Weniger Formulare: Die Praxen müssen für gesetzlich Versicherte zahlreiche unterschiedliche Formulare bereithalten und ausfüllen. Dass dies auch anders geht, zeigt die private Krankenversicherung. Eckert forderte deshalb die "Ein-Formular-Praxis".

Weniger Kontrolle: Stichproben ja, flächendeckende Überwachung nein - mit dieser Faustregel würden Ärzte vom Generalverdacht befreit und könnten mit einem Vertrauensvorschuss arbeiten.

Besseres Image: Wenn in Zusammenhang mit der Niederlassung nur negative Nachrichten vermittelt werden, führt dies zu einem Imageschaden. Vorteile wie guter Verdienst, breites Aufgabenspektrum und gutes Arzt-Patientenverhältnis werden damit verdrängt und vom Nachwuchs nicht wahrgenommen.

Zumindest in Teilen stimmte der Vorstandsvorsitzende der AOK Nordost, Frank Michalak, Eckert zu. Auch er sprach von einem Attraktivitätsproblem der Niederlassung und von zu viel Bürokratie - die von den Kassen erzeugt wird: "Wir als Kassen sind ein Treiber der Bürokratie. Lassen Sie uns das Problem gemeinsam angehen."

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