Ärzte Zeitung online, 07.11.2011

Marburger Bund ist nicht euphorisch

BERLIN (chb). Nicht euphorisch, aber doch vertretbar, so beurteilt der Marburger Bund das Ergebnis der Tarifverhandlungen für die Ärzte an den Universitätskliniken.

Man habe viele wichtige, wenn natürlich auch nicht alle Ziele erreicht, sagt der Sprecher des Marburger Bundes Hans-Jörg Freese.

Zwar sehe es auf den ersten Blick so aus, als habe sich mit der vereinbarten linearen Erhöhung von 3,6 Prozent und der Einmalzahlung von 350 Euro die Tarifgemeinschaft der Länder (TdL) durchgesetzt, das stimme aber so nicht.

Die TdL hat lange daran festgehalten, dass sie den Ärzten nicht mehr als die 3,75 Prozent zugestehen werde, die sie mit ver.di für die Landesbediensteten ausgehandelt hat, bei einer Laufzeit von 24 Monaten.

Gespräche Ende September abgebrochen

Verbesserungen bei den Zuschlägen für Nachtarbeit oder Bereitschaftsdienste sollten die Ärzte zum Beispiel durch einen Abzug von Urlaubstagen kompensieren.

Das hatte der Marburger Bund stets als nicht zu akzeptierendes Tarifdiktat empfunden und konnte eine solche Kompensation mit der neuen Tarifvereinbarung auch abwehren.

Der MB hatte nach fünf ergebnislosen Verhandlungsrunden am 30. September die Gespräche abgebrochen. Am Montag dieser Woche wollten die Uniärzte mit unbefristeten Streiks beginnen. Diese konnten nach der kurzfristigen Einigung am vergangenen Samstag abgesagt werden.

Prozentuale Zuschläge für Nachtarbeit

Der Marburger Bund hat aus seiner Sicht die wichtigsten Ziele erreicht. "Wenn alle Elemente der Einigung berücksichtigt werden, kommen wir auf ein Volumen von 4,6 bis 4,75 Prozent", sagt Freese.

Dazu zählt unter anderem, dass die Laufzeit nur 20 und nicht wie beim ver.di-Vertrag 24 Monate umfasst.

Wichtig war für den Marburger, dass die Nachtarbeit besser bezahlt wird. Auch das ist gelungen. So erhalten die Uniärzte ab dem kommenden Jahr statt 1,28 Euro pro Stunde einen Zeitzuschlag von 20 Prozent auf ihr normales Entgelt.

Betriebsärzte nicht im Tarifwerk

Auch Ärzte, die in der Nacht Bereitschaftsdienste leisten, erhalten einen solchen Zuschlag.

Ein weiteres Ziel hat der Marburger Bund nur teilweise erreicht. So gilt der neue Tarifvertrag auch für Ärzte, die im Justizvollzugsdienst arbeiten.

Für andere im Landesdienst tätigen Ärzte, wie zum Beispiel Betriebsärzte, gilt der Tarifvertrag dagegen nicht. Das zu erreichen sei aber ein Ziel für die nächsten Tarifverhandlungen, sagt Freese.

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