Ärzte Zeitung, 15.11.2011

Hausärztetag würdigt Wegbereiter der Facharztausbildung

Doppeljubiläum in Sachsen: 20 Jahre Hausärztetag, vor 50 Jahren Einführung des Facharztes für Hausärzte.

Von Thomas Trappe

DRESDEN. Der Sächsische Hausärztetag, der kürzlich in Oybin stattgefunden hat, hatte festlicheren Charakter als die Vorgängerveranstaltungen am gleichen Ort.

Nicht nur das 20. Jubiläum der Veranstaltung wurde mit Vorträgen gefeiert, sondern auch der 50. Jahrestag der sogenannten "Weimarer Konferenz", mit der 1961 in der DDR die Einführung der verbindlichen Facharztausbildung beschlossen wurde.

Die Ärzte des Landes seien damit Vorreiter für ganz Europa gewesen, sagte Ingrid Dänschel, Vorsitzende des Sächsischen Hausärzteverbandes.

"Nach der Wende kamen die meisten Impulse aus dem Osten"

Vor allem von den sächsischen Kollegen seien damals die maßgeblichen Impulse gekommen, sich für eine Professionalisierung des Hausarztberufes und damit für ein den anderen Facharztgruppen gleichgestelltes Berufsbild einzusetzen, sagte Dänschel der "Ärzte Zeitung".

Eine Initiative, die schließlich auch dazu beigetragen habe, dass es in der ganzen Bundesrepublik inzwischen eine verpflichtende Facharztausbildung gebe.

"Da kamen sicher nach der Wende die meisten Impulse aus dem Osten", so Dänschel. 1967 wurde in der DDR ein verbindliches Curriculum für angehende Hausärzte auf den Weg gebracht, und damit eine fünfjährige Weiterbildung zur Pflicht.

Inakzeptabel, dass an vielen Instituten der Lehrstuhl für Allgemeinmedizin fehle

Zur Rolle der Hausärzte sprach in Oybin auch der Ehrenvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbands, Professor Klaus-Dieter Kossow. Zudem wurde der Vorgänger Ingrid Dänschels im Amt des Vorsitzenden, Dr. Diethard Sturm, zum Ehrenvorsitzenden des Sächsischen Verbandes ernannt.

Bei aller Feierlichkeit, so Dänschel, sei nicht zu übersehen, dass auch heute noch nicht von einer Gleichberechtigung der Hausarzt-Ausbildung an den Universitäten gesprochen werden könne.

So sei es nicht akzeptabel, dass an vielen Instituten kein Lehrstuhl für Allgemeinmedizin vorhanden sei und, wenn doch, zu oft nur wenige Lehrkräfte zur Verfügung stehen.

"Dann ist es auch nicht verwunderlich, wenn sich zu wenig Medizinstudenten für diese Ausbildung interessieren - sie kommen mitunter gar nicht damit in Kontakt."

MFA werden gewürdigt

Außer der Rolle des Hausarztes wurde in Oybin auch jene der Medizinischen Fachangestellten (MFA) gewürdigt. "Die Arbeit in einer Praxis wird heute mehr denn je als Teamwork verstanden", sagte Dänschel und verwies auf die Zusammensetzung des Publikums.

So seien neben 250 Ärzten etwa genauso viele MFAs gekommen. In den ersten Nachwendejahren waren noch ausschließlich Ärzte geladen.

"Auch bei den MFAs hat sich das Rollenverständnis geändert: Weg von einer reinen Assistenz, hin zum professionellen Partner im Praxisbetrieb", sagte die Verbandschefin.

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