Ärzte Zeitung, 28.11.2011

Notdienst-Reform soll Ärzte im Südwesten entlasten

Die KV Baden-Württemberg wird sich 2012 an der Quadratur des Kreises versuchen: Eine Reform des Notfalldienstes - ohne Streit und ohne neue Gräben.

Notfalldienst-Reform soll Ärzte entlasten

Dr. Johannes Fechner, KV-Vize in Baden-Württemberg.

© Illian

Von Florian Staeck und Wolfgang van den Bergh

STUTTGART. Am Beginn der Reform des Notfalldienstes in Baden-Württemberg hat der Taschenrechner gestanden.

"Wir hatten anfangs für jeden Arzt, der Notfalldienst macht, einen Sockelbetrag von 200 Euro geplant. Hinzu sollten 400 Euro Umsatzgarantie kommen", berichtet KV-Vize Dr. Johannes Fechner im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung".

Durchgerechnet und festgestellt: nicht finanzierbar

Am Ende der Rechnung war klar, "dass dies mit der jetzigen Zahl von Notfalldienstbereichen nicht finanzierbar ist", sagt Fechner.

An Strukturreformen führe deshalb kein Weg vorbei. Im Kern geht es darum, die Zahl der Notfalldienstbezirke von landesweit über 400 auf unter 150 zu senken.

Bereitschaftsdienst in zentraler Notfallpraxis an einer Klinik

Wo immer möglich, soll der Bereitschaftsdienst in einer zentralen Notfallpraxis an einer Klinik erfolgen. Damit will die KV, gerade auch auf dem Land, die steigende Dienstbelastung von Vertragsärzten bremsen.

Zudem sei die Organisation des Bereitschaftsdienstes ein zentrales Kriterium für junge Ärzte, ob und - wenn ja - wo sie sich niederlassen, so Fechner.

Geregelte Arbeits- und Bereitschaftszeiten sind demnach für den Nachwuchs eine wichtige Voraussetzung für die Berufswahl.

Die Wege für die Patienten werden länger

Fechner verspricht: "Es wird überwiegend nur Gewinner geben, weil die Dienstfrequenz sinkt und der Umsatz durch die bessere Auslastung steigt." Klar sei allerdings, dass die Wege für Patienten im Notfalldienst nach der Reform länger würden.

Bis zur Jahresmitte 2012 will der KV-Vorstand eine Blaupause vorliegen, dann beginnt die konkrete Umsetzung. Sind die neuen, größeren Notfallbezirke etabliert, dann sollen nach Angaben von Fechner auch die Vergütungspläne - Sockelbetrag plus Umsatzgarantie - wieder aus der Schublade geholt werden.

350 Hausärzte aus Südwesten hören 2012 auf

Eng verknüpft mit dem Notfalldienst ist eine weitere Baustelle des KV-Vorstands. Der Nachwuchsmangel bei Hausärzten wird immer drängender. 500 Hausärzte werden im Südwesten allein schon bis zum Jahr 2015 fehlen, warnt der KV-Vize.

Allein im kommenden Jahr würden 350 Hausärzte in den Ruhestand gehen. Die Zahl der Übernehmer einer Praxis taxiert die KV dagegen auf lediglich 220 - es würden demnach Ende 2012 bereits 130 Hausärzte fehlen.

Regio-Praxis BW kommt nur langsam voran

Ein Instrument zu Linderung lokalen Ärztemangels soll das Projekt "RegioPraxis BW" beisteuern. Die Körperschaft plant, diese hausärztlich bestimmten Praxen, in denen Ärzte auch angestellt sein können, baldmöglichst auf den Weg zu bringen. Diese Praxen sollen in Form von Nebenbetriebsstätten auch Raum für die Arbeit von Fachärzten bieten.

So schnell und flexibel wie erhofft kommt das Projekt aber nach Fechners Angaben nicht voran: "Eigentlich wollten wir 2011 schon zwei Standorte etabliert haben. Es ist schwieriger als ursprünglich gedacht, Ärzte und eine passende Immobilie zusammen zu bekommen", berichtet Fechner.

Kandidat für den ersten Standort einer RegioPraxis soll Bad Schussenried im Landkreis Biberach sein. "Dort gibt es für 6000 Einwohner bald keinen Hausarzt mehr", so Fechner. Insgesamt sind bereits vier bis fünf mögliche Standorte für eine RegioPraxis ermittelt worden.

KV denkt bei KV-Umlage um

Zu den Akten gelegt hat der KV-Vorstand ein Projekt, an dem sich schon der frühere Vorstand versucht hatte: Die KV-Umlage sollte, so die Überlegung, durch einen Sockelbeitrag für alle KV-Mitglieder ergänzt werden. Hintergrund ist das wachsende Vergütungsvolumen, das über Selektivverträge an der KV vorbei abgewickelt wird.

"Doch dieses Modell hätte deutlich mehr Verlierer als Gewinner gehabt, vor allem unter den Psychotherapeuten", so der KV-Vize.

Das Vorhaben wurde aufgegeben - es bleibt einstweilig bei der bisherigen KV-Umlage. Der Verwaltungskostensatz für elektronische Abrechner beträgt in diesem Jahr 2,54 Prozent (manuelle Abrechner: 4,2 Prozent).

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