Ärzte Zeitung, 24.11.2011

Nordhessen: Digitale Krankenakte gegen Wunden

KASSEL (mwo). Die nordhessische Ärztegenossenschaft DOXS und die Managementgesellschaft medicalnetworks haben mit vielen Betriebskrankenkassen einen IV-Vertrag zur Versorgung von Patienten mit chronischen Wunden geschlossen.

Bundesweites Neuland betreten die Beteiligten nach eigenen Angaben durch die Kooperation mit einem Netz des regionalen Gesundheitsamtes für Multiresistente Erreger (MRE).

Bundesweit leiden etwa vier Millionen Menschen an schlecht heilenden Wunden, davon etwa 15.000 in der von dem IV-Vertrag erfassten Region Nordhessen.

Davon wiederum sind etwa 3000 bei den beteiligten 60 Betriebskrankenkassen versichert. Der Vertrag sei aber auch für weitere Kassen offen, sagte DOXS-Vorstand und Allgemeinarzt Stefan Pollmächer.

Gesundheitsamt ist mit im Boot

Mit modernen Behandlungsmethoden und leitliniengetreuer Behandlung, vor allem aber durch optimale Vernetzung und eine digitale Krankenakte, wollen die Ärzte chronische Wunden in den Griff bekommen.

Die Vernetzung bezieht auch das MRE-Netz des Gesundheitsamtes Region Kassel ein. Dadurch soll verhindert werden, dass die gefährlichen Keime in offene Wunden gelangen oder sich umgekehrt durch die Versorgung chronischer Wunden weiter ausbreiten.

Einbezogen sind auch die Pflegedienste, die die Versorgung der Wunden nur besonders geschultem Personal überlassen sollen. Auch Angehörige werden geschult, nicht zuletzt im richtigen Händewaschen.

Fünf bis zehn Arztbesuche in acht Wochen

Auf Seiten der Ärzte sollen sich vorrangig Mediziner beteiligen, die regelmäßig mit offenen Wunden zu tun haben, etwa Phlebologen, Diabetologen, Dermatologen, Chirurgen oder Allgemeinärzte mit entsprechender Fortbildung.

Umfasst sind unter anderem das diabetische Fußsyndrom, arteriell und venös verursachte Wunden, Dekubitus und schwerere Verbrennungen. Ein "Grundmodul" dauert acht Wochen und sieht in dieser Zeit fünf bis zehn Arztkontakte vor.

Beteiligte Ärzte bekommen für ihren erhöhten Aufwand eine Add-on-Vergütung, etwa für die Erstversorgung, die Supervision des Pflegedienstes, Zwischen- und Abschlussbericht. Auch Materialien können teilweise aus der Budgetierung herausgenommen werden.

Die beteiligten Krankenkassen sind zuversichtlich, die Mehrkosten am Ende wieder einzusparen - vor allem durch die Vermeidung von Doppeluntersuchungen und Krankenhauseinweisungen.

Dennoch sei dieser Vertrag gerade für die Kassen "nicht sexy", lobte medicalnetworks-Geschäftsführer Christoph Jaworski das Engagement der BKKen.

Wundhotline: Werktags 9 bis 17 Uhr. Telefon: 0561 76685530

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Körperlich aktive Kinder werden seltener depressiv

Bewegen sich Kinder viel, entwickeln sie in den kommenden Jahren seltener depressive Symptome. Viel körperliche Aktivität könnte daher präventiv wirken. mehr »

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Star Trek und die Ethik der Medizin

Ärztliche Fortbildung sind immer dröge Veranstaltungen? Eine Veranstaltung in Frankfurt ist der medizinethischen Wertewelt von Raumschiff Enterprise auf den Grund gegangen - und zeigt, was Ärzte aus der Serie lernen können. mehr »