Ärzte Zeitung, 05.12.2011

6000 Euro bringen Nordrheins Ärzte auf die Palme

6000 Euro pro Monat für Ehrenamt - das sorgt für Ärger

Ärger um das Ehrenamt: In Nordrhein hat die Vertreterversammlung die Entschädigungen für ihre Vorsitzenden drastisch erhöht. Obwohl die Mehrheit dafür stimmte, hagelt es teils heftige Kritik.

DÜSSELDORF (akr). Die Vertreterversammlung (VV) der KV Nordrhein hat die Entschädigung für ihre ehrenamtliche Spitze angehoben. Die Entschädigung für den Vorsitzenden der Vertreterversammlung steigt von monatlich 1950 Euro auf 6000 Euro und für seinen Stellvertreter von 468 Euro auf 4000 Euro.

Vorsitzender der VV in Nordrhein ist zurzeit der Nervenarzt Dr. Frank Bergmann, sein Stellvertreter ist der Hausarzt Dr. Rolf Ziskoven. Die Sitzungsgelder und der Praxisausfall für die übrigen ehrenamtlich tätigen Ärzte in der KVNo steigen um rund 15 Prozent.

Der Hauptausschuss hatte die Anpassung der seit 1992 unveränderten Entschädigungsordung beantragt. "Der Charakter der ehrenamtlichen Arbeit hat sich seitdem erheblich geändert", sagte Justiziar Dr. Horst Bartels.

Der Abstimmungsbedarf mit dem Vorstand habe erheblich zugenommen. Bartels begründet die Anhebung außerdem mit den seit 1992 um 32 Prozent gestiegenen Lebenshaltungskosten.

Zudem würden für die VV-Sitze künftig Sitzungsgelder und der Praxisausfall entfallen, so dass der Sprung gar nicht "so dramatisch" sei. Er liege für den Vorsitzenden bei einem Zuwachs von etwa 20 Prozent.

Zweitdrittelmehrheit stimmte dafür

In der Diskussion über den Antrag überwogen die kritischen Stimmen. "Ich muss darauf hinweisen, dass es sich hier um ein Ehrenamt handelt", sagte der Vorsitzende des nordrheinischen Hausärzteverbands Dr. Dirk Mecking, der vor einem Jahr erfolglos für diese Funktion kandidiert hatte.

Es handele sich um das Zweifache, das ein Familienvater im Durchschnitt verdiene, kritisierte er. "Es ist eine unerträgliche Steigerung, die wir nicht verantworten können gegenüber den Kollegen."

Auch der Delegierte Dr. Wieland Dietrich von der "Freien Ärzteschaft" sprach sich gegen den Antrag aus. "Ich halte das für das falsche Signal an die Kollegenschaft draußen, die sich mit sinkenden Honoraren herumschlagen muss."

Nur wenige Vertreter sprachen sich für den Antrag aus. Wenn der hauptamtliche Vorstand in engem Kontakt zur Vertreterversammlung stehen solle, geschehe dies über den Vorstand der VV, sagte der Delegierte Dr. Hans-Reinhard Pies. "Das kostet immens viel Zeit", sagte er."

Um angenommen zu werden, brauchte der Antrag eine Zweitdrittelmehrheit. In geheimer Abstimmung, die wegen Unregelmäßigkeiten im ersten Anlauf wiederholt werden musste, stimmten 31 Delegierte dafür und 15 dagegen.

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