Ärzte Zeitung online, 09.12.2011

KBV-Vize Müller tritt zurück

Immer wieder hatte er mit seinem Rücktritt gedroht, nun macht er ernst: Dr. Carl-Heinz Müller will als KBV-Vorstand zurücktreten. Hintergrund soll ein Streit mit den Krankenkassen sein.

KBV-Vize Müller tritt zurück

Carl-Heinz Müller gibt sein KBV-Amt auf.

© KV Rheinland-Pfalz

BERLIN (sun/vdb/nös). KBV-Vize Dr. Carl-Heinz Müller hat seinen Rücktritt von der Spitze der Kassenärztlichen Bundesvereinigung angekündigt. Er wolle Anfang 2012 sein Amt niederlegen, sagte Müller am frühen Nachmittag bei der Vertreterversammlung der KBV in Berlin.

Einen genauen Zeitpunkt nannte er nicht. Als Grund für seinen Rückzug gab er an, dass er mehr Zeit mit seiner Familie verbringen möchte. Der 56 Jahre alte Hausarzt aus Rheinland-Pfalz ist seit Juli 2007 hausärztlicher Vorstand der KBV.

Die KBV hat am Freitagabend bestätigt, dass Müller die Vorsitzenden der Vertreterversammlung um die vorzeitige Auflösung seines Vertrages zu Beginn des nächsten Jahres gebeten hat.

"Demnächst werden sich die VV-Vorsitzenden mit Dr. Müller in Verbindung setzen, um über das weitere Vorgehen zu beraten", sagte Roland Stahl, Pressesprecher der KBV, der "Ärzte Zeitung".

Köhler: Tiefes Bedauern

Betroffen reagiert auch KBV-Chef Dr. Andreas Köhler. Gegeüber der "Ärzte Zeitung" erklärte er: "Für die Entscheidung empfinde ich großen Respekt und tiefes Bedauern."

Aus KBV-Kreisen verlautete am Nachmittag, dass Müller seinen Hut auch wegen der "Alternative 2012" genommen haben soll. Die Krankenkassen hatten das Projekt gestartet, um die Online-Anbindung der E-Card zu beschleunigen.

Der vorgezogene Rollout wurde Anfang der Woche von der Beitreibergesellschaft gematik beschlossen.

Müller, der Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der gematik ist, sei von der "Hinterhältigkeit des GKV-Spitzenverbandes genervt", hieß es am Rande der VV. Er habe das Vorpreschen der Kassen als Vertrauensbruch verstanden.

Bereits im Vorfeld hatte sich Müller gegen Teile der Kassenpläne aufgelehnt. So wie die Kassen die "Alternative 2012" anfangs geplant hatten, sei sie mit ihm nicht zu machen, war der Tenor.

Rücktrittsdrohung im Vorfeld

Ein Dorn im Auge war ihm vor allem der vorgezogene Abgleich der Versichertenstammdaten. "Das ist nicht im Sinn der Versicherten und der Ärzte, die eine medizinisch nützliche Kommunikation benötigen", sagte Müller jüngst.

Er fürchtete, dass dadurch der elektronische Austausch medizinischer Patientendaten ins Hintertreffen geraten könnte. "Die Kassen versuchen, sich damit aus der gematik abzunabeln."

Auch in anderer Hinsicht hatte Müller bereits mit seinem Rücktritt gedroht. Im Sommer forderte er von der Politik, das Regressrisiko für niedergelassene Ärzte abzuschaffen.

"Die Sinnfrage heißt: Übe ich meine Vorstandstätigkeit wirklich weiter aus, wenn ich sehe, dass die Politik die falschen Spuren legt und hinterher mir als Person und als KBV-Vorstand sagt, ihr könnt die Sicherstellung nicht garantieren", sagte er damals der "Ärzte Zeitung".

Lesen Sie dazu auch das Porträt:
Müller - ein kompetenter Integrator

[09.12.2011, 19:58:52]
Dr. Uwe Wolfgang Popert 
Rückzug als Zeitgeist
Es ehrt ihn, dass er es wenigstens vorher mit Vernunft und Argumenten versucht hat. Die Kassen haben den Bogen überspannt: sie wollen ihre eigene Bürokratie auf die Praxen abwälzen - natürlich kostenlos. Als ob die Praxen nicht schon genug zu tun hätten.
Wer nicht mitmachen will, kann ja aussteigen.
- Das werden dann wohl demnächst auch viele tun. Herr Kollege Müller macht den Anfang. Bereits jetzt denken die meisten Niedergelassenen mit Mitte 50 über das Aufhören nach. Und das ist das aktuelle Durchschnittsalter (!) der Hausärzte. Alle Berechnungen über Ärztemangel werden zur Makulatur, wenn sich dieser Trend fortsetzt.
Ist das ein akzeptabler Preis für eine völlig sinnlose und gigantisch teure Elektronifizierung des Gesundheitwesens? zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Adiopositas-Op nötig, aber Kasse will nicht zahlen

Wenn der Antrag eines Adipositas-Patienten auf eine bariatrische Operation abgelehnt wird, bringt das Ärzte in eine schwierige Situation. Denn oft verschlechtert sich der Zustand des Betroffenen. mehr »

9 wichtige Forderungen, Analysen, Informationen

Fleißige Delegierte: In Freiburg wurde wieder eine große Palette an Themen abgearbeitet. mehr »

Versorgungswerke sitzen auf 184 Milliarden Euro

Auf die Frage nach der Leistungsfähigkeit der Versorgungswerke tut sich die Bundesregierung mit dem Blick in die Glaskugel schwer. Die Anzahl der Rentenempfänger werde wohl weiter deutlich zunehmen. mehr »