Ärzte Zeitung online, 22.12.2011

Barmer GEK: "Wir fordern kein Geld zurück"

Nachdem auch der Hausärzteverband die Barmer GEK im Streit um den Chronikerzuschlag kritisiert hat, versucht die Kasse die Wogen zu glätten. Man wolle den Hausärzten gar kein Geld wegnehmen, betont die Kasse gegenüber der "Ärzte Zeitung".

Barmer GEK: "Wir fordern kein Geld zurück"

Chroniker-Zuschlag abgelehnt: Beide Seiten in Hessen streiten weiter.

© Gina Sanders / fotolia.com

NEU-ISENBURG (ger). Der Streit um den Chroniker-Zuschlag geht in die nächste Runde. Nun versucht Norbert Sudhoff, Landesgeschäftsführer der Barmer GEK in Hessen, die Gemüter etwas zu beruhigen.

Zuvor hatten die Hausärzte energisch gegen das Vorgehen der Kasse protestiert. Die Barmer GEK glaubt, dass die Gebührenordnungsposition (GOP) 03212, der Chroniker-Zuschlag bei der Behandlung von Patienten mit schwerwiegenden chronischen Erkrankungen viel zu häufig abgerechnet worden ist.

Norbert Sudhoff, Landesgeschäftsführer der Barmer GEK in Hessen, verweist in einem Statement darauf, dass in der Chroniker-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses Mindestkriterien für die Abrechnung des Chronikerzuschlags festlege.

In der Richtlinie wird die schwerwiegende chronische Krankheit definiert. Zu diesen Kriterien gehört unter anderem die Erforderlichkeit einer kontinuierlichen ärztlichen Behandlung, die durch eine aktive ärztliche Betreuung in den letzten drei Quartalen zum Ausdruck komme, so Sudhoff.

Sudhoff weiter, ganz unabhängig davon: "Die Barmer GEK fordert von den hessischen Ärzten in der aktuellen Auseinandersetzung mit der Kassenärztlichen Vereinigung kein Geld zurück, sondern lediglich die Korrektur falscher Abrechnungsdaten."

Kein Geld geht verloren

Eine solche Änderung bei der Abrechnung der Chronikerpauschale hätte laut Sudhoff etliche Effekte.

Da der Chronikerzuschlag Bestandteil der morbiditätsorientierten Gesamtvergütung ist, verursache eine Anpassung der Leistungsmenge, keine Änderung bei der kassenartenübergreifenden Gesamtvergütung.

Die Kassenärztliche Vereinigung erhalte weiterhin den gleichen Betrag, und es gehe kein Geld verloren. Die Regelungen nach Paragraf 87a SGB V zur Ermittlung der morbiditätsorientierten Steigerungsrate bauten auf einer ganz anderen Systematik auf, so Sudhoff.

Die Korrektur der Abrechnungsdaten könne auch keine Änderung oder Verschiebung der Honorare von Fachärzten und Hausärzten auslösen.

Bei einer korrekten Abrechnung würde sich die Leistungsmenge der Hausärzte insgesamt reduzieren. Somit würde sich nicht direkt die Vergütung, sondern nur die Abstaffelung bei den Regelleistungsvolumina absenken.

Verlagerung erwünscht

Im Endergebnis würden allerdings die Ärzte, die tatsächlich mehr Chroniker im Sinne der Richtlinien des Gemeinsamen Bundesauschusses behandeln, eine höhere Vergütung erhalten.

"Eine solche Verlagerung wäre durchaus im Sinne einer bedarfsorientierten Verteilung und würde in erster Linie Ärzten auf dem Land helfen", so Sudhoff.

Dies liege daran, dass die kontinuierliche Betreuung durch die viel geringere Arztdichte auf dem Land höher ist als in der Stadt.

Die Vergütungssystematik im ambulanten ärztlichen Bereich sei leider sehr kompliziert und man müsse zwischen der Zahlung der Gesamtvergütung von Krankenkassen an die Kassenärztliche Vereinigung auf der einen Seite und der Verteilung des Geldes zwischen den Ärzten auf der anderen Seite strikt unterscheiden, weil beide Systeme unterschiedlichen gesetzlichen Rahmenbedingungen folgen.

Gespräch zwischen KV und Kasse

Das aufgeworfene Problem betreffe die innerärztliche Verteilung. "Eine korrekte Abrechnung der Chronikerpauschale sollte im Interesse aller Ärzte sein, die viele (schwerwiegend) chronisch erkrankte Patienten behandeln", so Sudhoff.

Die Barmer GEK sei durchaus zu Kompromissen bei diesem Thema bereit. Diese Kompromisse müssten aber die gesetzlichen Verpflichtungen zur Abrechnungsprüfung genauso berücksichtigen, wie die ärztliche Aufgabe zur notwendigen Versorgung aller Patienten und die nach dem tatsächlichen Bedarf ausgerichtete Honorarverteilung. Sudhoff: "Wir sind jederzeit zu Gesprächen bereit."

Aus der Barmer GEK ist unterdessen zu hören, dass es mittlerweile auch ein deeskalierendes Gespräch mit der KV Hessen gegeben habe.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Resistente Keime bedrohen Fortschritte aus Jahrzehnten

Jeder vierte Todesfall durch Antibiotika-resistente Keime weltweit wird durch Tuberkulose (TB) bedingt. Um die Situation zu verbessern, reichen neue Arzneien aber nicht aus, betonen TB-Experten. mehr »

Regelmäßiges Frühstück ist offenbar gut fürs Herz

Wer regelmäßig frühstückt, beugt damit offenbar kardiovaskulären Erkrankungen vor, berichtet die American Heart Association (AHA). mehr »

Sperma-Check per Smartphone-App

Millionen von Paaren weltweit wollen ein Kind, doch es klappt nicht. Die Ursachen liegen in etwa der Hälfte der Fälle beim Mann. Ein einfacher Test könnte Männern künftig die Untersuchung ihres Spermas erleichtern. mehr »