Ihre Meinung ist gefragt: Machen Sie bei unserer Online-Umfrage mit!

Ärzte Zeitung online, 01.01.2012

Facharzt für Internisten in der Geriatrie gefordert

KÖLN (iss). Die Besonderheiten älterer Patienten sollten zwar Ärzte der meisten Fachgruppen im Blick haben. Experten fordern daher einen Facharzt für Innere Medizin und Geriatrie in der Musterberufsordnungs zu verankern.

Die umfassende Versorgung nach allen Aspekten der Altersmedizin könne aber nur der spezialisierte Geriater sicherstellen, sagte Dr. Michael Meisel, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin und Geriatrie am Diakonissenkrankenhaus Dessau, bei der MCC-Fachkonferenz "Geriatrie 2011" in Köln.

Wenn ein Patient mit einer schweren Herzerkrankung zum Arzt gehe, werde er zum Kardiologen geschickt.

"Wenn ein multimorbider alter Mensch im Rahmen einer aktuen Krankheit, eines Unfalls oder einer Verschlechterung vorbestehender Krankheiten Zeichen der drohenden Verschlechterung seiner Alltagskompetenz zeigt, gehört er zum Geriater und in die Geriatrie", sagte Meisel, der Weiterbildungsbeauftragter der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie ist.

Der Geriater habe die Kompetenz, die Behandlung und die notwendige Weiterversorgung des Patienten zu organisieren. "Die verschiedenen Aspekte der Behandlung des geriatrischen Patienten gehören in eine Hand."

Patienten nicht wegnehmen

Aufgabe der Geriatrie sei es, einfache Kriterien zur Verfügung zu stellen, damit Kollegen diese Patienten auch identifizieren können. Die Altersmediziner müssten den anderen Ärzten zudem klar machen, dass es nicht darum geht, ihnen die Patienten wegzunehmen.

"Wir müssen uns als kompetente Partner zeigen", sagte Meisel. Dann werde es der Geriatrie mittelfristig auch gelingen, wieder Nachwuchs zu gewinnen. Zurzeit leide die Disziplin darunter, dass sie für viele Ärzte nicht attraktiv sei.

Wichtig für eine bessere Positionierung in der Zukunft sei auch die geplante Aufnahme des Facharztes für Innere Medizin und Geriatrie in die Muster-Weiterbildungsordnung.

"Die Geriatrie geht mit ihren Inhalten und Methoden über die allgemeine und organspezialisierte Innere Medizin hinaus, was eine eigenständige Berücksichtigung mit spezifischen Anforderungen im Gebiet rechtfertigt", so Meisel.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Werden europäische Männer immer unfruchtbarer?

Männern haben immer weniger Spermien. Direkte Rückschlüsse auf Fruchtbarkeit erlaubt das nicht – es könnte aber nur die Spitze eines Eisbergs gesundheitlicher Probleme sein. mehr »

Psychotherapie soll künftig Unifach werden

Ein einheitliches Berufsbild, Studium an der Uni. Die Psychotherapeutenausbildung steht vor umwälzenden Veränderungen. Kritiker vermissen beim Entwurf aber Konkretes zum Thema Weiterbildung. mehr »

Ist die menschliche Entwicklung am Ende?

Über Hunderttausende von Jahren ist der Mensch zu dem geworden, was er heute ist. Und nun? Ein Grimme-Preisträger fragt sich, ob Unsterblichkeit erstrebenswert ist und wohin uns die Evolution führen wird - oder kann der Mensch sie austricksen? mehr »