Ärzte Zeitung online, 31.12.2011

Massiver Widerstand gegen MHH-Stiftungspläne

HANNOVER (cben). Der Marburger Bund Niedersachsen (MB) und die Ver.di Betriebsgruppe der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) kritisieren den Plan, die MHH in eine Stiftung umzuwandeln.

Den Beschäftigten würden Risiken entstehen, hieß es. Ver.di hat nach eigenen Angaben 1300 Unterschriften gegen eine MHH-Stiftung gesammelt. Ärzte haben allerdings nicht unterzeichnet.

Die Hochschulspitze verspricht sich von einer Umwandlung in eine Stiftung unter anderem größere Eigenständigkeit etwa bei Vertragschlüssen, mehr Freiheit bei den Berufungsverfahren und bessere Möglichkeiten, Kredite aufzunehmen.

Derzeit ist die MHH mit rund 9000 Mitarbeitern der größte Eigenbetrieb des Landes Niedersachsen.

Keine Vorteile

"Was spricht eigentlich für eine Stiftung", fragt sich Wolfgang Boss vom Marburger Bund Niedersachsen, "ich kann durchschlagende Vorteile so wenig finden wie wirkliche Nachteile."

Er könne vor allem keinen finanziellen Benefit für die MHH entdecken. "Die MHH macht Gewinne. Das Göttinger Uniklinikum ist zwar eine Stiftung, hat aber jahrelang Defizite gemacht", sagt Boss.

Zudem könne man um die Arztgehälter bangen, auch wenn keine unmittelbare Gefahr drohe.

"Bisher haben sich die Stiftungshochschulen in Niedersachsen immer freiwillig an die Tarife gehalten", so Boss, "aber einen Arbeitgeberverband haben die deutschen Stiftungshochschulen immer noch nicht gegründet, und damit gibt es auch keine echte Tarifbindung."

Kritik von ver.di

Weit deutlicher kritisiert die Gewerkschaft ver.di. Die Umwandlung nütze den Mitarbeitern nichts, hieß es: Der geplante Stiftungsrat sei ein "undemokratisches Gremium, in dem Arbeitnehmer gar nicht vertreten sind und das Land und der Senat nur je einen Sitz haben", heißt es in der Petition der ver.di-Mitarbeiter.

"Der Stiftungsrat hätte freie Hand zum Beispiel beim Outsourcing", sagt ver.di-Gewerkschaftssekretärin Brigitte Horn zur "Ärzte Zeitung".

Dagegen könnten die Mitarbeiter sich kaum wehren. Ebenso vermisst Horn den Schutz vor betriebsbedingten Kündigungen, und eine Tarifbindung für die Mitarbeiter durch einen Arbeitgeberverband.

In den MHH-Kliniken arbeiten nach Angaben der Hochschule 7319 vollzeitbeschäftige Mitarbeiter, davon 1249 Ärzte. Von ihnen sind laut Boss rund 600 im MB organisiert.

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