Ärzte Zeitung online, 01.01.2012

Docmobil bleibt Spaltpilz im Norden

KIEL (di). Mobile Arztpraxen sollen die Bevölkerung im Norden versorgen. Dieser Plan des Kieler Gesundheitsministeriums stößt bei den Ärzten auf Ablehnung.

"Docmobil" heißen die Pläne im Kieler Gesundheitsministerium, mit denen medizinisch unterversorgten Landstrichen geholfen werden soll.

Die beweglichen Praxen wären in einem Container untergebracht, die per Zugmaschine von Dorf zu Dorf gebracht werden.

Dort wären die mobilen Einheiten für einen oder mehrere Tage an einem zuvor bekannt gegebenen Standort - etwa am Rathaus oder an Schulen - für die Patienten präsent.

Die Anbindung an öffentliche Einrichtungen ist für die für den Betrieb erforderliche Infrastruktur wie Warteraum, Sanitäranlagen und Wasserversorgung wichtig.

Kammer gegen die Pläne

Das Personal könnte aus angestellten Ärzten oder Honorarkräften bestehen. Bedarf sieht das Ministerium in verschiedenen Landstrichen wie etwa Dithmarschen, Teilen Nordfrieslands oder Steinburg.

Gesundheitsminister Dr. Heiner Garg schwebt eine Lösung in Zusammenarbeit mit Ärzteverbünden wie etwa Praxisnetzen vor. "Das Konzept muss attraktiv für Ärzte sein", heißt eine Grundbedingung des Hauses.

Das ist bislang aber nicht der Fall. Die Körperschaften lehnen das Modell ab. Schleswig-Holsteins Kammerpräsident Dr. Franz-Joseph Bartmann führt medizinische und Imagegründe dafür an und fordert: "Die Arztpraxis als feste Institution muss erhalten bleiben."

Die bessere Alternative sind aus seiner Sicht Zweigpraxen, die auch von der KV favorisiert werden.

Der Hausärzteverband glaubt nicht, dass das Docmobil die Praxen entlasten könnte. Die Ärztegenossenschaft lotet das Interesse der Ärzte vor Ort aus. Genossenschaftschef Dr. Klaus Bittmann hatte die Idee nach großer Skepsis der Kollegen bereits abgeschrieben, beobachtet aber ein langsames Umdenken dort, wo sich die Versorgungssituation verschärft. Er gibt zu bedenken: "Wenn wir nicht mitmachen, machen es vielleicht irgendwann andere Anbieter und uns fehlen die Einflussmöglichkeiten." Garg plädiert dafür, die Idee in einer Testregion zu erproben und dann zu bewerten. Sein Problem: Derzeit fehlen dafür Geldgeber.

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