Ärzte Zeitung online, 05.02.2012

Immer weniger Kinder kommen zum Pädiater

Zusätzliche Checks für Kinder, ein Extra-Angebot für Jugendliche, überdurchschnittlich viele Pädiater - und trotzdem ist Berlin Schlusslicht bei der Nutzung von gesetzlichen Vorsorgeuntersuchungen.

Von Angela Mißlbeck

Immer weniger Kinder kommen zum Pädiater

In Berlin gibt es künftig für Kinder zwischen sieben und acht sowie neun und zehn Jahren weitere Vorsorgeuntersuchungen.

© Patrick Pleul / dpa

BERLIN. In Berlin werden Kindern und Jugendlichen mehr Vorsorgeuntersuchungen angeboten. Kern der Untersuchungen sind zum Beispiel der Umgang mit Medien und Drogen. Dennoch werden die Angebote deutlich seltener genutzt als im Bundesdurchschnitt. Dabei liegt der Versorgungsgrad bei Pädiatern in Berlin bei 130 Prozent.

Ein erweitertes Vorsorgeangebot für Kinder und Jugendliche hat die Kassenärztliche Vereinigung Berlin zusammen mit der Service GmbH des Verbands der Kinder- und Jugendärzte und dem BKK Landesverband Mitte auf den Weg gebracht. Das Programm "BKK Starke Kids" soll die Zeitabstände zwischen den Untersuchungen für Schulkinder und Jugendliche verkürzen.

Zwei zusätzliche Vorsorgeuntersuchungen für Kinder

Das Programm zielt darauf, dass Entwicklungsstörungen vermieden oder rechtzeitig erkannt und behandelt werden. Dazu werden zwei zusätzliche Vorsorgeuntersuchungen für Kinder zwischen sieben bis acht Jahren und für Kinder von neun bis zehn Jahren angeboten.

Im Zentrum dieser Untersuchungen stehen Schulleistungsstörungen, Sozialisations- und Verhaltensstörungen, Zahn-, Mund- und Kieferanomalien sowie Medienverhalten.

Extra-Angebot für Jugendliche ab 16

Ein weiterer Vorsorgetermin richtet sich an Jugendliche zwischen dem 16. und 17. Lebensjahr. Hier geht es vor allem um medizinische Risiken wie Schilddrüsenerkrankungen und Diabetes, Körperhaltung und Fitness, Sozialisations- und Verhaltensstörungen, Entwicklung der Sexualität, Medienverhalten und Umgang mit Drogen.

Indes beklagt die Berliner Landesgeschäftsstelle der Barmer GEK, dass die Kinder in der Hauptstadt den gesetzlichen Vorsorgeuntersuchungen deutlich öfter fernbleiben als im Bundesdurchschnitt. Etwa jedes vierte Berliner Kind zwischen 34. und 36. Lebensmonat wird den Angaben zufolge nicht zur U7a beim Kinderarzt vorgestellt. Berlin sei damit bundesweites Schlusslicht.

"Obwohl wir in Berlin mit einem Versorgungsgrad an Kinderärzten von etwa 130 Prozent mehr als gut ausgestattet sind, befriedigt uns dieses Ergebnis nicht", so Hermann Schmitt, Berliner Landesgeschäftsführer der Barmer GEK.

Saarland ist vorbildlich

Vorbildlich steht dagegen das Saarland da. Es weist laut Barmer GEK von der U4 bis zur U9 die bundesweit höchsten Untersuchungsraten auf, während sie in Berlin und Hamburg merklich unter dem Bundesdurchschnitt liegen.

Die Teilnahmequoten variieren aber auch von Untersuchung zu Untersuchung. Bundesweit am meisten genutzt wird nach Angaben der Kasse mit 96,4 Prozent die U6 für Einjährige.

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