Ihre Meinung ist gefragt: Machen Sie bei unserer Online-Umfrage mit!

Ärzte Zeitung, 18.02.2012

Neuer Hausarztvertrag doch mit Defiziten?

Zunächst sah es aus, als ob er Einschitte mit sich bringen würde: der neue AOK-Hausarztvertrag in Bayern. Später lobte der Ex-Hausärztechef Hoppenthaller die Chronikerregelung. Jetzt relativiert er seine Einschätzung.

Hoppenthaller sieht jetzt doch Defizite beim AOK-Hausarztvertrag

Hoppenthaller: Hauptgewinner ist die AOK.

© dpa

MÜNCHEN (sto). Dr. Wolfgang Hoppenthaller, ehemaliger Vorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbandes (BHÄV), hat sein Urteil zum neuen AOK-Hausarztvertrag in Bayern in einigen Punkten ergänzt.

Die positive Einschätzung des Vertrages, die er unmittelbar nach Veröffentlichung der Unterlagen abgegeben hatte, relativiere sich bei genauerer Analyse, erklärte Hoppenthaller der "Ärzte Zeitung".

Grund dafür sei die Begrenzungsregelung, die wie ein Gesamtbudget wirkt und die bei einer hohen Einschreibequote rasch erreicht werden könnte.

Wenn es bei einer Überschreitung des Gesamtbudgets zu den im Vertrag vorgesehenen Kürzungen der Grundpauschale kommt, werde es wieder Gewinner und Verlierer geben, sagte er. Von Planungssicherheit könne dann keine Rede mehr sein.

Ein Grundfehler des AOK-Hausarztvertrages sei, dass unter einem Gesamtbudget ausschließlich - zum Teil sogar deutlich besser honorierte - Einzelleistungen abgerechnet werden, was grundsätzlich eine Mengendynamik initiieren könne.

Bescheidene Verbesserung

"Dass dies nicht funktionieren kann, haben wir im KV-System jahrelang zum Leidwesen vieler Kollegen anhand des konsekutiven Punktwertabfalls erleben müssen", erklärte Hoppenthaller.

Hauptgewinner des Vertrages sei die AOK. Mit Hilfe des neuen Überleitungsbogens nach einer Krankenhausbehandlung könne sie die Rechnungen der Krankenhäuser besser kontrollieren.

Weitere Einsparungen seien durch eine regelmäßige Überprüfung verordnete Medikamente zu erwarten. Und durch die genaue Kodierung könne die AOK ihre RSA-Einnahmen deutlich verbessern.

Hoppenthaller räumte ein, dass der Vertrag den Hausärzten im Schnitt eine Verbesserung des Honorars von elf Euro pro Patient und Quartal bringt. Das sei aber eher bescheiden.

Angesichts der Übermacht der Kassen müsse man jedoch "als Hausarzt für jede auch geringe Verbesserung der Situation dankbar sein".

Topics
Schlagworte
Berufspolitik (17550)
Krankenkassen (16610)
Organisationen
AOK (7074)
[18.02.2012, 13:22:41]
Dr. Jürgen Sobtzick 
Neuer Hausarztvertrag der AOK in Bayern
Mit den neuen Hausarztverträgen in Bayern verkaufen wir für einen kleinen Honorargewinn unsere "ärztliche Seele" an die Krankenkassen und verlieren ein weiteres Stück unseres ehemals freien Berufes. Auch ohne ein Abrechnungskünstler zu sein wird es wegen der vielen betagten Patienten zu einer hohen Beanspruchung der Chronikerziffern kommen. Dann werden wir für viel weniger Geld alle Forderungen der Kassen erfüllen müssen.Um meine Praxis der nächsten Generation zu erhalten, habe ich wohl keine andere Wahl, als den Verträgen schweren Herzens zuzustimmen. Dr.Jürgen Sobtzick zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Personal-Notstand auf deutschen Intensivstationen

Auf deutschen Intensivstationen fehlen mehr als 3000 Spezialpflegekräfte. Die Krankenhäuser wollen reagieren. Das Personal denkt über einen Großstreik nach. mehr »

HIV-Impfung generiert Immunantwort

Eine Impfung gegen HIV ist in frühen klinischen Studien. Erste Ergebnisse sind positiv. mehr »

Warum die Putzhilfe glücklich macht

Putzen, Wäsche waschen, Kochen: Viele Menschen empfinden all das als nervige Pflichten. Wer Geld hat, kann andere für sich arbeiten lassen - und fühlt sich dann zufriedener. Das haben Forscher herausgefunden. mehr »