Ärzte Zeitung online, 24.02.2012

"Delegation muss Sache des Arztes sein"

Freude bei Pflegern: Bald darf ärztliche Leistung delegiert werden. Die Entscheidung des GBA hat jetzt die Ärzteverbände auf den Plan gerufen: Sie warnen vor einem Qualitätsabfall in der Medizin.

"Delegation muss ausschließlich Sache des Arztes sein"

Delegare: Ärzte sollen das Zepter in der Hand behalten.

© Klaro

BERLIN (chb). Die Delegation ärztlicher Leistungen muss vollständig in der Hand von Ärzten bleiben. Das fordern 15 ärztliche Spitzenverbände in einer gemeinsamen Resolution.

Die unterzeichnenden Verbände fordern den Gesetzgeber sowie die beteiligten Institutionen der Selbstverwaltung auf, "die Vorgaben für das Zusammenwirken von Ärzten und nichtärztlichen Gesundheitsberufen im Sinne des Facharztstandards zu gestalten und eine ärztliche Kompetenz ausschließende Medizinsubstitution nicht zuzulassen".

Zu den Unterzeichnern zählen unter anderem die Bundesärztekammer, die KBV sowie der Deutsche Hausärzteverband und der Marburger Bund.

Aus Sicht der Ärzteverbände führt eine Substitution ärztlicher Leistungen zu einem Qualitätsabfall und zu Unwirtschaftlichkeit in der Versorgung.

Die absehbare demografische Entwicklung, die zu einem Anstieg chronischer und Mehrfacherkrankungen führen werde, habe einen erhöhten Koordinierungs- und Kooperationsbedarf bei der Patientenbetreuung zur Folge.

Die ganzheitliche ärztliche Sicht auf den Menschen dürfe dabei nicht verloren gehen, heißt es in der Resolution. Es sei nicht glaubwürdig, über Patientenrechte zu reden und gleichzeitig eine schlechtere Versorgung in Kauf zu nehmen.

Bei aller Kritik an einer möglichen Substitution ärztlicher Leistungen sprechen sich die Ärzteverbände aber dafür aus, ärztlich verantwortete Leistungen an qualifizierte und erfahrene nichtärztliche Mitarbeiter delegieren zu können.

Das sei mit Blick auf den steigenden Behandlungsbedarf und den derzeitigen Nachwuchsmangel sinnvoll. "Zugleich kann sich der Arzt durch Delegation von Verwaltung und Bürokratie entlasten und sich so stärker seinen Patienten widmen", heißt es wörtlich.

Die Leistungsdelegation an nichtärztliche Mitarbeiter, deren Auswahl, Anleitung, Koordination und Kommunikation, Durchführungs- und Erfolgskontrolle sowie deren Dokumentation müsse aber vollständig in der Verantwortung des Arztes bleiben, fordern die Unterzeichner.

[24.02.2012, 23:08:43]
Christof Oswald 
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Der Aufschrei der Ärztefunktionäre überrascht keineswegs. Reflektorisch wird jeder Hauch einer Ahnung eines möglichen Machtverlustes abgewehrt.

Im Gegensatz zu ihren Funktionären wären die Kliniker und niedergelassenen Ärzten durchaus bereit einen Teil ihrer Aufgaben abzugeben. Die Mär vom Verlust des Facharztstandards ist eine Irrlehre, da es dabei nicht darum geht, dass die Tätigkeit durch einen Facharzt vorgenommen wird, sondern dass die Maßnahme qualitativ so hochwertig durchgeführt wird, als würde sie ein Facharzt vornehmen. Es hat also nichts mit dem Titel, sondern mit den Fähigkeiten zu tun. Warum z.B. eine hochausgebildete und erfahrene Intensivpflegekraft, die dem jungen Assistenten die Basics der Beatmung und Notfallversorgung beibringt verschiedenen ärztliche Aufgaben schlechter durchführen sollte, wie besagter, meist überaus dankbarer Joungster, ist für Praktiker nicht nachvollziehbar. Aber wie schon Einstein sagte: Es ist leichter ein Atom zu spalten, als ein Vorurteil aufzugeben.

Christof Oswald
Intensivfachkraft, Dipl. Pflegemanager (FH) zum Beitrag »

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