Ärzte Zeitung, 29.02.2012

Spezialärzte: Kooperation oder Konkurrenz?

Bereits jetzt gibt es Streit um die Spezialärzte. Kliniken, niedergelassene Ärzte und Kassen klären noch die Fronten untereinander. Das Motto "Wer kann, der darf", stößt bei den Kassen auf wenig Gegenliebe. Sie fürchten Mengenausweitungen.

Von Angela Mißlbeck

Spezialärzte: Kooperation oder Konkurrenz?

Spezialärzte sollen es richten: Arbeiten Klinikärzte und niedergelassene Ärzte bald besser zusammen?

© Young / fotolia.com

BERLIN. Das Versorgungsstrukturgesetz bietet Ärzten viele neue Möglichkeiten, an der Grenze zwischen ambulanter und stationärer Versorgung tätig zu werden.

Wenn es um die ambulante Spezialärztliche Versorgung nach Paragraf 116b SGB V geht, sind die Fronten und Allianzen zwischen den Selbstverwaltungspartnern aber alles andere als klar.

Das zeigte eine Podiumsdiskussion im Rahmen eines Symposiums der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG). Krankenhäuser sehen niedergelassene Ärzte bei dieser Neuregelung im Vorteil.

DKG-Ehrenpräsident Dr. Rudolf Kösters geht davon aus, dass den Kliniken nur noch 20 Prozent ihres bisherigen ambulanten Behandlungsvolumens bleiben, wenn sie wie im Gesetz vorgesehen nur noch besonders schwer erkrankte Patienten behandeln dürfen.

Stationären Patienten die Wahlfreiheit überlassen?

Er plädierte dafür, dass stationäre Patienten die Wahlfreiheit erhalten sollen, ob sie anschließend ambulant von einem Klinikarzt oder einem niedergelassenen Arzt behandelt werden wollen.

Sowohl der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Dr. Andreas Köhler, als auch die Vorsitzende des Spitzenverbands der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), Dr. Doris Pfeiffer, zweifelten die von Kösters genannte Größenordnung an.

Für Aussagen dazu müssen aus ihrer Sicht die Konkretisierungen abgewartet werden, die der Gemeinsame Bundesausschuss vornimmt. Köhler vertrat auch die Auffassung, dass der Arzt vor Ort ohne Probleme die Entscheidung treffen könne, was ein besonders schwerer Fall sei.

Darin fand der KBV-Chef die Unterstützung von Bundesärztekammerpräsident Dr. Frank Ulrich Montgomery. "So etwas kann nur der Arzt entscheiden", sagte er.

Kassen fordern strengere Regeln für die Spezialärzte

Einig war sich Kösters mit Köhler und Montgomery aber mit Blick auf die Regelungsfreiheit des neuen Paragrafen 116b.

Alle drei Funktionäre begrüßten, dass das Prinzip "Wer kann, der darf" gelten soll. Den Kassen hingegen gefällt das nicht.

"Unsere große Befürchtung ist, dass hier das Mengenproblem auftritt, wenn man nicht strenge Regeln ansetzt", sagte Pfeiffer. Köhler widersprach, dass bei dem eng definierten Krankheitsspektrum eine Indikationsausweitung nicht erfolgen könne.

Auch Kösters unterstrich, es sei nicht vorstellbar, dass ein Arzt leichtfertig Diagnosen stellen würde.

Alle drückten ihre Hoffnung aus, dass die spezialfachärztliche Versorgung die Kooperationen zwischen niedergelassenen Ärzten und Kliniken verstärken werde.

"Andere Formen der Kooperation"

Chancen und Risiken sehen die Selbstverwaltungspartner in den neuen Möglichkeiten der Zusammenarbeit von Krankenhäusern und niedergelassenen Ärzten bei der vor- und nachstationären Behandlung nach Paragraf 115a SGB V.

"Das sind neue Wege, wo es tatsächlich andere Formen der Kooperation geben kann", so die Einschätzung von KBV-Chef Köhler. Pfeiffer beklagte die Intransparenz an dieser Schnittstelle. Kösters erinnerte daran, dass es auf diesem Feld in der Vergangenheit "unschmackhafte Konstellationen" gegeben habe, die dazu geführt hätten, dass bei Ärztekammern Clearingstellen eingerichtet worden seien.

Er warnte daher vor Kungeleien. "Im Grunde sollten nur die Ärzte poststationäre Leistungen erbringen, die vorher gar keine Patienten eingewiesen haben. Das muss sehr sauber bedacht sein", so seine Forderung.

Dieser Auffassung schloss sich Montgomery an. Er riet dazu, die Clearingstellen bestehen zu lassen und das Berufsrecht zu prüfen. "Unsere Kollegen haben einen Anspruch darauf, dass sie rechtssichere gute Verträge bekommen. Wir wollen ihnen dabei helfen", sagte er.

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