Ärzte Zeitung, 17.04.2012

Klinik-Mitarbeiter im Norden wollen Taten

Beschäftigte in Kliniken in Schleswig-Holstein fordern von den Parteien im Landtag eine Zukunftsperspektive. Sie fürchten, dass immer mehr Häuser ins Minus rutschen.

NEUMÜNSTER (di). Die Gesundheitspolitiker im Norden versprechen Kliniken parteiübergreifend finanzielle Entlastung. Die Beschäftigten glauben daran allerdings nicht mehr - dies zeigte eine Veranstaltung von Betriebsräten aus 13 schleswig-holsteinischen Krankenhäusern, die Gesundheitspolitiker zu einer Informationsveranstaltung in Neumünster eingeladen hatten.

"Ich glaube nicht mehr an Worte, wir müssen Taten sehen", sagte Joachim Luplow, Konzernbetriebsratsvorsitzender des Westküstenklinikums Heide und Brunsbüttel.

Sein Kollege Jörg Klaenhammer, Betriebsrat im Neumünsteraner Friedrich-Ebert-Krankenhaus (FEK), sprach von einer "Schande", dass die schleswig-holsteinischen Politiker trotz Einigkeit in vielen Fragen nicht in der Lage sind, den Kliniken im Land angemessene Rahmenbedingungen zu bieten.

Derzeit rutschen viele solide wirtschaftende Häuser wie das FEK in die roten Zahlen, weil die Grundlohnsummensteigerung hinter den Kostensteigerungen wie etwa Tarifanpassungen zurück bleibt.

Mitarbeiter am Limit

Die gesundheitspolitischen Experten der Parteien im Norden präsentierten sich in Neumünster in weiten Teilen ratlos, weil sie die Unterfinanzierung nicht lösen können.

Immer wieder verwiesen sie auf Überschüsse der Krankenkassen und auf den deutlich unter dem Bundesdurchschnitt liegenden Landesbasisfallwert in Schleswig-Holstein - und schoben sich gegenseitig die Verantwortung dafür zu.

Weder unter dem amtierenden FDP-Gesundheitsminister Dr. Heiner Garg, noch unter seiner SPD-Vorgängerin Dr. Gitta Trauernicht war es gelungen, auf ein durchschnittliches Niveau zu kommen.

Für die Beschäftigten hat das dramatische Folgen. FEK-Geschäftsführer Alfred von Dollen schloss nicht aus, dass das drohende Minus nur durch Stellenabbau zu verhindern ist - 30 Arbeitsplätze seien in Gefahr, pro Station eine Pflegekraft.

Dabei arbeiten die Beschäftigten bereits am Limit, wie FEK-Mitarbeiterin Tatjana Philippsen deutlich machte: "Die Arbeitsverdichtung hat dramatische Formen angenommen. Wir brauchen mehr qualifizierte Mitarbeiter, besonders in der Pflege."

Die Betriebsräte aus den 13 Häusern repräsentieren über 32.000 Beschäftigte. Klinikverantwortliche schließen eine Großdemonstration in Berlin nicht mehr aus.

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