Ärzte Zeitung, 29.04.2012

Rheumatologen sehen Chance für bessere Patientenversorgung

Zu wenig Spezialisten, lange Wartezeiten: Kann der Spezialfacharzt-Sektor die Unterversorgung bei Rheumapatienten beenden? Rheumatologen meinen, ja.

Von Sunna Gieseke

BERLIN. Bei schweren rheumatologischen Erkrankungen sollen es künftig die Spezialärzte richten. Bisher sei die Zahl der Rheumatologen zu gering und die Wartezeiten auf einen Termin zu lang: "Der neu geschaffene Dritte Sektor kann die bislang unbefriedigende Versorgungssituation für Rheumapatienten verbessern", sagte Dr. Edmund Edelmann, Vorsitzender des Berufsverbandes Deutscher Rheumatologen anlässlich des Verbandskongresses in Berlin.

Schwerkranke könnten engmaschiger behandelt und insgesamt könnten mehr Rheumapatienten versorgt werden, so Edelmann. Voraussetzung sei jedoch, dass der Gemeinsame Bundesausschuss die richtigen Weichen stelle.

Die ambulante spezialfachärztliche Versorgung ist ein Kernstück des Versorgungsstrukturgesetzes, das zum 1. Januar 2012 in Kraft getreten ist. Die Selbstverwaltung muss innerhalb von zwölf Monaten die Spielregeln für den Sektor festlegen.

Spezialärzte sind raus aus Bedarfsplanung und Mengensteuerung

Bis dahin muss geklärt werden, welche Qualifikationen Ärzte für die Teilnahme im dritten Sektor brauchen. Für die Spezialärzte gilt weder Bedarfsplanung noch Mengensteuerung.

Die Präsidentin der Deutschen Rheuma-Liga, Professor Erika Gromnica-Ihle forderte, dass auch Kranke ohne besondere Krankheitsverläufe Anspruch auf eine Versorgung durch Spezialärzte erhalten sollten. Auf diese Weise solle der "eklatanten Unterversorgung" entgegen gewirkt werden.

SPD skeptisch, CDU sieht großen Fortschritt

Aus Sicht der SPD-Politikerin Marlies Volkmer wird der Dritte Sektor jedoch nichts an der Unterversorgung ändern. "Junge Rheumatologen werden sich in attraktiven Gebieten niederlassen." Rheumapatienten klagten jedoch hauptsächlich darüber, dass es keine flächendeckende Versorgung gebe.

CDU-Politiker Rolf Koschorrek verteidigte den Sektor als "großen Fortschritt für schwerkranke Patienten". Gerade bei schweren Verläufen einer Erkrankung sei es wichtig, dass der Behandlungsweg koordiniert werde.

Die Rahmenbedingungen dafür seien mit dem Dritten Sektor geschaffen worden. Jetzt liege der Ball im Feld der Selbstverwaltung.

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