Ärzte Zeitung, 15.07.2012

"Abrechnung passt nicht auf den Bierdeckel"

Eine ausgiebige Einarbeitungszeit für das neue Amt braucht die frisch gewählte KV-Vorsitzende Dr. Monika Schliffke nicht. Die Hausärztin kennt die berufspolitische Szene in Schleswig-Holstein seit Jahren bestens.

Von Dirk Schnack

"Abrechnung passt nicht auf den Bierdeckel"

Dr. Monika Schliffke, die neue KV-Chefin in Schleswig-Holstein.

© Dirk Schnack

BAD-SEGEBERG. Dr. Monika Schliffke hat den Vorstandsvorsitz bei der KV Schleswig-Holstein übernommen. Lange einarbeiten muss sich die seit vielen Jahren im System vertraute Hausärztin nicht. "Ich habe einen 100 Tage-Vorsprung" sagt Schliffke mit Hinweis auf ihre langjährige Mitarbeit in berufspolitischen Gremien wie Kreisstelle oder Ärztenetz.

Tatsächlich ist die Ratzeburger Hausärztin in der berufspolitischen Szene im Norden bekannt. Deshalb kann Schliffke auch schon wenige Tage nach ihrem Amtsantritt im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung" die wichtigsten Ziele formulieren: "Wir müssen die Arbeitsbedingungen weiter verbessern, um junge Kollegen von einer Niederlassung zu überzeugen."

Erreichen lässt sich dies nach ihren Erfahrungen über zwei Wege:

  • Kooperation: Als aktive Netzärztin hat Schliffke diese Position von jeher vertreten, dies gilt auch für die Zusammenarbeit mit anderen Gesundheitsberufen und mit Krankenhäusern. Noch hält die Allgemeinmedizinerin dieses Ziel längst nicht in allen Regionen des Landes für erreicht, auch wenn sie die Zusammenarbeit zwischen Praxen und Kliniken in Schleswig-Holstein insgesamt als gut einschätzt.
  • Gezielte Ansprache: "Es gibt bestimmte Gruppen, die für eine Niederlassung in Frage kommen, die aber zu wenig Informationen über die tatsächlichen Rahmenbedingungen haben. Dies versuchen wir zu ändern", sagt Schliffke. Eine solche Gruppe sind junge Ärztinnen, die den Weg in die eigene Praxis aus unterschiedlichen Gründen scheuen.

Optimal sei es deshalb, diese Kolleginnen zunächst über eine Anstellung für das ambulante Gesundheitssystem zu gewinnen. Wer die Arbeit erst einmal kennen - und im optimalen Fall auch schätzen gelernt hat - so das Kalkül, wird sich später vielleicht zu einer Niederlassung entschließen.

Weiteres Ziel: KV soll noch mehr Dienstleister werden

Ein weiteres Ziel Schliffkes ist es, die KV konsequent weiter in Richtung Dienstleistungsorientierung zu steuern. In diesem Zusammenhang warnt sie aber auch vor überzogenen Erwartungen: "Die KV kann nicht alles regeln".

Als Beispiel nennt sie die Honorarabrechnung: "Es wäre ja schön, wenn sie auf einen Bierdeckel passen würde. Das geht aber nicht, weil dann wichtige Informationen fehlen. Zeitprofile und Vergleiche sind wichtige betriebswirtschaftliche  Daten für eine Praxis - auch wenn es eine Herausforderung für jeden Arzt ist, die 15 Seiten durchzuarbeiten."

KVen müssen erklären und Hintergrundwissen bieten

Was kann die KV tun? "Immer wieder erklären und Hintergrundwissen geben", wünscht sie sich. Dies gilt auch für die Qualitätssicherung - der Bereich, der bei ihr persönlich dazu geführt hat, dass  sie sich so richtig über die KV geärgert hat.

Denn im vergangenen Jahr wollte Schliffke für ihre Praxis ein neues Sonografiegerät anmelden und war davon ausgegangen, dass die schriftlichen Angaben des Herstellers dafür ausreichend wären. Trotzdem musste die zuständige Abteilung noch zwei Mal weitere Informationen bei ihr abfragen.

"Das muss sein, diese Informationen sind wichtig. Aber es ist auch wichtig, dass wir das den Kollegen immer wieder erklären", sagt Schliffke heute.

Eine Amtsperiode reicht der Hausärztin aus Ratzeburg

Das Problem der Sicherstellung wird sich besonders in Teilen Nordfrieslands, Dithmarschens und Steinburg nach den jetzigen Prognosen in den kommenden Jahren noch verschärfen.

Nach Meinung Schliffkes werden weitere Regionen hinzukommen: "Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Versorgungsprobleme auch woanders ankommen."

Die Lösung sieht sie wie ihre Amts-Vorgängerin Dr. Ingeborg Kreuz in Zweigpraxen. Die müssen aus ihrer Sicht nicht immer nur von schleswig-holsteinischen Praxisinhabern betrieben werden: "Wir können uns gut vorstellen, dass ein in Hamburg niedergelassener Arzt zwei Mal pro Woche eine Sprechstunde im Kreis Steinburg anbietet", sagt Schliffke.

Dass sich die Hausärztin in den kommenden sechs Jahren mit ganzer Kraft der Vorstandsarbeit widmen wird, hat sie mit ihrer zurück gegebenen Zulassung signalisiert: "Ich habe den Kopf frei für die neue Aufgabe."

Zugleich gibt sie damit den  Hinweis, dass es nach Ablauf der sechsjährigen Amtszeit als KV-Vorsitzende kein zurück gibt in die Niederlassung.

Für Schliffke steht heute auch schon fest, dass ihre Zeit in der KV auf diese Zeitspanne begrenzt bleiben wird: "Dann bin ich mit 66 Jahren schlicht zu alt für eine weitere Amtsperiode."

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