Ärzte Zeitung, 10.09.2012

Psychotherapie

Positive Bilanz im Norden

Psychotherapeuten in Schleswig-Holstein sehen sich inzwischen als festen Bestandteil der GKV. Die Versorgung auf dem Land sei immer noch prekär, hieß es zum Jubiläum der Kammer.

Von Dirk Schnack

Psychotherapeuten-Kammer zieht positive Bilanz

Nicht alleine: Die Psychotherpeuten sehen sich in der GKV mittlerweile mit Ärzten gleichgestellt.

© [M] photos.com PLUS

KIEL. Psychotherapie spart mehr, als sie kostet: Diese Überzeugung hat zum zehnjährigen Bestehen der Psychotherapeutenkammer Schleswig-Holstein deren Präsidentin Juliane Dürkop vertreten.

Zugleich erinnerte sie noch einmal an den langen Atem, der zur Kammergründung im Jahr 2002 erforderlich war.

"Selbstverwaltung ist ein Privileg und gleichzeitig eine Verantwortung", sagte die Kammerpräsidentin mit Blick auf die auch im eigenen Berufsstand bestehenden Bedenken gegen die Pflichtmitgliedschaft.

Zur Erinnerung: Das Psychotherapeutengesetz des Bundes sorgte 1999 dafür, dass Psychotherapie nur noch von Diplom-Psychologen mit mindestens dreijähriger Zusatzausbildung und von entsprechenden Fachärzten ausgeübt werden durfte.

Damit war ein neuer gesetzlich geschützter Heilberuf mit einem Studium als Voraussetzung geschaffen.

Für die Einhaltung ethischer Berufsregeln, die Sicherstellung regelmäßiger Fortbildung und die Vertretung des Berufs nach außen war eine Kammer die geeignete Organisationsform.

Der von der damaligen Sozialministerin Heide Moser 2002 berufene Errichtungsausschuss vollzog die Kammergründung.

Nachbesserungsbedarf beim Gehalt

Nach Ansicht Dürkops ist inzwischen in der GKV die Gleichstellung mit Ärzten erreicht.

Immer noch unbefriedigend sind für sie aber die Psychotherapieversorgung auf dem Land und die Einkommenssituation von Diplom-Psychologen während der mindestens dreijährigen Ausbildung zum Psychotherapeuten. Denn diese muss aus eigener Tasche bezahlt werden.

Die früher bestehenden Vorbehalte von Ärzten gegen Konkurrenz durch Psychotherapeuten sind nach Ansicht von Ärztekammerpräsident Dr. Franz-Joseph Bartmann inzwischen abgebaut.

Heute planten beide Berufe gemeinsam mit Zahnärzten und Apothekern ein regionales Versorgungskonzept für Schleswig-Holstein: "Medizinische Leistungen soll der erbringen, der das vor Ort jeweils am besten kann - Besitzstandswahrung haben wir dabei nicht im Auge", sagte Bartmann.

Gesundheits-Staatssekretärin Anette Langner verwies auf die breite öffentliche Diskussion über psychische Störungen. Die Kammer habe viel dafür getan, dass über diese Problematik heute offen gesprochen werde.

Langner kündigte an, die Landesregierung wolle die ambulante Versorgung mit Psychotherapeuten verbessern.

Dafür müsse der Bund die veralteten Planungszahlen aktualisieren. Auch der steigende Behandlungsbedarf älterer Menschen müsse besser berücksichtigt werden.

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