Ärzte Zeitung, 27.09.2012

Thüringen

Neue KV-Führung setzt auf Konsens

KV-Chefin Dr. Annette Rommel und ihr Vize Dr. Thomas Schröter stellen ihr "politisches Programm" vor - und läuten zugleich das Ende einer langen Eiszeit zwischen Haus- und Fachärzten ein.

Von Robert Büssow

Neue Führung der KV Thüringen setzt auf Transparenz und Konsens

KV-Chefin Dr. Annette Rommel: "Die ganz große Überschrift ist für mich das Thema Kommunikation. Ich will eine Erste Vorsitzende für alle Ärzte sein."

© KVT

WEIMAR. So viel Harmonie war lange nicht in der KV Thüringen: Die seit Juli amtierende neue erste Vorsitzende Annette Rommel und ihr Vize Dr. Thomas Schröter haben ein "politisches Programm" verfasst.

In Artikel eins gleich die Kernbotschaft: "Die Arbeit des Vorstands ist geprägt von gegenseitigem Vertrauen, offener Kommunikation und Konsensfähigkeit."

Die ungewöhnliche Formulierung, die andere unausgesprochen voraussetzen, läutet das Ende der langen Eiszeit zwischen Haus- und Fachärzten in der KV ein. Internist Schröter spricht von einem "erfreulichen Klimawandel in der Hausleitung".

Hausärztin Rommel betont: "Die ganz große Überschrift ist für mich das Thema Kommunikation. Ich will eine erste Vorsitzende sein für alle Ärzte."

Rommel und Schröter haben festgestellt: die Gemeinsamkeiten überwiegen. Beleg dafür sind die 23 Punkte des dreiseitigen Grundsatzpapiers. Es ist das erste dieser Art in Thüringen.

"Wir wollten demonstrieren, wofür wir stehen und dass wir unsere Vorhaben abgestimmt haben", sagt Rommel.

Als vorrangige Aufgabe des Vorstands definieren sie, wenig überraschend, eine "erfolgreiche Honorarpolitik", was auch bedeutet, dass die höhere Morbidität der Thüringer bislang unterschlagen werde.

Das Vorstands-Duo signalisiert außerdem allen Arztgruppen Unterstützung bei Selektivverträgen - einzige Bedingung: der Kollektivvertrag bleibt unangetastet.

Interessant ist auch die Glasnost-Strategie gegenüber der Basis. Der Vorwurf "die da oben" soll der Vergangenheit angehören.

Disziplinierung Einzelner statt Generalverdacht

Die KV bastelt derzeit an einer Servicestelle zur Vermeidung von Widersprüchen und Rechtskonflikten mit den Vertragsärzten. Erste Zwischenergebnisse, wie die hohe Zahl an Klagen reduziert werden kann, sollen im November vorliegen.

"Kommunikation statt Konfrontation" haben sich Rommel und Schröter auch für die Aushandlung einer neuen Prüfvereinbarung mit den Krankenkassen auf die Fahnen geschrieben. Die Vereinbarung wurde nach langwierigen ergebnislosen Verhandlungen seitens der KV zum Jahresende gekündigt.

"An die Stelle des Generalverdachts der Unwirtschaftlichkeit gegen alle Ärzte und sinnlose Prüforgien soll die gezielte Disziplinierung der wenigen schwarzen Schafe treten", erklärt Schröter im aktuellen Vorstandsbericht.

Die Thüringer KV hat sich darüber hinaus eine lange Liste mit Hausaufgaben aufgegeben, um fach- und hausärztliche Versorgung und Bezahlung zu verbessern.

Nur einige Punkte: Bei den Hausärzten wird der Abbau der Pauschalierung und die bessere Abbildung hausarzttypischer Leistungen im EBM angestrebt.

Auch sollen die Versorgung von Heimpatienten und die Kapazität in nicht ausgelasteten Praxen gesteigert werden. Bei den Fachärzten gilt laut Papier den Grundversorgern Priorität.

Angestrebt werde überdies auch eine Beseitigung der unterschiedlichen EBM-Pauschalen zwischen den einzelnen Arztgruppen. Das Duo Rommel-Schröter hat mit der KV viel vor. Das neue Zauberwort heißt Kommunikation.

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