Ärzte Zeitung, 11.10.2012

Der Standpunkt zum Honorar

Ein Kompromiss der Vernunft

Ein Tanz der Elefanten war es, das wochenlange Tauziehen um das Ärztehonorar. Jetzt ist die Einigung da - und das ist gut so, meint Helmut Laschet. Denn die KBV hat einen Meilenstein errungen.

Ein Kompromiss der Vernunft

Der Autor ist stellv. Chefredakteur und Ressortleiter Gesundheitspolitik. Schreiben Sie ihm: helmut.laschet@ springer.com

Nach dem wochenlangen Tanz der Elefanten im Porzellanladen hat sich am Ende doch noch die Vernunft durchgesetzt.

Die KBV und der GKV-Spitzenverband haben sich am Dienstagabend auf ein Honorarpaket für 2013 geeinigt, das den Ärzten eine Umsatzverbesserung von etwa 3,5 Prozent - zwischen 1,15 und 1,27 Milliarden - Euro bringen wird.

Natürlich bleibt aus Sicht der Ärzte die Erhöhung des Orientierungswertes um lediglich 0,9 Prozent - das ist weit weniger als die aktuelle Inflationsrate - enttäuschend.

Und dies liegt weit ab vom ursprünglichen Ziel der KBV, eine errechnete Kostenentwicklung von elf Prozent zwischen 2008 und 2013 einzupreisen.

Umso wichtiger sind aber die strukturellen Elemente, die in der letzten Verhandlungsrunde vereinbart worden sind.

Ein Meilenstein ist die "Herausnahme der Psychotherapie" aus dem Fachärztetopf. Es ist ein wichtiger Erfolg der KBV, dass die Psycho-Morbidität und deren Dynamik in Zukunft ausdrücklich auf die gesetzlichen Krankenkassen übergehen.

Mehr als die Hälfte des Honorarzuwachses entfällt auf Spielräume, die nun den Länder-KVen die Möglichkeit eröffnen, nach regionalen Erfordernissen einerseits die haus- und fachärztliche Grundversorgung besser zu dotieren und andererseits vor allem auch Zuschläge auf den Orientierungswert für förderungswürdige Leistungen zu vereinbaren.

So weit die globale Sicht. Daraus wird aber kein einzelner Arzt ableiten können, was dies 2013 für seine Praxis bedeutet. Zu unterschiedlich sind die regionalen und individuellen Bedingungen.

Sicher ist aber auch: Begleitet wurden die Verhandlungen mit einer von manchen Ärzteverbänden behaupteten Protesthaltung, die es bei der Mehrheit der Ärzte offensichtlich nicht gibt.

Alle Mobilisierungsversuche, so auch gestern, sind in sich zusammengebrochen. Die wiederholt von den Verbänden ausgelösten Fehlalarme, Tausende von Praxen würden in wie auch immer geartete Streiks treten, haben zu unnötiger Verunsicherung geführt.

[15.10.2012, 10:04:29]
Denis Nößler 
Per E-Mail erreichte uns folgender Leserbrief von Dr. Karl-Heiner Nöllgen
Sehr geehrter Herr Laschet,

Sie feiern in Ihrem Kommentar das Honorarpaket als Kompromiss der Vernunft.
Dies ist Ihr gutes Recht, auch wenn sehr wenig Fakten Ihre Meinung stützen.
Ja, es ist gut, dass die Psychotherapie aus dem Facharzttopf ausgegliedert wurde, allerdings können die Kassen den Umfang der psychotherapeutischen Behandlung jetzt durch restriktive Genehmigungspraxis in ihrem Sinne steuern.

Es hört sich gut an, dass die regionalen KVen mehr Spielräume bekommen, glauben Sie, dass diese im Sinne der an der Basis tätigen Kollegen genutzt werden ?

Sie haben recht, die Protesthaltung der niedergelassenen Ärzte gibt es nicht mehr.
Die Zeiten, als 12000 Arzte und Praxismitarbeiterinnen bei Schnee und Eis durch Berlin zogen, sind vorbei.
Damals hat Ulla Schmidt den Praxen etwa 4 Milliarden Honorarerhöhung über 2 Jahre zugestanden.
Dies hat ein wenig geholfen, gedankt hat es ihr allerdings keiner. Ihre Nachfolger haben erkannt, dass Zugeständnisse an Ärzte keine Wählerstimmen bringen. Wir Hausärzte haben begriffen, dass wir eine aussterbende Spezies darstellen. Die Gemeindeschwester soll unseren Job machen wie damals in der DDR.
Mir persönlich ist das mittlerweile ziemlich egal, der Ruhestand ist nicht mehr allzu fern.
Der jüngere Kollege, der mir unlängst erzählte, dass die Bank ihn auf den 10% Dispozinsen hängen lässt und eine Umschuldung verweigert da er zu wenig verdient, sieht das wahrscheinlich weniger gelassen.

Die Politik hat klargestellt, dass den Ärzten auch in Zeiten voller Kassen nicht einmal ein Inflationsausgleich zugestanden werden soll.
Wir haben verstanden.
Der letzte macht das Licht aus.

mit freundlichen Grüßen,
Dr. Karl-Heiner Nöllgen
 zum Beitrag »
[11.10.2012, 09:45:51]
Dr. jens wasserberg 
Die genehmigungspflichtige Psychotherapie liegt im Vorwegabzug
Die hier dargestellte und von der KBV oft und gerne zitierte Behauptung, dass die genehmigungspflichtige PT im Facharzttopf liegen würde, ist falsch. Diese PT wird über den Vorwegabzug von den Hausärzten mitbezahlt.
Wer großspurig 11% fordert, um sich dann mit 0.9% OPW-Erhöhung zufrieden zu geben und dies auch noch als Erfolg verkaufen will, der hat sich selber disqualifiziert. Herr Köhler hat der Ärzteschaft einen massiven Schaden zugefügt und sollte persönliche Konsequenzen aus seinem abermaligen Scheitern ziehen. zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »