Ärzte Zeitung, 13.10.2012

Ministerin Alheit

Der IV gehört die Zukunft

Schleswig-Holsteins neue Gesundheitsministerin hat die Eckpunkte ihrer gesundheitspolitischen Agenda benannt. Ein großes Ziel: Sie will weg vom Tunnelblick der Sektoren.

Von Dirk Schnack

Ministerin Alheit: Kooperation ist ein zentrales Gebot

Kristin Alheit, Gesundheitsministerin in Schleswig-Holstein: Kooperation ist ausbaufähig.

© Schnack

KIEL. Vernetzt, in Kooperation und sektorenübergreifend: Unter diesen Prämissen muss Gesundheitsversorgung gestaltet werden, fordert Schleswig-Holsteins neue Gesundheitsministerin Kristin Alheit (SPD).

Noch sieht sie Stolpersteine auf diesem Weg. "Ich habe schon gelernt, dass intersektorale Zusammenarbeit noch zu häufig systemisch bedingt scheitert - insbesondere durch unterschiedliche finanzielle Rahmenbedingungen", sagte Alheit anlässlich des 20-jährigen Jubiläums der TK-Landesvertretung in Kiel.

Alheit: "Als Folge könne eine Ressourcenzuweisung die Zusammenarbeit von Sektoren und eine Konzentration auf die Patienten behindern, anstatt sie zu befördern."

Alheit hatte im Sommer überraschend das Amt der Sozial- und Gesundheitsministerin im Norden übernommen. Sie war neu in der Gesundheitspolitik und hatte sich in den ersten Monaten mit Auftritten in der Szene zurück gehalten.

In Kiel bezog sie konkret Stellung zu den Herausforderungen im Norden. Sektorenübergreifende Aspekte bleiben ihrer Ansicht nach "ausbaufähig", auch bezogen auf andere Fachrichtungen und bei der Vernetzung von Gesundheit und Pflege.

Für die rot-grüne Landesregierung leitete sie im Gesundheitswesen folgende Handlungsansätze ab:

  • Der integrierenden Versorgung gehört die Zukunft. Das Überwinden klassischer Versorgungsstrukturen im Gesundheitswesen zu einem fach- und sektorenübergreifenden Angebot wird die Versorgungsqualität nach ihrer Ansicht erhöhen.
  • Integrierende Versorgung muss ausgebaut werden - was entsprechende Finanzierungsinstrumente bedeutet. Als Beispiel nannte sie vernetzte geriatrische Versorgung.
  • Prävention und der für alle zu erschließende medizinische Fortschritt seien wichtige Ziele. Die Landesregierung sieht sich hier in einer Moderationsverantwortung. Es gelte der Grundsatz "Kooperation statt Konfrontation".
  • Überregionale Schwerpunkte der Versorgung müssen weiter etabliert, bestehende ausgebaut werden. Auf- und Ausbau von Schwerpunktzentren und Netzwerkbildungen der Krankenhäuser untereinander werden wichtige Themen der Krankenhausplanung.
  • "Dies gilt auch dann, wenn das im Einzelnen bedeutet, dass Patienten für spezialisierte Angebote weitere Entfernungen in Kauf nehmen müssen", stellte Alheit klar.
  • Netzbildung in der Ausbildung des medizinischen Nachwuchses soll unterstützt werden. Als Beispiel nannte Alheit die Kampagne Hausarzt in Schleswig-Holstein in Kooperation mit der Ärztekammer: Diese werde das Land fortsetzen, "um angehende Ärzte zu bewegen, sich hier im Land niederzulassen."

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Was neue Onkologika den Patienten tatsächlich bringen

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Neue Onkologika haben die Überlebenszeit von Krebspatienten in den vergangenen zwölf Jahren im Schnitt um 3,4 Monate verlängert. Dieser Vorteil geht oft zulasten der Sicherheit. mehr »

Kassen und KBVdrücken aufs Tempo

Bisher trat die Selbstverwaltung bei der Digitalisierung eher als Bremser auf. Bei den Formularen geben KBV und Kassen jetzt Gas: Im Juli kommt der digitale Laborauftrag. mehr »

"Weiterbildung auch mit Kind zügig möglich - im Verbund!"

Eine strukturierte Weiterbildung, die auch mit Elternzeit nur sechs Jahre dauert? Das ist möglich, sagt Dr. Sandra Tschürtz. Die angehende Allgemeinmedizinerin steht vor ihrer Facharztprüfung – und blickt für die "Ärzte Zeitung" auf ihre Zeit in einem Weiterbildungsverbund zurück. mehr »