Ärzte Zeitung, 29.10.2012

Hamburg

Einzelpraxis-Schwund an der Elbe

Zahl der Einzelpraxen nimmt in Hamburg deutlich ab

In der Hansestadt sind die Trends eindeutig: Immer weniger Ärzte arbeiten allein - und die Zahl der MVZ steigt rasant.

HAMBURG (di). Die Anstellung wird in der vertragsärztlichen Versorgung immer beliebter. Von den rund 4500 in Hamburg tätigen niedergelassenen Ärzten und Psychotherapeuten sind bereits 782 angestellt, das sind 17 Prozent.

Einher geht diese Entwicklung mit einer zunehmenden Zahl an MVZ und überörtlichen Berufsausübungsgemeinschaften. Zugleich nimmt die Zahl der Einzelpraxen kontinuierlich ab.

Diese Entwicklung zeigt die KV Hamburg in ihrem aktuellen Jahresbericht zu Qualität und Sicherstellung. "Ein Trend vom Aussterben von Einzelpraxen lässt sich bislang nicht erkennen", heißt es in dem Bericht.

Die Zahlen zeigen aber einen deutlichen Trend. Seit 2008 ist die Zahl der Einzelpraxen Jahr für Jahr gesunken - von 2329 auf 2170 in 2011. Im gleichen Zeitraum hat sich die Zahl der MVZ von 30 auf 63 in der Hansestadt mehr als verdoppelt.

Die überörtlichen Berufsausübungsgemeinschaften (BAG) nahmen von 27 auf 44 zu, die der BAG sank von 489 auf 457. Frauen zeigen an Einzelpraxen ein deutlich geringeres Interesse als Männer.

Nur 39 Prozent von ihnen praktizieren in einer Einzelpraxis, zehn Prozent im MVZ, 51 Prozent in einer BAG oder sonstigen Praxisform. Von den Männern sind noch 53 Prozent in einer Einzelpraxis organisiert, nur vier Prozent in einem MVZ und 43 Prozent in einer BAG oder anderen Praxisform.

85 Ärzte oder Psychotherapeuten verzichteten im vergangenen Jahr auf ihre Zulassung und ließen sich anstellen. Auffällig ist, dass die bei Klinik-MVZ angestellten Ärzte mit zuvor eigener Zulassung nicht lange durchhielten.

Zwei Drittel dieser Ärzte kündigten kurz darauf wieder. In den Ärzte-MVZ dagegen betrug der Anteil der Kündigungen unter dieser Ärztegruppe nur 23 Prozent.

Das Durchschnittsalter der Vertragsärzte in Hamburg liegt inzwischen bei 54 Jahren. Grund zu Sorge besteht laut KV aber nicht: "Vor einer Pensionierungswelle und drohenden Ärztemangel muss in Hamburg noch nicht gewarnt werden", heißt es.

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