Ärzte Zeitung, 18.11.2012

Ärztliche Werte

NAV fordert Diskussion

Medizinethische Schulungen auch für Kassenfunktionäre. Das fordert der Vorsitzende des NAV-Virchowbundes Dr. Dirk Heinrich.

BERLIN. Die Kassen schätzten die ärztliche Arbeit und das Engagement der Ärzte nicht mehr. Es zeichne sich ab, dass die Kassen in den regionalen Verhandlungen über Leistungsmengen die Honorare der Ärzte drücken wollten, berichtete der Vorsitzende des NAV-Virchowbundes, Dirk Heinrich bei der Hauptversammlung des Verbandes der niedergelassenen Ärzte. "Das wird alles beim Schiedsamt enden", sagte Heinrich.

Es sei nicht zu bemerken, dass die Kassen von ihrer Kampagne gegen die Ärzte abließen. "Die Kassen haben sich von Partnern zu einem Akteur entwickelt, die glauben, mit politischer Rückendeckung alles gegen die Ärzte, Versicherte und Patienten unternehmen zu können", sagte Heinrich in seinem Lagebericht.

Jüngste Beispiele seien der Grippeimpfstoff-Skandal und die Vorkommnisse bei der KKH-Allianz, die einräumen musste, schwer erkrankte Versicherte zum Kassenwechsel aufgefordert zu haben.

Heinrich forderte Medizinethik für Kassenfunktionäre. "Es kann nicht sein, dass wir Ärzte für die Ethik zuständig sind, und den Kassen ist alles egal."

Heinrich forderte, die Diskussion über Werte wiederzubeleben. Die politisch gewollte Ökonomisierung des Gesundheitswesens sei der falsche Weg. "Das Gesundheitswesen ist kein Markt", betonte Heinrich.

Zwischen Kassen und Ärzten sollte die Partnerschaft auf Augenhöhe wieder hergestellt werden. Dazu bräuchten die Ärzte den Schutz der ärztlichen Unabhängigkeit bei Diagnose und Therapie.

Heinrich forderte die Ärzte aber auch zu mehr Solidarität untereinander auf. Die innerärztliche Honorarverteilung müsse auf den Prüfstand, kritisierte er Ungleichgewichte zwischen den Fachgruppen.

Hart ins Gericht ging Heinrich mit der Neuregelung der Bedarfsplanung, die derzeit im Gemeinsamen Bundesausschuss erarbeitet wird. Das sei ein "Irrsinn an Gelaber, der Geld kostet". Planung werde das Grundproblem nicht lösen. Vielmehr müsse die Niederlassung für junge Mediziner attraktiver werden.

"Planwirtschaft schnitzt keine Ärzte", sagte Heinrich. In ein paar Jahren werde man sehen, dass sich der Ärztemangel sogar noch verschärft haben werde. (af)

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