Ärzte Zeitung, 22.11.2012

Thüringen

"Elefantenrunde" gegen Ärztemangel

Das Landesgremium soll der KV Thüringen im Kampf gegen den Ärztemangel beistehen. Das schmeckt der KV nicht: "Bürokratieträchtig", sagt sie.

Von Robert Büssow

taubert-heike-A.jpg

Ministerin Taubert: Kritik an der KV.

© Reiner Zensen / imago

ERFURT. Überfordert mit der Sicherstellung: Die Kassenärztliche Vereinigung in Thüringen wird laut Gesundheitsministerin Heike Taubert (SPD) mit der Abwendung des Ärztemangels nicht fertig.

"Die KV ist nicht in der Lage, überall den Ärztemangel zu bekämpfen. Die ambulante Seite hat ein bisschen zu sehr darauf vertraut, dass der Markt und der Nachwuchs es richten werden. Und das wird nicht passieren", sagte Taubert.

Die Zusammenarbeit mit der KV klappe zwar im Grunde gut, aber es sei richtig, dass das Land über ein gemeinsames Landesgremium nun mehr Mitbestimmung bekomme.

Es sei zwar eine riesige "Elefantenrunde", aber so lasse sich vielleicht klären, wie der stationäre und der ambulante Bereich besser ineinandergreifen können.

Taubert forderte die KV auch auf, mehr Eigeneinrichtungen zu gründen und Ärzte in drohend unterversorgten Regionen selbst anzustellen. "Ich denke, das ist durchaus ein kostendeckendes Modell. Wir müssen die Attraktivität der Niederlassung erhöhen."

Außerdem müsse dafür gesorgt werden, dass Zweigpraxen so aufgestellt werden, dass der Arzt dort keinen Bereitschaftsdienst mitleisten muss. Es müsse an vielen Schräubchen gegen den Ärztemangel gedreht werden.

"Wir werden uns in ländlichen Räumen auch darauf einstellen müssen, dass wir den fahrenden Arzt haben. Oder Gemeinden, die eine Praxis bereitstellen, wo der Arzt wenigstens einmal die Woche hinkommt", so die Ministerin.

Diese Flexibilität sollte man "klugerweise auch bezahlen" - dies sei jedoch ein Appell an den Bundesgesundheitsminister. Die Kassenärztliche Vereinigung kritisiert das geplante Landesgremium als "neue bürokratieträchtige Einrichtung", so KV-Vize Thomas Schröter.

[23.11.2012, 13:34:10]
Dr. Birgit Bauer 
Wiedermal der falsche Weg !
Fr. Ministerin Taubert müsste es besser wissen. Zusätzliche Strukturen verschlechtern nur die Situation. Dem Kommentar von Kollegen Müller kann ich nur beipflichten. Solange keine berechenbare Finanzierungsgrundlagen für die Praxen geschaffen werden, solange die Honorierung nach Kassenlage
geschieht, solange der bürokratische Aufwand fröhliche Urstände feiert,
solange die Regressandrohungen und deren Abwendung den Kollegen die eh rare Freizeit raubt, solange die völlig überholten nicht mehr zeitgemäßen Strukturen unseres Gesundheitswesens (die 2-gleisige Selbstverwaltung- Kammer,KV,der Krankenkassenwahnsinn, die völlig überbürokratisierten Entscheidungsstrukturen, u.s.w.,u.s.w.)nicht grundlegend reformiert werden, solange die Behandelnden, -wie von den Kassen gewollt-, sich als Leistungserbringer sehen sollen, muß man sich nicht wundern, wenn intelligente junge Leute, die ihren Arztberuf ernst nehmen, sich nicht in diese verfahrene Struktur einbringen wollen.
Da hilft auch nicht das vorübergehend "gemachte Bett" der KV-eigenen Praxis, denn irgendwann schlägt der rauhe Alltag zu.
Die reflexartige Reaktion unserer Politiker - Und wenn ich dann nicht weiter weiß gründ`ich einen Arbeitskreis- hat uns ja gerade zu den desaströsen Verhältnissen in den Gesundheitsstrukturen gebracht, deren Auswirkungen wir jetzt spüren.
Für mich ist dieses Gremium wieder mal ein Beispiel von unintelligenter Geschäftigkeit zum Vorgaukeln von Lösungen außerhalb der Aufarbeitung der tatsächlichen Ursachen.
M.f.G. B.Bauer

 zum Beitrag »
[23.11.2012, 07:34:46]
Dr. Wolfgang Müller 
Therapie vor Diagnose??
Es ist schon merkwürdig, dass hartnäckig über die Ursachen des sich überall
manifestierenden Ärztemangels geschwiegen wird: Kassenschikanen und Über-
bürokratisierung. Solange der Arztberuf nicht wieder attraktiv für den
Nachwuchs gestaltet wird, wird sich an diesem Zustand nicht viel ändern.
Und noch eine ernstgemeinte Warnung: Ausländische Ärzte lösen das Problem mitnichten. Schon zwei deutsch sprechende Gesprächspartner (Arzt und Patient) müssen sich schon anstrengen, einander nicht mißzuverstehen! Folge von Mißverständnissen: Behandlungsfehler, Überflüssiges, Verteuerung, Mißtrauen.
Ich spreche aus 42-jähriger Berufserfahrung. zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Im Sushi war der Wurm drin

Der Hinweis aufs Sushi brachte die Ärzte auf die richtige Spur. Statt den Patienten wegen Verdachts auf akutes Abdomen zu operieren, führten sie eine Gastroskopie durch. mehr »

Alle wichtigen Videos vom Ärztetag

Digitalisierung, Angst vor Veränderung, Wunschminister: Die Ärztezeitung fasst für Sie die wichtigen Themen des Ärztetags in kurzen Videos zusammen. mehr »

Importierte Infektionen führen leicht zu Diagnosefehlern

Wann muss ein Arzt für eine Fehldiagnose gerade stehen? In einem aktuellen Fall entschied das Oberlandesgericht Frankfurt gegen einen Arzt. mehr »