Ärzte Zeitung, 28.11.2012

Adipositas-Konzept

Nichts geht ohne niedergelassene Ärzte

Zu viele Menschen in Mecklenburg-Vorpommern sind übergewichtig. Das soll sich mit dem landesweiten Adipositas-Konzept ändern. Langsam nimmt es Fahrt auf.

Von Dirk Schnack

Nichts geht ohne niedergelassene Ärzte

Ran an den Speck - das Motto in Mecklenburg-Vorpommern.

© Alexander Raths / fotolia.com

GREIFSWALD. Das landesweite Adipositas-Konzept in Mecklenburg-Vorpommern kommt ins Rollen. Der erste Vertrag ist im Unterschriftsverfahren, jetzt warten die Krankenkassen auf weitere Anbieter, die an Integrationsverträgen interessiert sind.

Für die AOK Nordost bekräftigte Antje Rädel beim vierten Runden Tisch Adipositas in der Universitätsmedizin Greifswald das Interesse der Kasse an weiteren Vertragspartnern, die die entsprechenden Voraussetzungen erfüllen.

Sie berichtete auch vom ersten Vertrag mit einem Rostocker Zentrum, das adipöse Patienten operiert.

Rädel begründete die Auswahl des Vertragspartners mit der noch bestehenden Lücke in diesem Bereich.

Die Fokussierung auf ein stationäres Zentrum hatte im Vorfeld wie berichtet bei der KV Mecklenburg-Vorpommern für Verärgerung gesorgt. Die KV plädiert für ein Konzept, das die niedergelassenen Ärzte über ihre Körperschaft einbindet.

Mecklenburg-Vorpommern hat höchsten Anteil an dicken Menschen

Beim Runden Tisch wurde deutlich, dass unter den Beteiligten noch Kommunikationsprobleme auszuräumen sind. So waren die Leistungserbringer überrascht von dem Signal der AOK Nordost, dass weitere Anbieter willkommen seien.

Unstrittig war unter den Teilnehmern, dass die niedergelassenen Ärzte eingebunden werden müssen. Dies bekräftigte auch Wolfgang Gagzow von der Krankenhausgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern.

"Ohne einander können wir gar nichts bewegen. Ohne die niedergelassenen Ärzte geht nichts", sagte Gagzow.

Die Akteure des bundesweit beachteten Konzeptes im Nordosten stehen unter Erfolgsdruck: Mecklenburg-Vorpommern ist das Bundesland mit dem höchsten Anteil an übergewichtigen Menschen.

Deutlich über die Hälfte der Einwohner ist übergewichtig, ein Fünftel sogar adipös. Von den Jugendlichen ist jeder Vierte übergewichtig.

Am Runden Tisch haben Selbsthilfegruppen, Kliniken und Krankenkassen zunächst Konzepte für Erwachsene sowie für Kinder und Jugendliche erarbeitet.

"Extrem innovativ wären Familienkonzepte", sagte etwa Dr. Matthias Kraft, leitender Oberarzt der Klinik für Innere Medizin in Greifswald und Vorstands-Chef des Landesverbandes Adipositas.

Krankenhausgesellschaft strebt Landeskonzept an

Auch die Landesregierung steht hinter dem Konzept. Sozial-Staatssekretär Nikolaus Voss will nicht nur erreichen, dass sich KV und Krankenkassen einigen, sondern auch die Nahrungsmittelindustrie für das Konzept mit ins Boot holen.

Da viele große Hersteller im Nordosten vertreten sind, soll über das zuständige Ministerium für Landwirtschaft Kontakt geknüpft werden. Ob die Forderung der Krankenhausgesellschaft (KGMV), das Konzept zum Landeskonzept weiter zu entwickeln, realistisch ist, ließ Voss noch offen.

Die KGMV hält dies für wichtig, weil die Bekämpfung von Adipositas eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist und mit einem Landeskonzept eine bessere Vernetzung und höhere Akzeptanz verbunden wären.

"Bislang ist das Konzept nur eine Selbstverpflichtung der Akteure" sagte Gagzow.

Nägel mit Köpfen hat unterdessen die Ärztekammer Mecklenburg-Vorpommern gemacht. Sie hat nach Angaben von Mitgliedern des Runden Tisches ein Curriculum verabschiedet, das Ärzte für die Behandlung von Adipositas qualifizieren soll.

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