Ärzte Zeitung, 26.11.2012

60 Jahre BVDD

Dermatologen gehen auf Hausärzte zu

Der Berufsverband der Deutschen Dermatologen wird 60 - und steht vor vielen Herausforderungen.

BERLIN. Mit einem Festakt erinnerten die deutschen Dermatologen an die Gründung ihres Berufsverbandes BVDD vor 60 Jahren. In Zukunft will der Verband verstärkt die Kooperation mit den Hausärzten suchen.

Schon früh hat der BVDD zusammen mit der Fachgesellschaft DDG in Forschung und Leitlinienarbeit investiert, seit 2005 gibt es im Hamburg mit dem CVderm ein eigenes Zentrum für Versorgungsforschung in der Dermatologie.

Dabei sind greifbare Resultate herausgekommen: eine S3-Leitlinie zur Psoriasis und eine zum malignem Melanom sowie die Abrechnungsziffern für die Balneophototherapie und das Hautkrebsscreening.

Beim Thema Melanomfrüherkennung ist Deutschland inzwischen weltweit Vorreiter.

BVDD-Präsident Dr. Michael Reusch aus Hamburg hatte europäische Vergleichszahlen im Gepäck: Deutschland hat mit zwölf Prozent hinter der Schweiz die geringste Mortalitätsrate nach der Diagnose Melanom. Das Schlusslicht bildet mit 40 Prozent: Polen.

Das Screening in der Breite könnten die Dermatologen ohne Hilfe der Allgemeinärzte allerdings kaum leisten, bestätigte Professor Gerd Glaeske aus Bremen.

Gleichzeitig sah er aber noch Fortbildungsbedarf bei den Hausärzten, die das Screening anbieten: Im Mittel sei die Quote der nicht erkannten pathologischen Befunde im Vergleich zu den Dermatologen noch zu hoch.

Ärztemangel in der Dermatologie vorhergesagt

Der Ärztemangel, der bei den Allgemeinärzten heute regional schon Realität ist, wird in den nächsten Jahren mit voller Härte auch in der Dermatologie auftreten, prognostizierte Bundesärztekammerpräsident Professor Frank Ulrich Montgomery.

"Schon in zehn Jahren werden wir in Afrika und Asien händeringend versuchen, Ärzte und Pflegekräfte zu rekrutieren und werden dort auf die Headhunter aus Japan und den USA treffen", sagte er.

Der einzige Ausweg sei es, den Arztberuf in Zukunft wieder attraktiv zu machen, so Montgomery, und dabei gehe es längst nicht nur ums Geld, sonder vor allem auch um die Arbeitsbedingungen.

Spätestens mit der Einführung moderner Systemtherapien in der Dermatologie gewinnt auch das Problem von Arzneimittelinteraktionen in der Hautarztpraxis an Bedeutung.

Darauf, dass die Apotheken mögliche Wechselwirkungen im Auge hätten, könne man sich nicht verlassen, so die einhellige Meinung der Redner.

"Die elektronische Gesundheitskarte hätte es richten können", bedauerte Montgomery, dieses Gelände sei aber inzwischen völlig vermint. Es bleibt der Hausarzt als prädestinierter Wächter über die Medikation eines Patienten.

BVDD-Vize Dr. Klaus Strömer, Mönchengladbach, kündigte vor diesem Hintergrund an, in den kommenden Monaten verstärkt die Kommunikation mit dem Hausärzteverband zu suchen. (es)

[29.11.2012, 14:36:42]
Anne C. Leber 
Leserzuschrift von Dr. Wolfgang Dörfler
Hausärzte und Hautkrebsrüherkennung
Unsere allgemeinärztlichen Standesvertreter haben sich bei der hausärztlichen Beteiligung am Hautkrebs-Früherkennungsprogramm von den Dermatologen gehörig über den Tisch ziehen lassen; da können die Dermatologen jetzt generös „auf uns zugehen“. Als dermatologisch weitergebildeter und seit fast dreißig Jahren tätiger Hausarzt ist die Form der Beteiligung in Rahmen dieses Programms eine Zumutung. Die hunderte von suspekten Naevi aber auch zahlreichen Malignomen, die im Laufe der Jahre in meiner Praxis entfernt habe, sollten mich eigentlich als kompetent ausweisen, jedenfalls als kompetenter verglichen mit einem jung niedergelassenen Dermatologen ohne Berufserfahrung. Der aber ist berechtigt einen - von mir als suspekt eingeschätzten - Naevus gar nicht suspekt zu finden und den Patienten eine Videodokumentation mit regelmäßiger Nachbeobachtung aufzuschwatzten - als IGEL-Leistung natürlich. Das erspare ich meinen Patienten gerne und entferne suspekte Naevi und kleine Malignome weiterhin selbst. Wenn ich das tue, dann rechne ich die 02301 ab, während der Dermatologe mit Einverständnis meiner standespolitisch tätigen Berufkollegen die Ziffern 10343 oder 10344 abrechnet, mithin bei Exzisionen im Gesicht einen deutlich höheren Satz für die gleiche Leistung. Warum eigentlich? Mein Antrag bei der KV, mir die Abrechnung dieser Ziffern zu gestatten, wurde seinerzeit mit mildem Spott abgelehnt. Als einziger Trost bleibt mir, dass ich mit meinem Tun das uns Hausärzte diskriminierende schwachsinnige Programm unterlaufe und die statistischen Ergebnisse verfälsche - ich hoffe, dass vieler meiner hausärztlichen Kollegen genauso verfahren. Gleiche demotivierende und diskreminierende Hindernisse treffen wir ja auch bei die Zuweisungsverbote zu Kliniksambulanzen an („nur auf fachärztliche Überweisung“). Es wird Zeit, dass sich was ändert in der Vertretung unseres allgemeinärztlichen Berufsinteressen, denn ein auf solche Art entwerteter und subaltern gemachter Stand kann einfach nicht attraktiv für einen qulifizierten Nachwuchs sein.
Dr. Wolfgang Dörfler, Allgemeinarzt aus Gyhum zum Beitrag »

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