Ihre Meinung ist gefragt: Machen Sie bei unserer Online-Umfrage mit!

Ärzte Zeitung online, 25.11.2012

Keine Einigung

Es war einmal eine GOÄ-Reform

Nach dem gescheiterten Einigungsversuch im August lecken die BÄK und der PKV-Verband offenbar weiter ihre Wunden. Ein gemeinsamer Vorschlag zur GOÄ ist nicht in Sicht. Notfalls will die BÄK ihren eigenen Weg gehen.

Zur neuen GOÄ keine Einigung in Sicht

BÄK-Hauptgeschäftsführer Rochell: Viele Fragen bei der GOÄ-Novelle.

© KBV

KÖLN. In dieser Legislaturperiode wird es keine neue Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) mehr geben.

Das hat Dr. Bernhard Rochell, Hauptgeschäftsführer der Bundesärztekammer (BÄK), beim 4. Bundeskongress Privatmedizin in Köln am Samstag bestätigt.

Zwischen dem Verband der Privaten Krankenversicherung und der BÄK gebe es auch nach der ergebnislosen Klausurtagung über die Ausgestaltung der neuen GOÄ weiter Gespräche.

Es seien noch "vielfältige Beratungsthemen" vorhanden, so Rochell. Ein gemeinsamer Vorschlag von BÄK und PKV-Verband sei nicht in Sicht.

Zur Not ein eigenes GOÄ-Modell

"Wir meinen, dass man der Politik etwas vorlegen sollte, damit es vorangeht. Zur Not wird die Bundesärztekammer einen eigenen Weg gehen und ein Modell für die neue GOÄ vorlegen", so Rochell weiter.

Und: "Wir müssen das Zwei-Säulen-Modell mit GKV und PKV zukunftsfest machen."

Eine "EBM-isierung" der GOÄ werde es mit der Bundesärztekammer nicht geben, betonte Rochell.

Bei einer zu starken Annäherung der beiden Gebührenordnungen "stellt sich die Frage nach der Existenzberechtigung der PKV".

Kleiner Einblick in die BÄK-Pläne

Rochell gab den Kongressbesuchern einen kleinen Einblick in die Planungen der BÄK zur GOÄ. Es müsse weiterhin auch eine Einzelleistungsvergütung geben, wenn auch teilweise zusammengefasst in Leistungskomplexen.

Die Bedürfnisse der PKV, einen Zeitbezug zu den Leistungen herzustellen, seien nachvollziehbar.

"Auch der Gebührenrahmen muss bestehen bleiben, es ist nur die Frage der Spannbreite bei den Faktoren." Diese werde möglicherweise geringer.

"Aber dann muss es auch eine realistische Basisvergütung geben, damit man nicht erst mit 2,3-fachem Faktor auf eine angemessene Vergütung kommt."

"Analogbewertungen machen das Leben mit der guten alten Tante GOÄ zunehmend schwer", beschrieb Rochell den aktuellen Zustand.

Mit der neuen GOÄ müsse es das auch weiterhin geben, allerdings weniger als heute, da Innovationen regelmäßig in die GOÄ aufgenommen werden sollen, führte der BÄK-Hauptgeschäftsführer aus. (ger)

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Bestattung zweiter Klasse

[26.11.2012, 17:32:55]
Dr. Christoph Luyken 
Es ist Sache der Ärzte, eine neue Gebührenordnung zu schaffen!
Die PKV muß nicht unbedingt mit im Boot sitzen. Schließlich verhandelt der Bäcker auch nicht mit den Kunden, bevor er den Brotpreis festsetzt.

Die GOÄ-Novelle drängt sehr, weil seit 10 Jahren keine Preisanpassung erfolgte und neue Leistungen nicht abgebildet werden.

Ein Zeitbezug ist für die nicht-technischen Fachrichtungen eine gute, gerechte und transparente Lösung. Anregungen dazu kann man sich bei der schweizerischen Gebührenordnung (TarMed) holen. zum Beitrag »
[26.11.2012, 10:51:25]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
BÄK ohne Fortune!
Wir sind als Vertragsärztinnen und -ärzte bei unserer KBV mit einem kaum spürbaren Umsatz-Plus von 0,9% beim Orientierungspunktwert schon Kummer gewohnt. Mit der privatärztlichen GOÄ halten wir sogar existenzverleugnend dagegen.

Die Gebührenordnung für Ärzte ist in
• ihrer Systematik auf dem Stand vom 16.4.1987 (BGBlatt, I, S. 1218)
• Ihr Punktwert ist in 29 Jahren (1983-2012) um 0,48 %/Jahr gestiegen
• Kalkulatorischer Punktwert 10 (1983) und zuletzt 11,4 Pfennige (1996)
• keine Preiserhöhung seit 1.1.2002 (Euro-Umstellung)
Währenddessen lässt sich die BÄK-Honorarabteilung vom PKV-Bundesverband in der ärztlichen Vergütungsmanege unter klammheimlichem Beifall von Politik und Öffentlichkeit am Nasenring vorführen.

Gleichzeitig machen die PKV-Versicherungen bei den ab 1.1.2013 geltenden Unisex-Tarifen doppelten Reibach: Mit scheinbar günstigen Last-Minute-Lockvogel-Angeboten werden bis 31.12.2012 Neuversicherte geködert, deren Tarife ab 2013 massiv erhöht werden. Bei Neuabschlüssen ab 2013 zahlen Frauen dann nicht etwa weniger, auf Grund bisher überhöhter Krankenversicherungsprämien. Die Männer werden bis zu 20 Prozent mehr bezahlen.

Die BÄK-Honorarabteilung braucht dagegen dringend eine klare Kante, entschiedene Performance und Geschick bei ihrer Verhandlungsführung.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

 zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Werden europäische Männer immer unfruchtbarer?

Männern haben immer weniger Spermien. Direkte Rückschlüsse auf Fruchtbarkeit erlaubt das nicht – es könnte aber nur die Spitze eines Eisbergs gesundheitlicher Probleme sein. mehr »

Psychotherapie soll künftig Unifach werden

Ein einheitliches Berufsbild, Studium an der Uni. Die Psychotherapeutenausbildung steht vor umwälzenden Veränderungen. Kritiker vermissen beim Entwurf aber Konkretes zum Thema Weiterbildung. mehr »

Ist die menschliche Entwicklung am Ende?

Über Hunderttausende von Jahren ist der Mensch zu dem geworden, was er heute ist. Und nun? Ein Grimme-Preisträger fragt sich, ob Unsterblichkeit erstrebenswert ist und wohin uns die Evolution führen wird - oder kann der Mensch sie austricksen? mehr »