Ärzte Zeitung online, 24.12.2012

Bedarfsplanung

NRW-Psychotherapeuten kritisieren Richtlinie

Die neue Richtlinie zur Bedarfsplanung schmeckt nicht allen. Auch in NRW vom Kritik von den Psychotherapeuten. Deren Kammer stört sich am Status Sonderregion des Ruhrgebiets.

KÖLN. Die Psychotherapeutenkammer Nordrhein-Westfalen hat die vom Gemeinsamen Bundesausschuss beschlossene Bedarfsplanungs-Richtlinie scharf kritisiert.

Der Vorwurf: Durch die weitere Einstufung des Ruhrgebiets als Sonderregion bleibe die Gesundheitsversorgung für psychisch kranke Menschen dort besonders schlecht.

"Die neue Bedarfsplanungs-Richtlinie ist ein Schlag ins Gesicht der Menschen im Revier", sagt die Präsidentin der Psychotherapeutenkammer NRW Monika Konitzer.

Die Obergrenze von rund elf Psychotherapeuten je 100.000 Einwohner im Ruhrgebiet sei nachweislich viel zu niedrig und führe zu Wartezeiten von durchschnittlich 17 Wochen.

"Psychisch Kranke müssen im Revier deshalb doppelt so lange auf einen Termin beim Psychotherapeuten warten wie in anderen deutschen Großstädten", so Konitzer. Es wäre sachgerecht gewesen, die Sonderregion Ruhrgebiet in der Bedarfsplanung abzuschaffen, sagt sie.

Nach Berechnung der Kammer sind durch die neue Richtlinie in Nordrhein-Westfalen ab 2013 knapp 1600 Psychotherapeuten-Praxen vom Aus bedroht. Selbst im Ruhrgebiet, wo heute schon rund 700 Praxen fehlen, könnten rund 300 stillgelegt werden, wenn Therapeuten in Ruhestand gehen.

"Empörend ist, dass die Kassenärztliche Bundesvereinigung einer solch miserablen Reform zugestimmt hat", sagt Konitzer. Sie verweist darauf, dass im Vorfeld die Psychotherapeuten einem gesonderten Honorartopf für die Gruppe zugestimmt hatten, damit Leistungszuwächse in der Psychotherapie nicht mehr zu Lasten der ärztlichen Honorare gehen.

"Die KBV setzt sich für die Versorgung von psychisch Kranken deutlich weniger ein als für die Versorgung von körperlich Kranken. Das ist sehr befremdlich." (iss)

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[25.12.2012, 01:55:23]
Dipl.-Psych. Rainer Weber-Thammasut 
1.000 neue Praxen in Ossi-Land, 6.000 Praxen in Wessi-Land werden liquidiert
Frau Konitzer wird zitiert: "Die KBV setzt sich für die Versorgung von psychisch Kranken deutlich weniger ein als für die Versorgung von körperlich Kranken. Das ist sehr befremdlich."
Befremdlich?!? - Da hätte die Vorsitzende der Psychotherapeutenkammer NRW klarere Worte finden können, in Abstufung des Schärfegrades z.B.: BGA hat Arbeitsauftrag nicht erfüllt/verfehlt. Fortsetzung der Diskriminierung von psychischen Störungen. Verdacht der Rechtsbeugung uswusf.
Frau Konitzer sollte den Justiziar der Kammer mit der strafrechtlichen Würdigung der vorgelegten Bedarfsplanung beauftragen. Ebenso könnte er die aktuelle Honorierung der Psychotherapeuten unter strafrechtlichen Gesichtspunkten analysieren.
Gibt es keine Wadenbeißer unter unseren Kammer- und Verbands- ExpertInnen (überwiegend seit Ewigkeiten im Amt ;-) )? Haben wir uns nur Verwaltungs-Softies gewählt?
Ich bin stinksauer, habe gerade das 4. Quartal meiner Fast-vollausgelasteten-Praxis abgerechnet, ca. 30.000 € Umsatz, UMSATZ!! viel mehr ist nicht drin. Ich könnte mehr arbeiten (überversorgtes Gebiet mit Institutsambulanz einer Doppelpraxis mit 70 TeilZeit-Therapeuten), aber mehr schaffe ich nicht, und viel mehr darf ich nicht. - Da stöhnen die KolleghInnen Ärzte auf wirklich hohem Niveau!
Ich erwarte von meinen Kammer- und Verbandsvertretern klare Aussagen zum Bedarf und zum Honorar und den Mut zur Konfrontation!
Wir müssen mehr werden, auch um (gesundheits-)politisches Versagen zu kompensieren, und wir müssen angemessen honoriert werden!
Angemessen erscheint z.Z. ein Honorar von 140 - 160 € für eine genehmigte Therapiesitzung.
1 € Psychotherapie spart 3 € sonstige Krankheitskosten!
Hallo!?!
Qui bono? (spanisch: Wer verdient daran?)
Wer das nicht kapiert, taugt nix in seinem Amt, wer das nicht wahr haben will, ist manipuliert oder gekauft!
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