Ärzte Zeitung, 08.01.2013

Mecklenburg-Vorpommern

Eine KV zeigt klare Kante

Im Nordosten der Republik nennt die KV Konflikte beim Namen - und ist damit nach eigener Ansicht gut gefahren. KV-Vize Dr. Dieter Kreye kündigt an, an diesem Kurs festzuhalten, gerade im aktuellen Honorarkonflikt.

Von Dirk Schnack

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Tanz der Verhandlungspartner auf dem Seil: Konflikte benennen, aber nie den Gesprächsfaden reißen lassen.

© Steinach / imago

SCHWERIN. Im Nordosten wird auch künftig Klartext geredet. Konflikte wird die KV Mecklenburg-Vorpommern auch im neuen Jahr offen austragen, kündigte KV-Vize Dr. Dieter Kreye an.

Zugleich streckt er die Hand in Richtung Krankenhausgesellschaft aus, mit der die KV im vergangenen Jahr häufig aneinander geriet.

"Wir stünden nicht da, wo wir heute sind, wenn wir Probleme nicht offen angesprochen und Konflikte ausgetragen hätten", sagte Kreye im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung".

Er verwies auf einen Status quo, den sich Ärzte und KV mühsam erarbeitet haben. In den 1990er Jahren galten die Praxisinhaber an der Ostsee im bundesweiten Vergleich als einkommensschwach.

Es folgten zum Teil harte Auseinandersetzungen, auch mit den jeweiligen Landesregierungen. Inzwischen haben die Ärzte in Mecklenburg-Vorpommern viele Kollegen in anderen Bundesländern beim Verdienst überholt und die Beziehung zur Landesregierung gilt als ausgesprochen gut.

Gutes Arbeitsverhältnis zu Schwesig

Jüngster Beweis dafür war ein Auftritt von Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) auf dem Hausärztetag Mecklenburg-Vorpommern, der von gegenseitigem Respekt und Verständnis gekennzeichnet war.

Auch mit Landesgesundheitsministerin Manuela Schwesig zieht die KV in vielen Fragen an einem Strang. Von einem solchen Verhältnis waren viele Vorgänger Schwesigs weit entfernt.

Kreye führt beide erreichten Erfolge auch darauf zurück, dass der Vorstand unter Dr. Wolfgang Eckert in der Vergangenheit keinem Konflikt aus dem Weg gegangen und dabei auch an die Öffentlichkeit gegangen war.

"Auch wenn es Schrammen gibt - wichtig ist doch, dass das Ergebnis für die niedergelassenen Ärzte stimmt. Bislang war es in der Sache immer richtig, dass die KV die Auseinandersetzung nicht gescheut hat", sagt Kreye dazu.

Er verweist in diesem Zusammenhang auf die am Ende erzielten Ergebnisse, etwa beim Honorar oder bei der Schaffung von zwei Lehrstühlen für Allgemeinmedizin in Rostock und Greifswald.

Kliniken in die Schranken weisen

Eine solche positive Klärung erhofft er sich auch von der aktuellen Auseinandersetzung mit der Landeskrankenhausgesellschaft. Wie berichtet streiten sich beide Organisationen unter anderem darum, wie stark sich die Kliniken im ambulanten Sektor engagieren.

Die Krankenhäuser beanspruchen eine deutlich stärkere Position, als die KV ihnen zugestehen möchte. Kreye, der auch Hausärztechef im Nordosten ist, kann zwar Verständnis für die Haltung der Krankenhausgesellschaft aufbringen, verweist sie aber zugleich in die Schranken.

"Dreh- und Angelpunkt der Versorgung sind und bleiben die niedergelassenen Ärzte." Dies ist nach Erfahrungen des Neubrandenburger Allgemeinmediziners auch unter Klinikkollegen unstrittig.

Zugleich beobachtet er ein gutes Miteinander zwischen Klinikärzten und niedergelassenen Kollegen: "Die Chefärzte wissen genau, was sie an den ambulanten Kollegen haben. Wir sind aufeinander angewiesen. Deshalb bin ich mir sicher, dass wir auch in Zukunft gut zusammenarbeiten werden."

Sollte auf Verbandsebene keine Annäherung möglich sein, würde sich Kreye auch einer Moderation etwa durch die Aufsicht nicht verschließen.

Ohne Unterstützung von außen geht es derzeit auch nicht mit den Krankenkassen in der Honorarfrage. Die KV hat das Schiedsamt eingeschaltet, nachdem die AOK Nordost im Dezember zur Verärgerung der Ärzte einen Verhandlungstermin kurzfristig abgesagt hatte.

"So geht man nicht miteinander um", sagte Kreye zur Absage. Schließlich gehe es noch um das Honorar für 2012. Die KV will jetzt schnell eine Lösung - wenn nötig, über einen öffentlichen Konflikt.

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