Ärzte Zeitung, 15.02.2013

Honorare im Norden

Wunsch erfüllt - dennoch wenig Freude

Wunsch erfüllt - dennoch wenig Freude

4,5 Prozent mehr Honorar - doch richtig freuen wollen sich die Ärzte in Schleswig-Holstein nicht. Noch wissen sie nicht, wie sich die Ergebnisse der Honorarverhandlungen auswirken werden.

Von Dirk Schnack

BAD SEGEBERG. Eine Anhebung der Gesamtvergütung um 4,5 Prozent - kein Grund zum Feiern für die KV-Vertreter in Schleswig-Holstein.

Auf der jüngsten KV-Abgeordnetenversammlung taten sich Vorstand und Abgeordnete schwer damit, dem ohne Schiedsamt gelungenen Abschluss eine uneingeschränkt positive Seite abzugewinnen.

"Für beide Seiten akzeptabel", zu mehr Euphorie hatte es schon bei KV-Chefin Dr. Monika Schliffke in der ersten Mitteilung zum Abschluss nicht gereicht.

Aus gutem Grund - denn in den Verbänden und Kreisen im Norden will man zunächst abwarten, was der Abschluss für die Praxen in Euro und Cent bedeutet.

Skepsis unter den Ärzten

So hatte Hausärztechef Dr. Thomas Maurer darauf verwiesen, dass für seinen Geschmack zu wenig extrabudgetäre Leistungen für Hausärzte vereinbart wurden.

Die Skepsis zog sich auch durch Versammlung. "Ich habe meine Zweifel, wie das Geld bei uns ankommt. Werden die Punktwerte erhöht?", fragte der Abgeordnete Michael Sturm.

Tatsächlich gibt es Aufschläge in Cent bei den Ziffern für die förderungswürdigen Leistungen und eine Anhebung des Orientierungspunktwertes um rund ein Prozent.

Diese Botschaft, aber nicht mehr, hätte nach Ansicht von Chirurg Dr. Thomas Schang an die Öffentlichkeit transportiert werden sollen. Schang stellte aber auch klar, dass der KV-Vorstand nach seiner Ansicht gute Arbeit geleistet hat: "Da wäre nicht mehr drin gewesen."

Guter oder schlechter Abschluss?

Zum Ergebnis: Die Bundesempfehlung sah vor, dass sich die Anhebungen im Norden auf rund 30,45 Millionen Euro summieren (für Orientierungspunktwert, Morbidität, Psychotherapie und Strukturbeitrag).

Tatsächlich werden die Honorarzuwächse je nach Ausschöpfung der Fördermittel zwischen 47 und 54 Millionen Euro liegen.

Darin sind 7,2 Millionen Euro für förderungswürdige Leistungen (etwa Chronikerziffer, Gastroskopien, kleine Chirurgie) sowie weitere drei Millionen Euro für Hausbesuche bei Patienten von über 70 Jahren, 1,2 Millionen Euro für extrabudgetäre Leistungen (Polysomnographie, Mamman- und Angio-MRT) sowie fünf bis acht Millionen Euro für die Mengenentwicklung bisheriger extrabudgetärer Leistungen enthalten.

Ob das im Bundesvergleich ein guter oder schlechter Abschluss ist, darüber mochte in Bad Segeberg niemand spekulieren. Denn für einen Vergleich zwischen den Bundesländern fehlt die Basis.

Jede KV bezieht in ihren Berechnungen andere Bestandteile mit ein. Gemessen an den Wünschen der Ärzte im Norden darf die KV aber zufrieden sein.

Denn zur Jahreswende hatte die Körperschaft noch Postkarten von Ärzten bekommen mit dem Aufdruck: "Wir wünschen uns drei Prozent" - Wunsch erfüllt.

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