Ärzte Zeitung, 23.05.2013

Kommission

Substitution in Hamburg auf hohem Niveau

Entgegen einiger Vorwürfe wird die Take-home-Regelung in Hamburg nicht lax gehandhabt, so eine Kommission.

HAMBURG. Die Substitutionsbehandlung Opiatabhängiger in Hamburg findet auf einem hohen medizinischen Niveau und regelkonform statt.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Qualitätssicherungskommission, die nach Vorwürfen wegen angeblicher Mängel bei der Take-home-Vergabe eine Sonderprüfung vorgenommen hat.

In diesem Rahmen wurde bei 50 zufällig ausgewählten substituierenden Ärzten die Behandlung von 255 Patienten geprüft, von denen 84 Prozent eine Take-home-Vergabe erhalten.

In 83 Prozent dieser Fälle hält die Kommission die Take-home-Vergabe für uneingeschränkt gerechtfertigt, in 17 Prozent der Fälle müsse sie angepasst, kritisch überdacht und eventuell beendet werden.

Im vergangenen Jahr hatte es nach der tödlichen Methadonvergiftung der elfjährigen Chantal Streit über ein angeblich zu laxes Verhalten von Suchtärzten gegeben.

Kritiker hatten Ärzten unter Verweis auf den florierenden Schwarzmarkt einen bedenkenlosen Umgang mit Betäubungsmittelrezepten vorgeworfen.

Kein zu niedrigschwelliger Zugang zu Substitutionsmittel

Die KV Hamburg sieht sich mit dem Ergebnis der Prüfung in ihrer Haltung bestätigt.

"Der Vorwurf, in Hamburg sei der Zugang zu Substitutionsmitteln zu niedrigschwellig, ist unhaltbar. Die substituierenden Ärzte verhalten sich absolut entsprechend der Betäubungsmittelverschreibungsverordnung", sagte KV-Vize Walter Plassmann.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Behandlungspraxis substituierender Ärzte zum Rückgang an Drogentoten und der Beschaffungskriminalität beitragen.

Die Substitutionsbehandlung übernehmen Vertragsärzte in den Praxen und ermächtigte Ärzte in vier Substitutionsambulanzen. In Hamburg gibt es zurzeit etwa 4500 gemeldete Substitutionspatienten. Fast die Hälfte der Opiatabhängigen wird mit Substitutionsmitteln behandelt.

Im vergangenen Jahr gab es in der Hansestadt 49 Drogentote. Dies ist der niedrigste Stand seit 1986. Sechs dieser Drogentoten hatten zu Lebzeiten an einem Substitutionsprogramm teilgenommen. (di)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Adiopositas-Op nötig, aber Kasse will nicht zahlen

Wenn der Antrag eines Adipositas-Patienten auf eine bariatrische Operation abgelehnt wird, bringt das Ärzte in eine schwierige Situation. Denn oft verschlechtert sich der Zustand des Betroffenen. mehr »

9 wichtige Forderungen, Analysen, Informationen

Fleißige Delegierte: In Freiburg wurde wieder eine große Palette an Themen abgearbeitet. mehr »

Immer mehr Nichtraucher erkranken an Lungenkrebs

In US-Kliniken tauchen immer häufiger Nichtraucher mit Lungenkrebs auf, vor allem Frauen sind betroffen. Das könnte am Passivrauchen liegen. mehr »