Ärzte Zeitung, 21.06.2013

EBM-Reform

Wie einig sind sich die Ärzte?

EBM-Reform im Streit oder weitgehend im Konsens? Darum geht es am Freitag bei der Sonder-Vertreterversammlung der KBV. Die KBV-Spitze will die Delegierten mit einer Simulationsrechnung überzeugen - und kündigt einige Überraschungen an.

Von Hauke Gerlof

Wie einig sind die Ärzte?

Geld für die Ärzte: Welche Auswirkungen die EBM-Reform haben könnte, wird die KBV vorrechnen.

© Reinhold Föger / fotolia.com

BERLIN. Kurz vor der Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV-VV) scheinen sich die Fronten zur geplanten EBM-Reform zu klären.

Trotz des Gegenwinds aus einigen KVen sieht KBV-Vorstand Regina Feldmann im Vorfeld der VV "viel Zustimmung" für die neue Systematik im EBM.

"Ein großer Teil der hausärztlichen Vertreter steht hinter dem Konzept", hat Feldmann im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung" gesagt.

Relativ moderate Töne schlägt auch Ulrich Weigeldt, Bundesvorsitzender des Hausärzteverbandes, in einem Rundschreiben an die Mitglieder an.

Weigeldt erwartet, dass einige Forderungen des Hausärzteverbandes realisiert werden können.

Zu den Vorschlägen des Verbandes gehören unter anderem neue Gebührennummern in der Palliativmedizin und für die geriatrische Versorgung - ohne zusätzliche Qualifikationsanforderungen.

Gesprächsleistung kommt sicher

Zu Änderungen bei den Pauschalen zeigt Weigeldt klare Kante: "Das Absenken der Pauschalen zu Gunsten von Einzelleistungen werden wir nicht hinnehmen", schreibt der Hausärzte-Chef, lobt die Pläne aber gleichzeitig, weil "immerhin innerhalb des EBM versucht wird, Elemente aus der Honorarstruktur unserer freien Verträge nachzuahmen".

Neue Leistungen in der Geriatrie und in der Palliativmedizin werde es sicher zum 1. Oktober geben, versichert KBV-Vorstand Regina Feldmann. Weitere Neuerungen für Hausärzte, die noch im Oktober sicher kommen werden, seien

› die Versichertenpauschale in künftig fünf Altersklassen,

› die versorgungsbereichsspezifische Grundpauschale,

› der Chronikerzuschlag, gesplittet in einen Zuschlag mit einem Arzt-Patienten-Kontakt und einen mit zwei Kontakten und

› das hausärztliche Gespräch als neue Leistung.

Wird das zusätzliche Geld reichen?

Die neuen Leistungen - auch die sozialpsychiatrische Betreuung chronisch kranker Kinder für Pädiater - sollen aus den 124 Millionen Euro beglichen werden, die bei den Honorarverhandlungen 2012 herausgekommen seien. "Ob das Geld reicht, wird die Zukunft zeigen", so Feldmann.

Es bleibe dabei, dass die Grundpauschale dann nicht gezahlt wird, wenn Hausärzte Leistungen wie Akupunktur oder Psychotherapie erbringen, erläutert KBV-Vorstand Feldmann das Konzept der Körperschaft weiter.

"Wir wollen die hausärztlichen Grundleistungen wie Hausbesuche oder das hausärztliche Gespräch fördern, denn diese Leistungen brauchen wir angesichts der demografischen Veränderung dringend."

Leistungen, die die Vergütung der Pauschale ausschließen, würden aus anderen Kapiteln des EBM bezahlt, meist mit festen Punktwerten, und würden dadurch bereits genug gefördert. Deshalb falle die Grundpauschale hier weg.

Einige Überraschungen

Die Substitutionsbehandlung mit Methadon, die Betreuung von HIV-Patienten und diabetologische Schwerpunktleistungen würden jedoch nicht in den Katalog der Leistungen aufgenommen, die die Grundpauschale ausschließen, so Feldmann weiter. "Hier müssen wir noch andere Lösungen finden."

Der Chronikerzuschlag werde dagegen unabhängig von den anderen erbrachten Leistungen bezahlt werden, kündigt die Hausärztin an, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind.

Welche Auswirkungen der reformierte EBM haben könnte, wird die KBV den Vertretern bei der VV in einer Simulation erläutern. "Wir haben die Punktmenge von 2007 und die erbrachten Leistungen von 2011 genommen und einfach nach der neuen Systematik neu verteilt."

Dabei werde es auch "einige Überraschungen" geben, glaubt die KBV-Vize. Konfliktpotenzial mit den Hausärzten sieht sie derzeit jedenfalls nicht.

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KV Schleswig-Holstein vermutet: "Cliquenwirtschaft" bei der KBV

[21.06.2013, 08:27:08]
Dr. jens wasserberg 
Simulationsrechnung erst kurz vor der Abstimmung - Seriös ist anders !
Ein neuer EBM hat immer Folgen, die zunächst nicht bedacht und nicht gewollt waren. Diese Problematik kann man wohl kaum entschärfen, indem man diese Simulationsberechnungen unter Verschluss hält und erst kurz vor der Abstimmung 'Überraschungen' ankündigt. Diese Überraschungen kennen wir noch aus 2009, als der neue EBM 3 Monate später schon massiv korrigiert werden musste, weil er nicht funktionierte.
Zum Glück erscheint das, was im Artikel beschrieben wird, extrem von dem abzuweichen, was sich die KBV zuerst ausgedacht hatte und was erkennbar nur die Interessen einiger weniger KVen befriedigen sollte. Die anderen hatten nur die Arbeit. Schade, dass die Spitze der KBV so erkennbar Politik für einzelne Klientele macht.
Von bundesweiter Konvergenz ist ja schon lange nicht mehr die Rede. Die benachteiligten KVen dürfen aber wohl die KBV-Solidarität mittragen, die Mehrarbeit für alle und mehr Honorar für einige bedeuten würde. zum Beitrag »

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