Ärzte Zeitung, 21.06.2013

KV Schleswig-Holstein vermutet

"Cliquenwirtschaft" bei der KBV

"Cliquenwirtschaft" bei der KBV

Die KV Schleswig Holstein kritisiert die KBV heftig für die Pläne zum neuen Hausarzt-EBM. Es wird nicht ausgeschlossen, dass sie auf der Sonder-VV der KBV einen Misstrauensantrag stellt.

Von Dirk Schnack

BAD SEGEBERG. Fehlende Transparenz, mangelnde Expertise, Bedienung von Klientel-Interessen: die Vorwürfe an die KBV bei der Vorbereitung des Hausarzt-EBM reißen nicht ab.

Nach Hamburg hat nun auch die Abgeordnetenversammlung der KV Schleswig-Holstein (KVSH) massive Kritik im Vorfeld der stattfindenden Sonder-VV geübt. Auch ein Misstrauensantrag wird nicht mehr ausgeschlossen.

"Alles streng geheim" - so nimmt der KVSH-Vorstand die Vorbereitungen auf den Hausarzt-EBM in Berlin wahr.

"Wir haben keine Ahnung, nach welchen Prämissen man kalkuliert. Und es gefällt uns überhaupt nicht, über Monate im Unklaren gelassen zu werden", kritisierte das Vorstandsduo Dr. Monika Schliffke und Dr. Ralph Ennenbach unmittelbar vor der entscheidenden Versammlung.

Sturm stellen sich die Nackenhaare auf

Drastischere Worte fanden die Abgeordneten. Michael Sturm stellten sich nach eigenen Worten "die Nackenhaare auf", als er von der Strategie der KBV hörte.

Sein hausärztlicher Kollege Eckhardt Kibbel empfindet es als "Wahnsinn, was da läuft" und fragte: "Wer stopft sich da die Taschen voll? Entwickelt sich die KBV-Honorarabteilung zur CIA?" Er forderte seine Kollegen auf, nicht zuzulassen, dass in Berlin "Cliquenwirtschaft betrieben wird".

Insbesondere KBV-Vorständin Regina Feldmann misstraut man im Norden massiv. Vermutet wird, dass hinter verschlossenen Türen ein auf wenige, hauptsächlich ostdeutsche Regionen zugeschnittener EBM erarbeitet und mit Zusagen an bestimmte Gruppen an Mehrheiten gebastelt wurde.

Dr. Uwe Bannert glaubt nicht, dass Feldmann mit ihrer Strategie viele Hausärzte außerhalb der Regionen, die mutmaßlich vom neuen EBM profitieren werden, hinter sich hat.

Deutliche Konfrontationslinie

Auch Schleswig-Holsteins Hausärztechef Dr. Thomas Maurer sieht eine "deutliche Konfrontationslinie" zwischen Feldmanns Kurs und dem Hausärzteverband.

Im Norden wird inzwischenbezweifelt, dass die Hausärzte dort von der Reform profitieren werden. Auch die Expertise von Feldmanns Beratern wurde in Zweifel gezogen. Ennenbach fordert von Feldmann, "Farbe zu bekennen". Er schloss auch einen Misstrauensantrag "zur rechten Zeit" nicht aus.

In einer einstimmig verabschiedeten Resolution fordert die Abgeordnetenversammlung, dass sofort ein transparentes Verfahren erfolgt, "dass den Betroffenen die Gelegenheit gibt, sich an der Debatte zu beteiligen und ihr Wissen und ihre Erfahrungen aus der Praxis einzubringen."

Bislang, so der Eindruck im Norden, sei dies nicht gefragt gewesen.

Lesen Sie dazu auch:
EBM-Reform: Wie einig sind sich die Ärzte?

[25.06.2013, 00:33:28]
Dr. Wolfgang Bensch 
Was solidarisches Verhalten Ost/West angeht
und hier von Frau Karopka angesprochen wird, dürfte das zunächst in BERLIN mit der Wiedervereinigung innerhalb der KV-Berlin zu einer Lösung gekommen sein. Vielleicht weiß Frau Prehn dazu mehr, die ja in der zweiten Amtszeit zusammen mit den beiden anderen Vorstandkollegen für einigen Wirbel sorgte, was finanzielle Leistungen der KV betrifft. zum Beitrag »
[21.06.2013, 10:28:07]
Dr. Andreas Forster 
Klientelinteressen
Liebe Kollegin Karopke,

vielleicht beruhigt es Sie, dass die minimale Mehrvergütung in einigen westlichen Regionen nicht zum Reichtum der Kollegen beiträgt, sondern schlicht durch die höheren Kosten aufgefressen wird. Dafür brauchen Sie nur z.B. die Mietpreise einer Praxis in Thüringen und in HH vergleichen! zum Beitrag »
[21.06.2013, 07:59:46]
Dr. Cornelia Karopka 
Klientelinteressen?
An dieser Stelle darf man doch mal gepflegt nachfragen, welche Klientelinteressen hier gemeint sind und wo der Aufschrei der nördlichen Kollegen war, als die östlichen Kollegen über zwanzig Jahre immer niedrigere Fallwerte hatten (Thüringen hatte auch im ersten Quartal 2012 noch den bundesweit niedrigsten Fallwert mit 52,56 Euro- Schleswig Holstein lag in dem Quartal bei 57,85 Euro, nachzulesen im Honorarbericht der KBV für das 1. Quartal 2012).
Ich habe mindestens in den letzten zwölf Jahren, solange wie ich niedergelassen bin, keine Nachricht irgendwo gelesen, dass sich die Kollegen aus Norden oder Westen auch nur ein Mal solidarisch neben ihre Kollegen aus dem Osten gestellt hätten und bemerkt hätten, dass die Honorierung im Osten deutlich niedriger ist (auch das lässt sich bei entsprechender Recherche sehr schnell belegen).

"Cliquenwirtschaft"?

Ich hätte mir mehr Einigkeit von allen Kollegen, egal ob Nord oder Süd, Ost oder West gewünscht, nicht nur heute, auch schon in den letzten zwölf Jahren.
Schade.

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