Ärzte Zeitung, 03.07.2013

Notdienst

Kleinstaaterei in Sachsen

Beim Notdienst in Sachsen hakt es: Schuld sind ineffiziente Dienststrukturen. Bis Ende des Jahres will die KV das in den Griff bekommen. Ein mühsames Vorhaben, wie sich jetzt zeigt. Denn viele Ärzte sind von dem Plan nicht angetan.

Von Thomas Trappe

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Auf zum Hausbesuch: Vertragsärzte sollen sich im Bereitschaftsdienst zu größeren Dienstbereichen zusammenschließen.

© imagebroker / imago

DRESDEN. Als die KV Sachsen vor etwas mehr als einem Jahr beschloss, Haus- und Kinderärzten fortan eine Bereitschaftsdienstpauschale zukommen zu lassen, ging es nicht nur um die Entlohnung zusätzlicher Arbeit.

Die Pauschale diente mit der Vorgabe von Mindestzahlen bei den teilnehmenden Ärzten auch dem Ziel, effiziente Dienststrukturen zu etablieren. Mindestens 20 Ärzte sollten in einem Dienstbereich zusammengefasst sein, bei weniger Teilnehmern verringert sich die Pauschale.

Mit dieser Sanktion sollten Ärzte zur Kooperation gedrängt und die Ausgaben bei der KV gesenkt werden.

Kein leichtes Verfahren, wie der aktuelle Umsetzungsstand zeigt. So gab es bisher einzig in der KV-Bezirksdirektion Chemnitz Zusammenlegungen, wie die KV auf Anfrage erklärte. Aus sieben Dienstbereichen wurden drei. Der Rest muss nun schnell folgen.

"Um tragfähige Strukturen im Bereitschaftsdienst zu etablieren, ist vorgesehen, die Zielstrukturen bis zum 31. Dezember 2013 umzusetzen", hieß es. "Aktuell ist für über 30 Bereiche eine Anpassung gemäß der entwickelten Zielstrukturen vorgesehen", wurde erklärt.

Welche weiteren Zusammenschlüsse folgen sollen, gibt die KV noch nicht bekannt. Allerdings die Kriterien, nach denen das geschehen soll. So gilt zum Beispiel, dass die neuen Bereitschaftsdienstbereiche maximal eine Luftlinie von 35 Kilometern aufweisen.

Vier Dienste pro Quartal

Eine Pkw-Fahrtzeit von 45 Minuten soll nicht überschritten werden, dabei würden auch geografische Gegebenheiten wie Flussläufe und Tallagen berücksichtigt.

Vermieden werden bei der Neustrukturierung "entgegengesetzt gelegene bevölkerungsstarke Zentren innerhalb eines zu entwickelnden Bereitschaftsdienstbereiches".

Als die Reform der Bereitschaftsdienstbereiche vor einem Jahr von der KV beschlossen wurde, rechnete Vorstandschef Klaus Heckemann mit Widerständen vor allem bei Hausärzten in ländlichen Regionen, da diese oft längere Fahrtzeiten in Kauf nehmen müssten. Die Befürchtung scheint sich teilweise zu bestätigen.

Dr. Gottfried Hanzl ist Vorsitzender des Fachausschusses Hausärzte in der sächsischen KV und berichtet, dass vor allem in der Erzgebirgsregion Ärzte Vorbehalte gegen die geplanten Zusammenschlüsse hätten, aber auch in einzelnen Regionen Mittel- und Ostsachsens.

Er rechne aber damit, dass die Zusammenschlüsse wie geplant bis Ende des Jahres durchgesetzt werden. "Das ist machbar", so Hanzl.

Hanzl selbst hat seine Praxis in in der kleinen Gemeinde Oderwitz in der demografisch problematischen Oberlausitz. Dort wurden bereits vor fünf Jahren Bereitschaftsdienstbereiche zusammengelegt, so Hanzl. Auf einer Fläche von rund 20 mal 20 Kilometern versorgten nun 42 Ärzte 52.000 Patienten.

Rund vier Dienste pro Quartal müsste damit ein Arzt machen. "Das ist auf jeden Fall ein Fortschritt", so Hanzl. Vor allem mit Blick auf die im Schnitt älter werdende Ärzteschaft in der Region. "Da wird die Belastungsfähigkeit ja auch geringer."

[03.07.2013, 07:36:10]
Dr. Karlheinz Bayer 
von Baden-Württemberg lernen heißt Chaos verhindern!

Liebe Kolleginnen und Kollegen in Sachsen,

schaut Euch die Bereitschaftsdienstreform in Baden-Württemberg an und vermeidet schon früh, daß dieselben Fehler in Sachsen begangen werden wie hier.

Hier wurde im Neckar-Odenwaldkreis ein anerkannt guter Notdienstbeauftragter abgesägt, weil er schlicht und einfach nicht die Linie der KV, sondern der Ärzte seines Kreises vertreten hat. Hier sind inzwischen die Landräte und die Kommunen, und natürlich die Niedergelassenen auf dem Plan.

Die Leizenden Notärzte der Ortenau (zu denen ich auch zähle) und der Bereichsausschuß Notfallmedizin der Ortenau beklagen, daß die eigentlichen hausärztlichen Fahrten auf Notärzte abgewälzt werden (plus 30 %).

Wir, das heißt die Ärzteschaft in Baden-Württemberg, die Zwangsmitglieder der KV, beklagen, daß eine 50-Millionensumme in Notfallpraxen und den Fahrdienst gesteckt wird, die aus der Tasche von uns Ärzten bezahlt werden soll, denn die Kassen scnhießen gerade malk 6,3 Mio Euro zu.

Vor allem aber beklagen die Ärztinnen und Ärzte in Baden-Württemberg, mit welcher Beratungsresistenz die KV vorgegangen ist. Diese Reform wurde von oben nach unten durchgepeitscht. Funktionierende lokale Strukturen wurden geopfert, das Deutsche Rote Kreuz als Partner garnicht in Erwägung gezogen für den Fahrdienst, stattdessen fä
hrt jetzt der MHD. Es wurde eine vielseits beklagte, insuffiziente Software zwangsvorgeschrieben.

Zu allem Übel wurde das den Kolleginnen und Kollegen mit dem Hauptargument schmackhaft gemacht, daß jeder und jede zukünftig seinen Dienst abtreten könne - natürlich gegen die Zahlung von Barem.

Ich kann den Sachsen nur raten, paßt auf!

Hier in Baden-Württemberg wird es Jahre dauern und es werden einige Prozesse vor den Sozial- und Verwaltungsgerichten ausgefochten werden müssen, bis wir unsere Reform wieder rückgängig gemacht haben. Das Schlimmste aber ist, daß die Dienstwilligen auf den Barrikaden sind und die Dienstmüden die reform befürworten, weil sie keinen Dienst mehr machen wollen. Die Stadtärzte freuen sich, weil die Notfallpraxen in den Städten sitrzen. Die Bevölkerung und die Ärzte auf dem Land stehen vor längeren Wartezeiten und Fahrwegen. Das Schlimmste ist, daß die Ärzteschaft von der KV gespalten wurde, und daß die, die eigentlich eine bessere Reform gebraucht hätten, hinten runtergefallen sind.

Paßt auf, Ihr Sachsen!

Dr.Karlheinz Bayer, Bad Peterstal
(hier haben zwei vorauseilende Notdienstbeauftragte bereits am 1.7. 2013 mit eder Reform begonnen, die nach Beschluß der KV erst im Januar 2014 bginnen sollte ... man könnte sich die ohnmächtuig die Haare ausraufen !) zum Beitrag »

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