Ärzte Zeitung, 15.08.2013

Thüringen

Neuer HVM macht große Probleme

kv-thueringen-L.jpg

In Thüringen wird seit 2012 eine Honorarverteilung ohne RLV praktiziert - mit drastischen Folgen: Bei einigen Fachgruppen sind die Einbußen groß.

Von Robert Büssow

WEIMAR. Neues Honorarsystem, neue Probleme: Vor einem Jahr hat sich Thüringen als eines der ersten Bundesländer von den Regelleistungsvolumina (RLV) verabschiedet. Nun zeigt sich: Der neue Honorarverteilungsmaßstab (HVM) leidet noch unter Kinderkrankheiten.

Wie sich bei der Abrechnung im vierten Quartal 2012 herausstellte, haben mehrere Fachgruppen mit zum Teil erheblichen Einbußen zu kämpfen.

Bei gleich zehn Fachgruppen konnte nicht einmal der Orientierungspunktwert von 3,5 Cent im eigentlich festen Vergütungsanteil ausgezahlt werden. Denn nach der Thüringer Systematik werden 65 Prozent der Leistungen mit einem festen Punktwert vergütet, der Rest mit einem fließenden Wert.

Insgesamt fehlten laut KV-Hauptgeschäftsführer Sven Auerswald 4,5 Millionen Euro. Nach heftigen Diskussionen beauftragte die Vertreterversammlung deshalb den Vorstand, die Verwerfungen so schnell wie möglich abzustellen.

Sollte der 65-prozentige Vergütungsanteil weiterhin nicht vollständig ausgezahlt werden können, "unterläuft der HVM die gesetzliche Vorgabe zur Kalkulationssicherheit", monierten die Delegierten.

Der KV-Vorstand hat nun einen neuen Vorwegabzug definiert, der solidarisch von den Fachärzten getragen werden soll, so Auerswald. Die entsprechende Regelung werde der Vertreterversammlung zur Abstimmung im September vorgelegt.

Immer noch über dem Bundesdurchschnitt

Eine weitere unangenehme Überraschung verdankten viele dem Vergleich ihrer Fallzahl innerhalb der Fachgruppe. Wer mehr als zehn Prozent unter die Leistung seiner Fachgruppe sank, verringerte sein individuelles Punktzahlvolumen.

Diese Malus-Regelung wurde ursprünglich eingeführt, um schwarze Schafe zu identifizieren. Die Auswirkungen waren aber zum Teil härter als beabsichtigt.

Auerswald schildert die Situation eines Arztes, dessen Punktzahlvolumen um die Hälfte sank, nur weil er im Fachgruppenschnitt 22 Fälle zu wenig hatte.

Die Klausel wird gestrichen, lautete deshalb der Beschluss der VV - mit knapper Mehrheit von nur einer Stimme. Dies gelte bereits mit der Abrechnung des ersten Quartals 2013, so Auerswald.

Er verteidigt die HMV-Änderung: "Wenn man sich die Fallzahlen der Fachgruppen anschaut und mit dem Bundesdurchschnitt vergleicht, liegen noch immer alle Fachgruppen in Thüringen deutlich darüber. Das muss man auch einmal anerkennen."

Ganz ungeschoren kommen Ärzte, die weniger leisten, nicht davon. "Dadurch, dass wir eine individuelle Verteilungssystematik haben, wird sich das im darauf folgenden Quartal negativ auf den Einzelnen auswirken", erklärt Auerswald.

Ungeachtet der erneuten Anpassung bezeichnete er es als richtig, dass die Verantwortung für den HVM bei den regionalen Vertreterversammlungen liegt. Dadurch sei es nämlich auch möglich, "Fehler schneller zu korrigieren, wenn man sie erkannt hat".

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »