Ärzte Zeitung, 07.10.2013

Nach dem Streit

KV Thüringen fährt die Friedensdividende ein

Vor rund einem Jahr wurde der zähe Grabenkrieg in der KV Thüringen beendet. Jetzt zeigt sich: Seit Haus- und Fachärzte an einem Strang ziehen, werden Probleme nacheinander abgearbeitet.

Von Robert Büssow

KV Thüringen fährt die Friedensdividende ein

Passen Personen und Strategie zusammen, profitiert die ganze KV, zeigt das Beispiel Thüringen.

© imagebroker / imago

WEIMAR. Thüringens Ärzteschaft ist so geschlossen wie lange nicht. In einem politischen Programm mit 23 Punkten beendeten KV-Chefin Annette Rommel und ihr Stellvertreter Thomas Schröter vor einem Jahr den erbitterten Streit zwischen Haus- und Fachärzten in Thüringen.

Gegenseitiges Vertrauen und mehr Demokratie, lautete die Devise. "Durch diese Vertreterversammlung muss ein Ruck gehen", forderte Rommel damals. Viele Punkte konnten inzwischen erfolgreich abgeräumt werden, manches ist noch in Arbeit, zog sie nun eine erste Bilanz.

Für die Hausärztin steht an erster Stelle, dass der "tiefe Graben" zwischen Fach- und Hausärzten geschlossen und eine offene Diskussionskultur eingezogen sei. Sprich, ein neues Verhältnis zur Demokratie, auch bei unbequemen Entscheidungen.

"Das muss man auch als Vorstand akzeptieren. Das ist ein Zeichen von Stärke", sagt sie. Die Zusammenarbeit mit ihrem Vize Thomas Schröter, der ein sehr ambivalentes Verhältnis zu ihrer Vorgängerin Regina Feldmann pflegte, beschreibt sie als gut.

Ihr größter gemeinsamer Erfolg: Die mit 6,99 Prozent bundesweit höchste vertraglich vereinbarte Honorarsteigerung für 2013 mit Sockelwirkung für die Folgejahre. Bei den Hausärzten sei die "Angemessenheit der Vergütung derzeit gewährleistet".

Bei den Fachärzten konnten Fortschritte für die Grundversorger erzielt werden.

Sachliches Klima im Beschwerdeausschuss

Ebenfalls auf der Habenseite verbucht die KV-Spitze die jahrelang ausstehende Prüfvereinbarung mit den Krankenkassen, die nun nicht gleich mit der Regresskeule drohen. Auch im Beschwerdeausschuss herrsche inzwischen ein sachliches Klima, so Rommel.

Gegen den Ärztemangel wurden mit den Kassen unter anderem Zuschläge für Heimversorgung und Versorgungsassistenten in der Hausarztpraxis (VERAH) vereinbart.

Das in Thüringen erprobte Konzept der Eigeneinrichtung, in denen die KV selbst Ärzte anstellt, werde weiter ausgebaut. Bei den Fachärzten konnten insbesondere für Psychotherapeuten und Augenärzte Verbesserungen erzielt werden.

Keine Fortschritte hingegen gibt es bei der Sicherstellung zeitnaher Fristen für einen Facharzttermin. "Die Verhandlungen wurden mit der AOK Plus ohne Ergebnis geführt", räumt der KV-Vorstand nach jahrelangem Gerangel ein.

Allerdings wollte sich die KV einen solchen Service auch extra vergüten lassen, was das Interesse der Kassen erlahmen ließ. Bei der KV ist man nicht ganz unglücklich, konnte die Bindung an Fristen so doch "vermieden werden".

Ebenfalls auf der langen Bank befindet sich noch das gemeinsame Modellvorhaben mit Sachsen und den Apotheken: Das ABDA-KBV-Konzept. Ärzte sollen demnach nur Wirkstoffe aus einem indikationsbezogenen Präparatekatalog verordnen, die konkrete Produktauswahl obliegt den Apotheken.

Trotz nicht näher erläuterter "erheblicher technischer Umsetzungsschwierigkeiten" werde das Modellprojekt "aktiv unterstützt". Ursprünglich sollte die erste Phase des Konzeptes schon in diesem Herbst ausgerollt werden.

Auf einen neuen Starttermin wollten sich die KVen beider Länder bislang nicht festlegen. Gerüchte zu einem kurz bevorstehenden Durchbruch werden dementiert. Immerhin wurde für das Modellprojekt bereits ein neuer Name gefunden: "Arzneimittelinitiative Sachsen Thüringen", kurz ARMIN.

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