Ärzte Zeitung online, 05.12.2013

Metke

KVen sollen Zuweisung selbst steuern

Facharzttermine in vier Wochen - so will es Schwarz-Rot. Südwest-KV-Chef Metke will sich von der Politik allerdings nicht das Zepter aus der Hand nehmen lassen.

Von Florian Staeck

KVen sollen Zuweisung selbst steuern

Will die Dinge lieber selbst regeln: KV-Chef Metke.

© Dirk Wilhelmy

STUTTGART. Baden-Württembergs KV-Chef Dr. Norbert Metke hat die KVen dringend aufgefordert, eigene Modelle der Patientensteuerung im Kollektivvertrag zu entwickeln.

Das Vorhaben im Koalitionsvertrag von SPD und Union, Patienten mit Überweisung binnen vier Wochen einen Termin beim Facharzt zu garantieren, sei das Resultat eigenen Nichtstuns, erklärte Metke bei der Vertreterversammlung der KV Baden-Württemberg am Mittwoch in Stuttgart.

Die Budgetierung und das Fehlen fester Preise seien zwar die Hauptursachen der "Terminproblematik", erklärte Metke. Wahr sei aber auch, dass die KVen seit Jahren nicht in der Lage gewesen seien, die Patientenkoordinierung zwischen Haus- und Fachärzten zu regeln.

"Jetzt werden die Krankenhäuser aufgemacht und die Fachärzte zahlen die Zeche", so der KV-Chef. Damit spielte er auf das Vorhaben der mutmaßlichen großen Koalition ab, wonach der Patient nach vier Wochen Wartezeit das Recht haben soll, sich im Krankenhaus zu Lasten des fachärztlichen KV-Budgets behandeln zu lassen. Mit einer solchen Regelung werde die Mengenbegrenzung ad absurdum geführt.

Es bewahrheite sich mit diesem schwarz-roten Vorhaben sein oftmals vorgetragener Grundsatz: "Regeln wir es nicht selber, dann werden wir geregelt."

Im Oktober hatte Metke den Vertretern in Stuttgart ein Alternativmodell für eine zukünftige Versorgung im Kollektivvertrag vorgestellt. Dieses Konzept, für das der KV-Vorstand bei den Kassen werben will, sieht unter anderem ausbudgetierte Pauschalen für die Zuweiser und Überweisungsnehmer vor.

Kein Zeitdruck bei den Kassen-Verhandlungen

Patienten sollen zwar freien Zugang zum Haus- oder Facharzt haben, aber der Arzt soll über den Grad der nötigen Koordination bestimmen.

Große Probleme in der Praxis sieht Metke auch bei dem von Union und SPD geplanten Eingriffen in die ärztliche Selbstverwaltung. Die Parteien wollen den Körperschaften vorschreiben, für komplette Parität in den Gremien zu sorgen.

Hausärztliche Vertreter würden dann nur über Fragen der Hausärzte entscheiden, Fachärzte nur über fachärztliche Belange. "Wir müssten in Vertreterversammlungen vor jeder Abstimmung festlegen, ob es sich um eine spezifisch haus- oder fachärztliche Frage handelt", erläuterte Metke.

Dabei entstünden viele Fragen: Pädiater beispielsweise seien honorartechnisch dem hausärztlichen Bereich zugeordnet, bei der Bedarfsplanung oder dem Notdienst aber gelten sie als Fachärzte.

Im ersten Quartal 2014 wird im Südwesten der alte Honorarvertrag mit den Krankenkassen vorübergehend weitergelten, berichtete Metke. Am Dienstag sei dazu ein Überbrückungsvertrag mit den Kassen geschlossen worden.

Alle Vereinbarungen mit Blick auf die Strukturförderung in der KV-Region hätten dabei weiter Bestand. Erste Gespräche mit den Kassen hätten gezeigt, dass die "Vorstellungen noch weit auseinanderliegen".

Dabei gehe es beispielsweise um den Zuschlag auf den Orientierungswert, den Fortbestand der ausbudgetierten und geförderten Leistungen, die Mengenentwicklung in der Onkologie oder den Notfalldienst.

Auf Zeitdruck in den Verhandlungen habe sich die KV nicht einlassen wollen, sagte Metke: "Das kostet Prozente." Im Jahr 2013 hatte im Südwesten die morbiditätsorientierte Gesamtvergütung um 4,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zugenommen, hinzukamen weitere ausbudgetierte Leistungen.

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