Ärzte Zeitung online, 27.12.2013

Idee von Montgomery

"Dringliche Überweisung" statt Termingarantie

Eine neue Form der Überweisung, statt einer Termingarantie - so will die BÄK die schwarz-rote Idee einer maximalen Wartezeit für Termine beim Facharzt verhindern.

"Dringliche Überweisung" satt Termingarantie

Will eine neue Form der Überweisung für dringende Termine: BÄK-Präsident Frank Ulrich Montgomery.

© Stephanie Pilick

BERLIN. Die Bundesärztekammer (BÄK) hat die Einführung einer "dringlichen Überweisung" vorgeschlagen, damit Hausärzte GKV-Patienten schnell zu einem Facharzt vermitteln können.

So soll die im Koalitionsvertrag vereinbarte Termingarantie verhindert werden. Union und SPD wollen durchsetzen, dass Patienten in ein Krankenhaus gehen können, wenn sie nicht binnen vier Wochen einen Termin beim Facharzt erhalten.

Dies sei unsinnig, sagte BÄK-Präsident Professor Frank Ulrich Montgomery, der Freitagsausgabe der "Rheinischen Post". "Wichtig ist, dass Termine beim Facharzt weiterhin aus medizinischen Gründen vergeben werden", so Montgomery weiter.

Dafür könne man eine neue Form der dringlichen Überweisung schaffen. Wer dann ohne Überweisung seines Hausarztes einen Facharzttermin wünsche, müsse unter Umständen etwas länger warten. "Das Terminmanagement muss in den Händen der Ärzte bleiben", sagte Montgomery.

Union und SPD haben im Koalitionsvertrag vereinbart, die Wartezeit auf einen Facharzttermin für gesetzlich Versicherte deutlich zu verringern. Hintergrund sind Klagen, dass diese oft sehr viel länger als Privatpatienten auf einen Termin warten müssen.

Laut Koalitionsvertrag sollen sich GKV-Patienten künftig bei der Überweisung an einen Facharzt an eine zentrale Terminservicestelle bei den Kassenärztlichen Vereinigungen wenden können. Diese soll innerhalb einer Woche einen Behandlungstermin vermitteln.

"Für den Termin soll im Regelfall eine Wartezeit von vier Wochen nicht überschritten werden. Gelingt dies nicht, wird von der Terminservicestelle ein Termin - außer in medizinisch nicht begründeten Fällen - zur ambulanten Behandlung in einem Krankenhaus angeboten", heißt es im Koalitionsvertrag.

BÄK-Präsident Montgomery begrüßte zudem die Absicht der schwarz-roten Koalition, einen Straftatbestand der Bestechlichkeit und der Bestechung im Gesundheitswesen im Strafgesetzbuch zu schaffen.

"Wichtig ist auch, dass alle im Gesundheitswesen Tätigen zur Rechenschaft gezogen werden können", betonte er. "Dann wird endlich das Ärzte-Bashing aufhören, alle Mediziner seien bestechlich."

Die vielen kleinen Reformen aus dem Koalitionsvertrag könnten in einem Jahr abgearbeitet werden, sagte Montgomery. "Dann muss sich die Gesundheitspolitik daran machen, die Finanzierung des Systems privater und gesetzlicher Kassen zu reformieren." Dabei solle aber das Zwei-Säulen-Modell aus gesetzlicher und privater Versicherung erhalten bleiben. (dpa)

[27.12.2013, 16:39:07]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
BÄK-KBV - Paradoxe Kommunikation?
Um maximale Wartezeiten auf Termine beim Facharzt zu verhindern, erfindet die Bundesärztekammer (BÄK) o h n e Abstimmung mit der KBV die Einführung einer "dringlichen Überweisung"? Damit Hausärztinnen und Hausärzte, die ihre GKV-Patienten eh' schon tag-gleich oder innerhalb von 24 Stunden akut untersuchen, beraten und behandeln, noch ein wenig Mehrarbeit haben? Und zusätzlich ganz nebenbei zwei verschieden abgestufte Überweisungsformularen abarbeiten, um damit schneller zu einem Facharzt vermitteln zu können?

Man erkennt unschwer, dass BÄK-Präsident und Kollege, Professor h. c. (HH) Dr. med. Frank Ulrich Montgomery, keine vertragsärztlichen Erfahrungen aufweisen kann:
1. Müssen immer diejenigen Termine organisieren, die sie auch selbst in ihrer Praxis abarbeiten können.
2. Sind Regelungen, die GKV-Patienten betreffen, im ärztlichen Bereich ausschließlich von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und den einzelnen KVen zu gestalten und vertraglich zu fixieren.
3. Es verwirrt Politik, Medien und Öffentlichkeit, wenn BÄK und KBV jeweils immer über die Fachgebiete der anderen Seite konfabulieren.
4. Hausärzte gegen Fachärzte ausspielen zu wollen, ist jetzt anscheinend auch interner BÄK-Bestandteil des zuvor inkriminierten "Ärzte-Bashing"?

Die BÄK täte gut daran, ihre ureigene Hausaufgabe einer brach liegenden GOÄ-Reform ebenso selbstkritisch wie energisch voranzutreiben: Systematik der Gebührenordnung für Ärzte vom 16.4.1987 (BGBl. I, S. 1218); GOÄ-Punktwert-Anhebung in 30 Jahren (1983-2013) um 14 %; kalkulatorischer Punktwert 10 (1983), 11 (1988), 11,4 Pfennige (1996); seit 1996 (!) k e i n e Anpassung an Kostensteigerungen und fehlender Inflationsausgleich.

Die BÄK schaut in aller Seelenruhe zu, wie es zu überwiegend Facharzt- und Technik-lastigen, unkontrollierten Mengenausweitungen mit immer obskureren Analog-Anwendungen bei den GOÄ-Abrechnungen zu Lasten der privat Krankenversicherten kommt. Und damit zeitgleich die Terminvergabe im vielgepriesenen "Dualen System" der Krankenversicherungen bei den Gesetzlich Krankenversicherten der GKV immer weiter ausgedünnt wird.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

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