Ärzte Zeitung online, 29.01.2014

Wartezeiten

SPD-Fraktion pocht auf Koalitionsvertrag

Die SPD wirbt weiter für gesetzlich geregelte Terminvergabestellen bei den Kassenärztlichen Vereinigungen. Die Ärzte wollen die Terminvergabe in Eigenverantwortung beschleunigen. Die Krankenkassen mischen ebenfalls mit.

SPD-Fraktion pocht auf Koalitionsvertrag

Wie lange soll ein Patient höchstens auf einen Facharzttermin warten müssen? Darüber wird seit Wochen diskutiert.

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BERLIN. Die große Koalition will auf jeden Fall eine gesetzliche Regelung zur schnelleren Vergabe von Facharztterminen einführen. "Da sind wir in der Pflicht", sagte der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Professor Karl Lauterbach am Mittwoch der "Ärzte Zeitung".

In manchen ländlichen Regionen und Stadtteilen sei die Facharztdichte so dünn, dass auch die Facharztschiene der Krankenhäuser genutzt werden müsse, um Termine binnen vier Wochen zu ermöglichen. Auf diese Frist hatten sich Union und SPD im Koalitionsvertrag geeinigt.

Der Präsident der Bundesärztekammer, Professor Frank Ulrich Montgomery, hatte ein Modell der "dringlichen Überweisung" vorgeschlagen. Hausärzte sollten auf der Überweisung die Dringlichkeit einer Überweisung vermerken können. Im Saarland wollen die dortige Kassenärztliche Vereinigung und die Landesregierung ein solches Modell erproben.

Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) hatte Montgomerys Modell bereits dahin gehend kommentiert, dass dann die geplanten Terminvergabestellen bei den Kassenärztlichen Vereinigungen weniger Arbeit hätten. Für Lauterbach wirft der Vorstoß des Ärztepräsidenten die Frage auf, ob es denn im Augenblick tatsächlich so sei, dass dringende Überweisungen nicht bevorzugt behandelt würden.

Die Gemeinschaft Fachärztlicher Berufsverbände (GFB) hat sich bereits in einem offenen Brief an Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) gewandt. Patienten an Kliniken zu verweisen, wenn sie zu lange auf einen ambulanten Termin warten müssten, sei nicht zielführend, schreiben GFB-Präsident Professor Hans-Peter Bruch und sein Vize Dr. Wolfgang Wesiack.

Um die Wartezeiten auf einen ambulanten Termin zu verkürzen, plädieren sie dafür, die Zulassungs- und Fallzahlbegrenzung abzuschaffen und mehr Geld in den niedergelassenen Sektor zu investieren.

Auch Kassen vermitteln Facharzttermine

14.692 Patienten haben im Jahr 2012 die Hotline der DAK zur Vermittlung von Facharztterminen angerufen - eine Steigerung um gut 200 Prozent im Vergleich zu 2009. Darauf hat die DAK in einer Mitteilung verwiesen. Dadurch verkürzten sich Wartezeiten bei einzelnen Facharztgruppen von mehreren Monaten auf wenige Tage, so die Kasse.

Besonders gefragt seien Termine beim Radiologen: 1899 Patienten wollten sich 2013 dorthin vermitteln lassen. Es folgen die Fachrichtungen Neurologie (1693) und Orthopädie (1320). Platz vier belegen laut DAK-Auswertung Psychiater und Psychotherapeuten mit 1164 Anrufen.

"Wer zum Facharzt muss, erlebt meist Ängste, Verunsicherung und Leiden", sagt Professor Herbert Rebscher, Vorstandschef der DAK-Gesundheit. Umso wichtiger sei es, dass die Wartezeit auf einen Termin möglichst kurz ist.

Beim Augenarzt kämen die Versicherten, die den Service der Kasse nutzten, im Vergleich zu ihrem selbst vereinbarten Termin im Schnitt 77 Tage eher dran. Bei Psychotherapeuten und Neurologen könnten durchschnittlich 46 Tage, bei Radiologen 25 Tage gespart werden, so die Kasse.

Die meisten Anrufe kommen der DAK-Mitteilung zufolge aus Nordrhein-Westfalen. 4031 Menschen meldeten sich von dort. Auf den Rängen zwei und drei liegen Hessen (1826) und Niedersachsen (1255). Das zweitbevölkerungsreichste Land Bayern kommt mit 653 Anfragen auf den 10. Platz. Nach Auswertung der Krankenkasse erhalten über 90 Prozent aller Anrufer einen Termin.

Einer nicht repräsentativen Umfrage des Arztbewertungsportals "jameda" zufolge bekommt fast jeder zweite Patient spätestens innerhalb von vier Wochen einen Termin beim Facharzt. (af/sun)

[30.01.2014, 15:23:22]
Dr. Daniela Eckert 
Kollektiv Geißelung der gesamten niedergelassenen Ärzteschaft
Bin seit 2004 in MV an der A24 niedergelassen:
1.) Ich bin zu 99% phlebologisch-lymphologisch (fachärztlich!!!) tätig. Laut der KV-MV, zuständig für mindestens 137.000 Einwohner. Es gibt noch ein phlebologisch tätiger ANGIOLOGE, ein phlebologisch tätiger Hausarzt in Schwerin, bde Vollzeit. Zusätzlich gibt es ein phlebologisch-lymphologisch tätiger Internist aus Lübeck für einige Stunden an einem Tag in der Woche, auch in Schwerin. Es gibt noch einen phlebologisch tätigen Chirurgen in Wismar und eine phlebologisch-lymphologisch tätige Hausärztin auf der Insel Rügen. In Brandenburg gibt es KEINEN SPEZIALISTEN DIESER ART!!!! Erst in den Norden hin ab Hamburg wieder und im Süden in Berlin!!
2.) Ich habe eine netto Wochenarbeitszeit (ohne Papier- und Bürokratiekram!) von 48-50 Stunden (da auch samstags Sprechstunde)
3.) habe 9 MONATE!!! Wartezeit bei nicht dringlichen Terminen und in MV ist die Dringlichkeit bereits seit 2004 (so weit ich es schon weiß) per Ü-Scheinsystem geregelt
4.) Die vom Hausarzt als Notfall betrachtete Fälle werden innerhalb 24h bis maximal 7 Tage, IN UNSERER MITTAGSPAUSE!!, untersucht und behandelt.
5.) Ich lade hiermit ÖFFENTLICH die gesamte Koalitionsregierungsriege zur Tagesablauf Besichtigung herzlichst ein.
6.) Zusätzlich mache ich auch Hausbesuche bei Patienten die nicht in die Praxis kommen können; bes. wegen der Therapiesicherung! zum Beitrag »
[29.01.2014, 20:47:36]
Michael Drockur 
ist doch ganz easy...
Eine Antwort auf diese politischen Nebenschauplatz-Hirngespinste könnte sein: tägliche Annahme jedweder Patienten und dann knallharte Priorisierung nach dem Triage-Prinzip. D.h.: 2-Minuten-Medizin für die Feststellung einer dringlichen Behandlungsnotwendigkeit (ohnehin nicht so häufig gegeben!) und der Rest wird genüßlich nach Dringlichkeit für Rezeptausstellung, Diagnostik usw. wieder einbestellt. Das kann dann allerdings dauern, aber der Facharzttermin ist wie gewünscht innerhalb von 4 Wochen zustande gekommen.
Andere Alternative: Rückgabe der Kassenzulassung.
Kollegen, macht alle mit, das wird schön!
Mit freundlichen Grüßen Michael Drockur, Facharzt zum Beitrag »
[29.01.2014, 14:27:56]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Sorry, Herr Kollege Prof. K. Lauterbach,
aber ist das jetzt Frust, dass es mit dem Bundesgesundheitsministerium nicht geklappt hat? Oder war Ihr kurzfristiges Engagement für hausärztliche Belange eher nur scheinheilig?

Tatsache ist, dass nach den bisherigen Koalitionsplänen eine Art Kollektiv- und Sippenhaftung für a l l e GKV-Vertragsärzte vorgesehen ist. Auflaufende Krankenhaushonorare für GKV-Patienten, die länger als 4 Wochen o h n e Rücksicht auf Dringlichkeit, Versorgungs- und Inanspruchnahme-Realität auf einen Termin bei irgendeinem Vertrags-Facharzt warten und deswegen alternativ Fachärzte in den Klinikambulanzen aufsuchen, sollen e n t g e g e n dem Verursacherprinzip von der G e s a m t-Vergütung a l l e r ambulant vertragsärztlich tätigen Kolleginnen und Kollegen k o l l e k t i v abgezogen werden. Dies ist ein offener Vertragsbruch nach SGB V.

Vertrags-Ärztinnen und -Ärzte werden kollektiv als Geiseln genommen, nur weil bundesweit manche Fachärzte ihre Terminplanungen nicht geregelt bekommen und wollen? Bei d i e s e n wäre es die herausragende Pflicht der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), die Erfüllung vertragsärztlicher Pflichten nach dem Sicherstellungsauftrag einzuklagen.

Denn nur in einigen Fachrichtungen werden egoistisch-chaotisch, privatärztlich orientiert Termine mit offensichtlicher Benachteiligung von "Kassenpatienten" vergeben.

Also: Einführung von Mindest-Sprechzeiten für GKV-Patienten (z. B. 18-20 Stunden/Woche) für a l l e Fachrichtungen (Pathologen natürlich ausgenommen) als Grundvoraussetzung für die Vertragsarztzulassung als Vollzeitjob und anteilige Regelungen für Teilzeit und Jobsharing. Meine persönliche Situation: Netto 34 Stunden/Woche für vertragsärztliche Tätigkeit - noch Fragen?

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund  zum Beitrag »
[29.01.2014, 13:42:08]
Dr. Birgit Bauer 
Wie weltfremd !
Schlimm genug, dass solche unsinnigen Forderungen tatsächlich in einen Koalitionsvertrag geschrieben werden, doch hier zeigt der Kollege Lauterbach mal wieder wie weit weg er von den Realitäten in einer Arztpraxis ist.
Trotzige Kleinkindreaktionen (es fehlt nur noch, dass er mit dem Fuß aufstammpft)sind bei der derzeitigen Situation des immer größer werdenden Mangels an geeigneten Kollegen für die ambulante Betreuung nun wirklich fehl am Platz.
Unsere werte Politikerriege sollte sich aus ihrer formaljuristischen Regulierungswut mal wieder mit den Realitäten im Alltag befassen.
Auch für Ärzte hat der Tag nur 24 Stunden und nicht jeder, der von unseren Journalisten zum Experten erklärt wird ist auch wirklich einer.
M.f.G. B.Bauer zum Beitrag »

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