Ärzte Zeitung online, 31.03.2014

Kommentar

Sackgasse Sektionierung

Den Worten sollen Taten folgen: Die große Koalition will die Vertretungsrechte von Haus- und Fachärzten gesetzlich regeln - eine versorgungspolitische Sackgasse.

Von Wolfgang van den Bergh

Ungewollt oder aber geschickt inszeniert hat Staatssekretär Karl-Josef Laumann eine Diskussion losgetreten, die längst beendet zu sein schien: das Thema Sektionierung.

Entsprechenden Bestrebungen hatten KBV und KVen Ende 2013 eine klare Absage erteilt - übrigens auch Professor Ferdinand Gerlach. Der Vorsitzende des Sachverständigenrates und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin engagiert sich seit langem für sektorübergreifende Versorgungsmodelle.

"Wir werden dafür sorgen, dass die hausärztlichen Angelegenheiten demnächst von Hausärzten allein entschieden werden und die fachärztlichen Angelegenheiten von Fachärzten", sagte Laumann beim "Tag der offenen Tür" des Deutschen Hausärzteverbandes vor wenigen Tagen in Köln. Er zitierte damit nahezu wörtlich den Koalitionsvertrag. Mit welchem Ziel?

Wenn von Seiten der Politik eine Sektionierung favorisiert wird, ist der Weg zu einer Haus- und Facharzt-KV nicht mehr weit. Das sollte dann offen ausgesprochen und die damit verbundenen Erwartungen benannt werden. Und wenn die Koalition die Rolle des Hausarztes wirklich stärken möchte, kann sie noch einen Schritt weitergehen und sich klar zu einem Primärarztsystem bekennen. Das wäre freilich nur im Rahmen einer Organisationsreform der Körperschaften möglich.

Aber kann so innerärztlicher Streit beigelegt werden? Löst man durch Abschottung und Sektionierung die Versorgungsprobleme von morgen? Es gibt sie doch bereits heute schon, die Gremien in den Körperschaften, die die Interessen der Fachgruppen vertreten. Ist das System nur deshalb schlecht, weil die damit verbundenen Erwartungen hüben wie drüben nicht in Erfüllung gehen? Sicherlich: Es ist den Verbänden ein Dorn im Auge, dass sie nicht überall an den entscheidenden Stellen in den Körperschaften ihre Verbandsvertreter in Stellung bringen können. Aber kann so Wettbewerb in einem Nebeneinander von Kollektiv- und Selektivvertrag funktionieren?

Der Koalitionsvertrag setzt mit der Förderung sektorübergreifender Modelle klare Zeichen. Das gilt ebenso für die Neuauflage von 73b- und 73c-Verträgen zur hausarztzentrierten Versorgung bis hin zur Spezialfachärztlichen ambulanten Versorgung.

In einer Gesellschaft, in der Komorbiditäten und die Zahl chronisch Kranker zunehmen, in der sich Therapien immer mehr an Behandlungspfaden ausrichten, wäre eine Sektionierung ein falsches Signal und eine versorgungspolitische Sackgasse.

Lesen Sie dazu auch:
Versorgung: Laumann bricht Lanze für Hausärzte

[31.03.2014, 20:58:43]
Dr. jens wasserberg 
Kollegiales Miteinander
Dem Autor dieses Kommentares sei einmal empfohlen, die Vorgänge in der KVNO zu studieren. Dort werden bis zum heutigen Tage 2/3 aller gewählten hausärztlichen Vertreter aus den Satzungsgremien systematisch entfernt. Selbst der ' hausärztliche Vertreter' für die KBV wurde gegen die Hausarztmehrheit von den Fachärzten und PT bestimmt.
Dass dieser dann auch einer der Verantwortlichen für den desaströsen Hausarzt-EBM ist, ist eine weitere Pointe. Das KV-System ist erst befriedet, wenn Haus- wie Fachärzte autonom - und zwar garantiert und nicht vom kollegialen Miteinander abhängig - ihre inhaltlichen und personellen Positionen selbst bestimmen können. Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass gemeinsame Themen gemeinsam angegangen werden sollen. Die Unterstellung, dass dies dann nicht mehr möglich sei, mag ein Hinweis auf die Intention desjenigen sein, der diese Autonomie verhindern will. zum Beitrag »

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