Ärzte Zeitung App, 14.08.2014

Templiner Krankentransport

An der Kostenübernahme hakt's

Einen Haustür-Service bietet ein privater Taxiunternehmer geriatrischen Patienten in Brandenburg. Gerne würde die KV die Finanzierung der Patiententransporte einheitlich mit allen Kassen regeln. Doch die zieren sich bisher.

Von Angela Mißlbeck

An der Kostenübernahme hakt's

Anders als beim Patientenbus können die Patienten vom Taxi direkt zu Hause abgeholt werden.

© Andreas Franke / dpa

POTSDAM/TEMPLIN. Im Land Brandenburg verkehrt ein neuartiger Patientenbus. Ein privater Taxiunternehmer übernimmt vorläufig den Transport der geriatrischen Patienten zum KV Regiomed Zentrum der KV Brandenburg (KVBB).

Anders als der Patientenbus, der im Rahmen des KV Regiomed Konzeptes im Landkreis Märkisch-Oderland unterwegs war, ist das Templiner Transportangebot nicht an die Haltestellen des öffentlichen Nahverkehrs gebunden. Es holt die Patienten nach Bedarf an der Haustür ab, bringt sie bis vor die Tür des KV Regiomed Zentrums am Sana Krankenhaus Templin und wieder zurück.

"Für diejenigen, die gefahren werden müssen, gibt es keine anderen Möglichkeiten", sagte der Bereichsleiter Neue Versorgungsformen der KV, Lutz O. Freiberg, der "Ärzte Zeitung".

Selbst der Weg zu einer Bushaltestelle ist für viele geriatrische Patienten kaum zu bewältigen. Das galt als einer der Gründe für das Scheitern des Patientenbusses im Märkisch-Oderland.

Kooperation mit Taxiunternehmen bis Jahresende befristet

Die Finanzierung der Transporte bleibt jedoch problematisch. Mit den Krankenkassen gibt es viele Diskussionen, ob der Transport zu den ambulanten Therapiezyklen die Voraussetzungen für eine Krankenfahrt auf Kassenkosten erfüllt. "Jede Krankenkasse sieht und handhabt das anders", sagt Freiberg.

Manche Kassen vertreten die Auffassung, dass nur für Patienten mit Schwerbehindertenausweis die Kosten übernommen werden müssen oder nur für krebskranke Patienten.

Die GBA-Richtlinie für Krankenfahrten vom Januar 2004 sieht vor, dass Krankenfahrten zu ambulanten Behandlungen vorher von den Kassen genehmigt werden müssen. "Wenn wir das normale Genehmigungsverfahren abwarten, kommen die meisten Patienten deutlich zu spät oder nie in Therapie", sagt Freiberg.

Er lobt das Engagement des Taxiunternehmers, der die Transportleistungen in vielen Fällen erbringt, ohne dass die Bezahlung durch die Kassen sicher ist.

Mittelfristig will die KV die Finanzierung der Patiententransporte im Rahmen eines Vertrags mit der Arbeitsgemeinschaft der Krankenkassen pauschal regeln. Daher ist die Kooperation mit dem Taxiunternehmen bis zum Jahresende befristet.

KV-Experte Freiberg zeigt sich überzeugt: "Erreichbarkeit wird immer mehr zum Schlüsselthema. Es nutzen die besten Versorgungsstrukturen nichts, wenn die Menschen die Versorgungsangebote nicht erreichen können. Da sind alle nach Lösungen gefragt", sagt Freiberg.

Freiberg: Kassen und Politik in der Pflicht

Wie es um die Erreichbarkeit steht, hat die KV an einem anderen KV Regiomed Zentrum in Bad Belzig untersucht. Für eine Studie hat sie erhoben, woher die Patienten des Zentrums kommen, wo die Patienten aus der Region versorgt werden und wie der öffentliche Nahverkehr strukturiert ist. Befragt wurden Patienten über 55 Jahre.

Die Auswertung von 199 Fragebögen zeigte für die Region im Normalfall eine gute Erreichbarkeit. "Routinebesuche sind in der Regel nicht das Problem", sagt Freiberg. Es gehe entweder um die Erreichbarkeit spezieller Angebote, wie etwa Therapiezyklen zu festen Uhrzeiten oder um die Akutversorgung.

Hier sieht Freiberg nicht nur Krankenkassen, sondern auch die Politik in der Pflicht. Der Bürgermeister von Templin und der Landrat des Kreises Uckermark begrüßen zwar, dass eine Transportlösung gefunden ist.

"Aber eine finanzielle Beteiligung fehlt uns bislang", sagt Freiberg. Zudem wünscht er sich von Landesgesundheitsministerin Anita Tack (Linke) eine klare Positionierung zur Frage der Kostenübernahme durch die Kassen.

Tack besucht das Krankenhaus Templin mit dem KV Regiomed Zentrum an diesem Freitag im Rahmen ihrer gesundheitspolitischen Wahlkampftour.

Das erst vor einem halben Jahr gestartete Zentrum wurde auch im Masterplan der Gesundheitsregion Berlin-Brandenburg als Leuchtturmprojekt verankert.

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