Ärzte Zeitung online, 18.11.2014

Ärztemonitor

Schlechte Stimmung vor allem bei Grundversorgern

Die allermeisten Ärzte finden in ihrem Beruf Erfüllung. Beim Blick auf die Finanzen verdüstert sich aber das Urteil, zeigt eine Detailauswertung des Ärztemonitors.

Von Florian Staeck

Schlechte Stimmung vor allem bei Grundversorgern

Die meisten Ärzte erfüllt ihre Arbeit zwar, ihre wirtschaftliche Situation schätzen sie allerdings nicht besonders rosig ein.

© Coloures-Pic/fotolia.com

BERLIN. Fachärzte, die die ambulante Grundversorgung stemmen, sind mit ihrer wirtschaftlichen Situation im Vergleich mit anderen Fachgruppen am wenigsten zufrieden.

Das zeigt eine Detailauswertung des Ärztemonitors von KBV und NAV Virchow-Bund. Dabei sollte dem Umstand nachgegangen werden, dass 94 Prozent der mehr als 10.000 befragten Ärzte sich zufrieden mit ihrem Beruf gezeigt haben, mit den Rahmenbedingungen ihrer Arbeit aber sehr kritisch ins Gericht gingen.

KBV und NAV hatten die Hauptergebnisse des Ärztemonitors im Juli der Öffentlichkeit vorgestellt. 93 Prozent der Antwortenden gaben an, selbstständiges Arbeiten in der Praxis sei möglich, 72 Prozent der Ärzte und Psychotherapeuten berichteten, sie könnten ihre Arbeitszeiten flexibel gestalten.

Vor allem Chirurgen und Orthopäden unzufrieden

Scharf hebt sich von diesen Zufriedenheitswerten die Beurteilung der wirtschaftlichen Situation ab. Gefragt nach der aktuellen Situation in der Praxis oder dem MVZ, überwiegen bei etlichen Fachgruppen die schlechten Noten.

55 Prozent der Ärzte im Fachgebiet Chirurgie/Orthopädie zeigen sich "eher unzufrieden" oder "sehr unzufrieden".

Nicht viel besser sieht es bei HNO-Ärzten (51 Prozent) und Urologen (48 Prozent) aus. Im Mittelfeld der Beurteilungen liegen Gynäkologen, wo sich 43 Prozent eher oder gar nicht zufrieden zeigen. Bei Hausärzten sehen 36 Prozent der Befragten ihre wirtschaftliche Situation kritisch, bei Augenärzten sind es 31 Prozent.

Dagegen wertet nur jeder fünfte Mund-Kiefer-Gesichtschirurg seine wirtschaftliche Lage skeptisch, bei Pathologen (14 Prozent) und Strahlentherapeuten (12 Prozent) ist der Anteil der Unzufriedenen sogar noch geringer.

Arbeitszeit hat keinen Einfluss

Wichtige Erkenntnis der Auswertung ist, dass Arbeitspensum und wirtschaftliche Zufriedenheit nicht korrelieren: Chirurgen arbeiten pro Woche im Schnitt 56,2 Stunden - bei einem Anteil von 55 Prozent Unzufriedenen. Bei Hausärzten und Strahlentherapeuten liegt die durchschnittliche Arbeitszeit ebenfalls bei rund 56 Stunden, aber der Anteil derer, die ihre Situation kritisch sehen, liegt viel niedriger.

Ebenfalls keinen Zusammenhang gibt es zwischen der Zahl der Patientenkontakte und der Beurteilung der wirtschaftlichen Lage. Bei Dermatologen liegt die Zahl der Kontakte pro Tag mit 67,6 mit an der Spitze, der Anteil der finanziell Unzufriedenen rangiert mit 37 Prozent im Mittelfeld.

Umgekehrt sehen Urologen im Schnitt pro Tag 42,9 Patienten, der Durchschnittswert über alle Fachgruppen hinweg beträgt 43,8 Prozent. Doch der Anteil derer, die ihre Situation düster beurteilen, liegt mit 48 Prozent im oberen Mittelfeld.

Der KBV-Vorsitzende Dr. Andreas Gassen warnte, um junge Mediziner in die Niederlassung zu bekommen, müssten "die Bedingungen vor allem bei den Grundversorgern deutlich verbessert werden".

Schlechte Stimmung vor allem bei Grundversorgern

[22.11.2014, 12:43:16]
Dipl.-Psych. Bernhard Morsch 
Was zählt zur fachärztlichen Grundversorgung ?
Es ist unglaublich, dass offenbar immer noch nicht im Bewusstsein der Öffentlichkeit, schlimmer noch der Fachleute angekommen ist, dass zur Grundversorgung auch die Fachgruppen zählen, die Patienten mit psychischen Erkrankungen behandeln. So werden in der vorliegenden Untersuchung weder Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatische Medizin moch die größte Fachgruppe der Psychologische Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten auch nur erwähnt.

Dipl. Psych. Bernhard Morsch
Psychologischer Psychotherapeut zum Beitrag »

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