Ärzte Zeitung online, 25.03.2015

Einkommensentwicklung

"Ärzte fühlen sich oft abgekoppelt"

In den ambulanten Sektor fließt zwar eine Menge Geld. Viele niedergelassene Ärzte sind mit den GKV-Einnahmen aber dennoch unzufrieden. Auf dieses Paradox ist der stellvertretende Vorsitzende der KVWL, Dr. Gerhard Nordmann, beim "Gesundheitskongress des Westens" eingegangen.

KÖLN. Bei der Weiterentwicklung der Vergütung für niedergelassene Ärzte dürfen nicht länger nur Leistungsausweitungen und Kostensteigerungen eine Rolle spielen.

Auch das eigentliche Arzthonorar muss regelmäßig angepasst werden, fordert der stellvertretende Vorsitzende der KV Westfalen-Lippe (KVWL) Dr. Gerhard Nordmann.

"Es muss keine starre Koppelung zu den Tariferhöhungen für Ärzte im klinischen Bereich sein", sagte Nordmann auf dem "Gesundheitskongress des Westens 2015" in Köln.

"Aber es darf keine Abkoppelung der Einkommensentwicklungen dieser beiden Gruppen geben."

Komplexität und Intransparenz

Nordmann verwies auf das Paradox, dass zwar eine große Menge Geld in den ambulanten Sektor fließt, viele niedergelassene Ärzte dennoch mit den GKV-Einnahmen unzufrieden sind.

Objektiv verdienen die in der ambulanten Praxis tätigen Mediziner sicher nicht schlecht, betonte er.

"Aber Komplexität und Intransparenz bei den Grundlagen und in der Berechnung des Honorars erzeugen bei einem großen Teil der Niedergelassenen das Gefühl, dass ihnen gerechtes und angemessenes Honorar vorenthalten wird."

Schwer zu durchschauen sei für die Kollegen auch die Fortentwicklung des Honorars, sagte der Augenarzt. Während es für Ärzte im Krankenhaus Gehaltserhöhungen zum Ausgleich für gestiegene Lebenshaltungskosten gebe, fehle ein Pendant im ambulanten Sektor.

Hier würden Krankenkassen-Vertreter immer wieder betonen, dass es zusätzliches Geld für die niedergelassenen Ärzte ohne die gleichzeitige Verbesserung der Versorgung nicht geben dürfe. Eine solche Logik findet Nordmann "verquer".

"Wenn die Bäcker die Brotpreise erhöhen, bekommen Sie auch nicht gleichzeitig ein paar Scheiben mehr."

Die Erhöhung des Orientierungspunktwertes diene ausdrücklich der Refinanzierung der gestiegenen Betriebs- und Investitionskosten - und selbst das werde nicht immer realisiert. "Von einer Steigerung des Arzteinkommens ist nirgends die Rede." (iss)

[25.03.2015, 19:34:04]
Dipl.-Psych. Wolff Henschen 
Psychotherapeuten sind seit 1999 "abgekoppelt" statt "integriert"
Wenn die Ärzteschaft sich abgekoppelt fühlt bei Honorarhöhe, Inflationsausgleich und Steigerungen, was sollen dann erst die PsychotherapeutInnen sagen: genug mit dem Betrug an Honoraren ? Kassenärzte nehmen sich, was für andere Bereiche nicht zur Verfügung gestellt wird ? Ich möchte nicht polemisieren, aber das Faß ist zum überlaufen voll: 5 Bundessozialgerichtsurteile, Pressemitteilungen von PT Verbänden, eine Demo in Berlin mit 45 Mitgliedsverbänden PT, Rechtsgutachten, Verweise der Politik auf die Selbstverwaltung, die nie "unsere" war, denn wir sind mit einem Stimmenanteil von 10% zu nichts wirklich berechtigt: alles das hat keine Honorargerechtigkeit (!!! Gerechtigkeit im Sinne von: gleiche Leistung, gleiches Geld !!!) erreichen können, der Erw. Bewertungsausschuß lässt uns an langem Arm der "Berechnungen" mit Terminaufschiebungen verhungern, und die Versprechen von KBV, Herr Dr. Gassen oder die Falschinformationen durch Spibu, Herrn Lanz, oder polemisierende Äußerungen von Herrn Hecken oder Herrn Lütz, schaffen wirklich alles andere als Ruhe und ein Gefühl des "angemessen honoriert arbeitens". Auch Herrn Größe scheint das alles nicht zu interessieren. Damit muss Schluss sein ! Bevor Sie nur sich selbst sehen, schauen Sie vielleicht auch mal in den kontextualen Dunstkreis der PT KollegInnen als Leistungserbringer im GKV System: dann werden Sie feststellen, dass wir zeitgebunden für 11 Euro netto hochqualifizierte Leistungen erbringen für PatientInnen mit schweren symptomatischen Erkrankungen aus dem F-Kapitel der ICD ohne jede Leistungsausweitungs Möglichkeit und das seit 1999 ebenfalls ohne Inflationsausgleich. Wie wäre es mit wirklicher Kollegialität und einem Ende dieser Haifischbecken Mentalität !
Dipl.-Psych. W. Henschen
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[25.03.2015, 17:48:34]
Dr. Wolfgang Bensch 
Objektiv sind die Vergütungen der KV-Vorstände
in all den Jahren seit ihrer Veröffentlichung im Deutschen Ärzteblatt stets gestiegen, Herr Nordmann. Seltsam "verquer" klingt ihre Aussage, dass Kassenärzte "nicht schlecht verdienen" - an der Höhe der Regelleistungsvolumina könnten sie das ja mal näher erklären, damit es verständlicher wird. zum Beitrag »

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