Ärzte Zeitung online, 11.05.2015

KBV-VV

Neue Honorarstrategie angekündigt

Im Vorfeld des 118. Deutschen Ärztetags hat die KBV-VV getagt. KBV-Chef Gassen hat dabei eine neue Strategie in den kommenden Honorarverhandlungen mit den Kassen angekündigt.

Live von der KBV-VV

Vor dem Gebäude, in dem die KBV-VV stattfindet, stehen zwei Wagen mit der Botschaft: "Kommt ein Mann zum Arzt. Keiner da."

© Marco Hübner

FRANKFURT/MAIN. Die KBV will ihre Honorarstrategie zur Weiterentwicklung der Gesamtvergütung künftig am Ziel einer konstruktiven Versorgungsgestaltung ausrichten. Das hat der KBV-Vorsitzende Dr. Andreas Gassen bei der KBV-VV in Frankfurt im Vorfeld des 118. Deutschen Ärztetages am Montag angekündigt.

In den für den Spätsommer anstehenden Honorarverhandlung sollen insbesondere der medizinische Bedarf für alte und pflegebedürftige Menschen sowie die Versorgung mit psychiatrischen und psychotherapeutischen Leistungen thematisiert werden. Dazu will die KBV mit dem GKV-Spitzenverband Versorgungsziele vereinbaren.

Protest der Psychotherapeuten

Rund 200 Psychotherapeuten sind dem Aufruf ihrer Verbände zum Protest gegen die aus ihrer Sicht unzulängliche Honorarpolitik der KBV im Vorfeld der Vertreterversammlung in Frankurt gefolgt.

Scharf kritisiert wurde, dass nicht nur das absolute Honorar- und Einlommensniveau unter dem der somatisch tätigen Ärzte liegt, sondern auch das Wachstum deutlich niedriger sei. Nach einem ZI-Bericht liegt der Stundenverdienst von Psychotherapeuten bei etwa der Hälfte der von Ärzten.

Beklagt wurde, dass höchstrichterliche Rechtsprechung nur scheibchenweise von der Selbstverwaltung umgesetzt werde. Bislang überhaupt nicht umgesetzt sei ein Beschluss des Bertungsausschusses von KBV und GKV-Spitzenverband vom Dezember 2013, wonach bis Juni 2014 das Honorar der Psychotherapeuten überprüft werden sollte.

Gassen kritisiert Gesundheitspolitik

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Vor Beginn des Ärztetages hatte Gassen die Gesundheitspolitik der großen Koalition scharf kritisiert. Das Vorhaben, für geringere Wartezeiten auf Facharzt-Termine zu sorgen, nannte der KBV-Chef in der "Süddeutschen Zeitung" (Montag) einen "populistischen Werbegag".

Erhebungen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zeigten, dass die Wartezeiten in Deutschland kürzer als sonst auf der Welt seien.

Die Politik versuche sich mit solchen Vorschlägen vor der Wahrheit zu drücken, schimpfte Gassen. Es gehe längst nur noch um die Frage, die Versorgung der Patienten sicherzustellen, ohne zu offensichtlich zu Kürzungen zu greifen. Ziel des Vorhabens ist es, allen Patienten einen Termin innerhalb von vier Wochen zu garantieren; ansonsten dürften sie sich in einem Krankenhaus behandeln lassen.

Das Ärztetreffen in Frankfurt steht allerdings eher im Zeichen internen Streits. Die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) sind mit ihrem Spitzenverband, der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), zurzeit völlig zerstritten und verlangen personelle Konsequenzen. (HL/dpa)

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