Ärzte Zeitung, 11.05.2015

Psychotherapeuten-Proteste

"Wir sind abgehängt beim Honorar"

Proteste: "Wir sind abgehängt beim Honorar"

FRANKFURT/MAIN. Psychotherapeuten-Verbände haben die KBV-Vertreterversammlung genutzt, um gegen ihre Honorarsituation zu protestieren. Mehr als 200 Vertreter verschiedener Verbände machten mit Plakaten auf ihren Unmut aufmerksam.

Barbara Lubisch, Bundesvorsitzende der Deutschen Psychotherapeuten-Vereinigung (DPtV), erinnerte die KBV-Vertreter daran, dass die psychologischen Psychotherapeuten nach den neuen Zahlen für 2013 Schlusslicht bei der Honorarentwicklung gewesen sind.

Über alle Arztgruppen hinweg seien die Überschüsse im vierten Quartal 2013 um vier Prozent gestiegen, bei den Psychotherapeuten waren es 2,3 Prozent, so Lubisch. "Wer hat, dem wird gegeben", fasste sie aus ihrer Sicht die Honorarentwicklung zusammen.

Dies ändere sich auch nicht, wenn die unterschiedlichen Arbeitszeiten der verschiedenen Fachgruppen berücksichtigt werden.

Dazu verwiesen die Verbände auf Zahlen des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (ZI). Nehme man die Arbeitsstunde als Bezugsgröße, dann hätten im Jahr 2012 Psychotherapeuten "nur halb so viel wie Ärzte" verdient.

Die Fachgruppe sei daher "systematisch benachteiligt und abgehängt", hieß es bei der Protestaktion. Die Selbstverwaltung von Kassen und KBV sei "offensichtlich nicht einmal gewillt, in regelmäßigen Abständen die (vom Bundessozialgericht zugesprochene, d. Red.) Mindestvergütung kontinuierlich sicherzustellen". (fst)

[12.05.2015, 22:13:03]
Dr. Wolfgang Bensch 
Haben Psychotherapeuten das "System" SGB V noch nicht durchschaut?
Man möchte es meinen, wenn man diese Kommentare liest. Berauscht haben sie sich alle in Frankfurt Demonstrierenden zuletzt über mindestens 15 Minuten zum Abschluss am pausenlosen Skandieren des Slogans "Honorargerechtigkeit jetzt".
Danach waren sie alle "high" und Herr Weidhaas voll des Lobes für die gelungene Inszenierung. zum Beitrag »
[12.05.2015, 13:24:19]
Dipl.-Psych. Götz Braun 
Wer ist schuld???
Wieder eine Demo, wieder nette Worte von Herrn Gassen, wieder wird nichts passieren. Das ist schon infam. Da sitzen Ärzte und Kassen an einem Tisch und befinden über die Honorare von Psychotherapeuten. Den Ärzten könnte es eigentlich völlig gleichgültig sein, welches Honorar sie gegenüber den Kassen einfordern. Seit der Ausbudgetierung der PT-Leistungen brauchen sie sich ja nicht einmal mehr Sorge um die Auswirkung auf das Facharztbudget zu machen. Im Vorfeld war 1 Euro Honorarkorrektur für die PT-Leistungen im Gespräch. Eine unglaubliche Brüskierung nein Verhöhnung aller Psychotherapeuten. Insbesondere aber der psychotherapeutischen Standesvertretung bvvp und DPTV. Die tragen allerdings eine erhebliche Mitverantwortung an diesem Honorardesaster. Seit 1999 fällt den beiden Verbänden in der Honorarfrage keine andere Initiative ein als die Klage. Eine berufspolitisch weitergehende Initiative ist in der Honorarfrage weit und breit nicht in Sicht.
Solange dieses Gremium in dieser Zusammensetzung über unser Honorar entscheidet, wird sich niemals etwas ändern. Wir brauchen ein eigenes Verhandlungsmandat, wir brauchen eine gänzliche Neudefinition der Angemessenheitsfrage. Diese Neudefinition muss von angemessenen Rahmenbedingungen schon in der Praxisausstattung ausgehen. Dann wird die Angemessenheit in einer Relation zum Durchschnittsarzt bei einem Honorar von 180.- €/Sitzung liegen. Wenn Frau Lubisch wieder erzählt, dass Psychotherapeuten nur die Hälfte der Ärzte verdienen, dann stimmt das eben nicht. Es ist auf dem Hintergrund der gegenwärtigen Mangelsituation lediglich ein statistischer Wert. Er spiegelt aber den Mangel auch in der Praxisausstattung wider.
Ich kann in der politischen Ausrichtung der Verbände nicht erkennen, wie sich unsere Standesvertreter den Ausweg aus der Honorarkrise vorstellen. Wer aber sich anmaßt Führung in existentiellen Fragen übernehmen zu können, der muss auch Inhalte liefern. Von bvvp und DPTV ist seit 1999 in dieser Frage nichts gekommen.
Der Bremer Bürgermeister hat angemessen reagiert, ich würde mir eine solche Reaktion auch von den misserfolgreichen Vorständen der beiden Verbände wünschen. 15 Jahre Misserfolg sind genug.
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[12.05.2015, 10:41:57]
Dr. Detlef Bunk 
Vernachlässigung
Genau wie bei der Betreuung unserer Kinder im Vorschulalter ist uns auch unser Seelenheil nichts wert - es kommt vor dem Fall: Psychische Erkrankungen nehmen zu und werden nicht ausreichend versorgt.

Dr. phil. Detlef Bunk, Dipl. Psych.
Psychol. Psychotherapeut, Essen

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