Ärzte Zeitung, 03.06.2015

KVWL will's wissen

Fordern Kliniken unzulässige Überweisungen?

Die KV Westfalen-Lippe befragt ihre Mitglieder dazu, ob Kliniken unzulässige Einweisungen verlangen. Das besondere Ärgernis: Laut Ärztevertretern setzen die Kassen sehr unterschiedliche Maßstäbe im Umgang mit niedergelassenen Ärzten und Kliniken.

Von Ilse Schlingensiepen

Fordern Kliniken unzulässige Überweisungen?

Überweisung wirklich nötig? KVWL startet eine Umfrage.

© Marco Drux / fotolia.com

DORTMUND. Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) befragt ihre Mitglieder dazu, ob Krankenhäuser von ihnen unzulässige Einweisungen oder Überweisungen anfordern.

Auf diesem Weg wolle die KV klären, ob es sich bei nicht nachvollziehbaren Anforderungen um Einzelfälle oder um ein systematisches Verhalten handelt, erläuterte der KVWL-Vorsitzende Dr. Wolfgang-Axel Dryden auf der Vertreterversammlung in Dortmund.

Die KVWL möchte auch herausfinden, ob sich einzelne Kliniken dabei besonders hervortun. "Und wir wollen nach dieser Klärung prüfen, ob und wie wir die Krankenkassen in die Pflicht nehmen, ihre Vertragspartner Krankenhäuser anzuhalten, dieses vertragswidrige Verhalten einzustellen", sagte Dryden.

Kassen reagieren zurückhaltend

Nach seinen Angaben beschweren sich regelmäßig niedergelassene Ärzte bei der KVWL, weil Kliniken Patienten bei der Entlassung auffordern, sich im Anschluss erneut vorzustellen. Dafür werde ein Ein- oder eine Überweisung verlangt und in manchen Fällen auch beides.

Wenn die KV die Kassen über solche Vorfälle informiere, reagierten die gar nicht oder nur mit der Mitteilung, dass man das Fehlverhalten moniert habe, so Dryden. Mit vergleichbaren Vorwürfen gegen niedergelassene Ärzte würden die Kassen dagegen anders umgehen.

 "Mit Sicherheit würde das nicht unter den Tisch gewischt, sondern sie hätten eine Wirtschaftlichkeitsprüfung oder einen Regress eingeleitet."

Die Mitgliederbefragung sei die Reaktion auf die Untätigkeit der Kassen. Bislang gab es dabei 122 Rückmeldungen. In den meisten Fällen ging es um die Einweisung zur ambulanten Nachsorge (33) und zur Spezialsprechstunde (54).

Auch bei der Prüfung der Plausibilität von Abrechnungen legen die Kassen unterschiedliche Maßstäbe bei niedergelassenen Ärzten und Kliniken an, findet Dryden. Der KVWL sei aufgefallen, dass Krankenhäuser in den Notfallambulanzen Leistungen abrechnen, die sie bei einer Notfallabklärung für nicht nachvollziehbar halten.

"Dazu gehören zum Beispiel technische Leistungsportfolien wie uns nicht plausibel erscheinende Radiologieleistungen oder umfassende Laborprofile."

Im dritten Quartal 2014 wurden in Westfalen-Lippe insgesamt für 7,3 Millionen Euro Notfallleistungen abgerechnet, davon drei Millionen Euro von den Ärzten und 4,3 Millionen Euro von den Notfallambulanzen. In den Ambulanzen entfielen unter anderem 1,4 Millionen Euro auf das konventionelle Röntgen, 204.000 Euro auf das Basislabor und 269.000 Euro auf das Speziallabor.

"Warum brauche ich das Speziallabor bei der ambulanten Notfallbehandlung?", fragte Dryden. Die Kassen müssten hier Regresse einfordern und das rückerstattete Geld der KV geben, da es aus der Gesamtvergütung stamme.

Oft individuelle Regressforderungen

Ein weiteres Ärgernis sind in den Augen des KVWL-Chefs Regress-Anträge von Krankenkassen gegen Kollegen, die für ein Krankenhaus, das selbst keine Dialyse vorhält, eine ambulante Dialyse erbracht und sachgerecht abgerechnet haben. Das Problem: Die Klinik hat die Niereninsuffizienz DRG-relevant kodiert, für die Kasse sind die Kosten deshalb bezahlt.

Sie will, dass die KVWL das Geld vom betroffenen Arzt zurückfordert und ihn veranlasst, sich mit der Klinik auseinanderzusetzen, sagte Dryden. Das sei das falsche Vorgehen. "Das Krankenhaus hat den Fehler gemacht!"

Die Kassen würden mit zweierlei Maß messen, kritisierte er. "Man möchte sich nicht mit Krankenhausverwaltungen und deren Rechtsvertretern anlegen. Deshalb wendet man sich an diejenigen, die man für schwächer im System einschätzt, die Vertragsärzte."

Dryden wirft den Krankenkassen vor, Fehlinanspruchnahmen im stationären Sektor in Kauf zu nehmen und die Vertragsärzte individuell durch Regressanforderungen in Haftung zu nehmen und kollektiv durch ein geringeres Gesamthonorar. "Das können und werden wir so nicht akzeptieren", betonte er.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Neuroprothese lässt Gelähmten wieder zugreifen

Eine Neuroprothese ermöglicht einem Tetraplegiker, mit einer Gabel zu essen. Sein Hirn wird dabei per Kabel mit Muskeln in Arm, Hand und Schulter verbunden. mehr »

Mord und Totschlag in deutschen Kliniken?

Eine umstrittene Studie zu lebensbeendenden Maßnahmen in Kliniken und Pflegeheimen erhitzt die Gemüter. mehr »

Psychotherapie-Richtlinie steht vor holprigem Start

Der Start der neuen Psychotherapie-Richtlinie am 1. April löst bei den Beteiligten keine Begeisterung aus. Die Kritik überwiegt. Lesen Sie die aktuellen EBM-Ziffern. mehr »