Ärzte Zeitung online, 12.06.2015

Honorarverhandlungen

KBV baut auf Versorgungsziele

Die KBV hat angedeutet, wohin die Reise bei den Honorarverhandlungen geht. Der demografische Wandel soll mehr Einzelleistungsvergütungen bringen.

Von Anno Fricke

KBV baut auf Versorgungsziele

Die KBV baut auf Versorgungsziele.

© Michaela Illian

BERLIN. Die Menschen werden älter, die Zahl der Behandlungsfälle wächst schneller als die zur Verfügung stehende Arbeitskraft und -zeit der Vertragsärzte. Hier will die KBV bei den Honorarverhandlungen ansetzen.

Eine wichtige Zielmarke ist, weitere ärztliche Leistungen aus der Morbiditätsorientierten Vergütung in die extrabudgetäre Einzelleistungsvergütung zu überführen.

Diese Leistungen hat die KBV, wie die Vorstände Dr. Andreas Gassen und Regina Feldmann am Donnerstagaben erklärten, dort ausgemacht, wo die sich wandelnde Gesellschaft neue Versorgungsnotwendigkeiten hervorbringt, zum Beispiel in der Geriatrie.

Auf dieses Vorgehen hatten sich die Vertreter der Vertragsärzte und des GKV-Spitzenverbandes bereits in der Honorarrunde des vergangenen Jahres geeinigt.

Anpassung des Orientierungswerts

Zum Verhandlungspaket gehören auch die Anpassung des Orientierungswerts und die Veränderungsrate der Morbidität. Der Punktwert liegt zur Zeit bei 10,2718 Cent.

Darin sollen sich die Entwicklung der für Arztpraxen relevanten Investitions- und Betriebskosten, die Möglichkeiten zur Ausschöpfung von Wirtschaftlichkeitsreserven und die allgemeine Kostendegression bei Fallzahlsteigerungen widerspiegeln.

Diesem Teil der gesetzlich vorgeschriebenen Verhandlungen hat der Gesetzgeber eigentlich einen Algorithmus unterlegt. "Ganz so weit sind wir noch nicht", sagte Gassen dazu. Nach wie vor ringe man mit den Kassen um Details.

Bis Ende August müssen sich die Verhandlungspartner geeinigt haben. Noch nicht angesprochen ist die Anpassung des kalkulatorischen Arztlohns. Eine Positionierung der Kassen wird für Juli oder August erwartet.

Fünf Versorgungsziele haben die Honorarfachleute der KBV definiert

Sicherstellung der ärztlichen Versorgung beim Älterwerden: Hier bestehe Förderbedarf bei der ambulanten palliativmedizinischen Versorgung, der Behandlung von Patienten mit chronischen Krankheiten, die Versorgung Pflegebedürftiger zuhaus oder in Heimen und bei der geriatrischen Versorgung.

Extrabudgetäre Zuschläge könnten zum Beispiel für Hausbesuche von Praxisassistenten bei Patienten in Palliativbehandlung verhandelt werden. Zudem nimmt die KBV die Höherbewertung von Krankenbesuchen in den Blick.

Förderung der ärztlichen Versorgung beim Aufwachsen: Immer häufiger seien Kinder und Jugendliche von chronischen Erkrankungen betroffen. Werden sie volljährig endet die Zuständigkeit des Pädiaters, es drohen Versorgungsbrüche.

Die KBV strebt eine eigene Gebührenziffer für die Überleitung eines chronisch kranken Jugendlichen von der kinder- und jugendärztlichen Versorgung in die Erwachsenenmedizin an. Die Position soll den ärztlichen Aufwand bei der Transition abbilden.

Förderung der Grundversorgung in der Psychiatrie: Ziel der KBV sind feste Preise für Gesprächsleistungen außerhalb der Richtlinien-Psychotherapie als niedrigschwellige Versorgungsalternative.

Verbesserung der Schnittstelle zwischen konservativer und ambulant operativer Versorgung: Hier geht es der KBV um die extrabudgetäre Vergütung der Begleitleistungen bei ambulanten Eingriffen und die Vergütung des prästationären MRSA- und MRE-Screenings.

Schaffung bundeseinheitlicher Vergütungen in besonderen Leistungsbereichen: Beispiel: Kassenanfragen.

[15.06.2015, 13:54:28]
Dr. Wolfgang Bensch 
@ Ulrike Behm: Tun Sie´s doch!
Niemand hat etwas dagegen, wenn Sie eine privat-rechtliche Vereinbarung mit Ihren "ureigenen" Patienten abschliessen, um sie auf dem gewohnt "hohen fachlichen Niveau" weiter zu behandeln. zum Beitrag »
[13.06.2015, 16:32:32]
Ulrike Behm 
Transitionsgebühr lachhaft
Ich habe in letzter Zeit einige chronisch kranke Jugendliche - selbstverständlich auch ohne Gebühr - mit viel Aufwand , Telefonieren, Kopieren und Faxen VERSUCHT, in eine geeignete internistische Praxis zu überführen. JEDES MAL standen die Jugendlichen wieder in unserer Anmeldung und fragten, ob sie nicht doch bleiben könnten, es hätte alles nicht geklappt !!! Da diese Menschen ohnehin bei ihren Jugendärzten bleiben wollen, warum dürfen sie nicht? Es gäbe KEINE Probleme. Jeder Allgemeinmediziner darf Kinder versorgen, wir aber unsere ureigenen Patienten nicht über 18 Jahre !!! Traut man uns kein Diabetes- oder Pulmonologie etc -wissen zu ??? Endet unser Wissen schlagartig mit dem 18-ten Geburtstag ???? Ich möchte keine Transitionsziffer ich möchte MEINE Patienten weiter auf bisherigem hohen fachlichen Niveau behandeln !!!!!!!!!!!!
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